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Pflege ist alles : Plädoyer für den Bart: „Ohne-Bart-Tag“ – ohne mich

vom
Aus der Onlineredaktion

Am Sonntag sollen sich Bartträger ihres Gesichtshaars entledigen. Das muss nicht sein. Bekenntnisse eines Außenseiters.

Mehr als die Hälfte der Deutschen findet Männer mit Bart attraktiv. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov finden 61 Prozent der Frauen einen gepflegten Bart hübsch. 42 Prozent der Männer tragen einen Dreitagebart, den immer 66 Prozent der Frauen attraktiv finden. Ich gehöre in die Kategorie der zwölf Prozent, die einen Vollbart haben – und die finden nur sieben Prozent der Frauen stylisch. Ich bin ein Außenseiter. Außenseiter auch deswegen, weil ich meinen Bart schon hatte, bevor es Dinge wie die Fundraising-Aktion „Movember“ oder den „Hipster“ gab. Und jetzt fordert mich das Internet dazu auf, am kommenden Sonntag beim „Ohne-Bart-Tag“ mitzumachen und meinen Gesichtsbewuchs zu entfernen. Knappe Antwort: Nein, werde ich nicht.

Der Dreitagebart.
Ein Dreitagebart: Er gefällt Frauen am besten. Foto: Imago/Westend61
 

Der Aktionstag soll von all jenen gefeiert werden, die sich ein Leben ohne Bart kaum vorstellen können. Da kommt sogleich die Frage auf, warum man seinen Bart dann überhaupt erst wegraspeln sollte. Nur für das Gefühl sich nackt zu fühlen oder am Ende sogar zu frieren? Nein, danke.

Zusätzlich soll die glatte Haut dem Partner zugute kommen, der sich den Bart zum sanfteren Küssen schon immer weggewünscht hat. Meine Partnerin hat sich das noch nie gewünscht – im Gegenteil. Der Angriff der fünf Klingen auf meine Gesichtsbehaarung hätte fatale Folgen für meine Beziehung – im schlimmsten Falle würde er vermutlich die Scheidung nach sich ziehen – oder zumindest ein Kussverbot. Das Risiko gehe ich nicht ein. Außerdem mag auch ich meinen Bart. Kratzen und Pieken gibt es übrigens nur bei den Stoppeln der Drei- bis Zehntagebart-Fraktion. Der Vollbart ist in der Regel weich – sofern er gut gepflegt ist. Ein Pluspunkt, den immerhin sieben Prozent der Frauen erkannt haben.

Nur sieben Prozent der Frauen finden Vollbärte attraktiv.
Nur wenige Frauen finden Vollbärte attraktiv. Foto: Imago/Westend61
 

Der Vollbartträger ist entgegen gegenläufiger Behauptungen auch keineswegs zu faul zum Rasieren – zumindest nicht ausschließlich. Er weiß die Vorzüge eines heißen Kaffees anstelle einer Nass- oder Trockenrasur am Morgen einfach mehr zu schätzen und mag definitiv keine Hautirritationen. Er setzt stattdessen auf die Schere, einen Barttrimmer und einen Kamm. Er spart zusätzlich das Geld für teure Klingen und kann seine Liebste dafür auch mal zum Essen einladen.

Leider gibt es Männer, die können sich keinen Bart wachsen lassen, selbst wenn sie wollten. Was dort im Gesicht vegetiert, sind Flusen, bei anderen klaffen große Löcher auf den Wangen. Wieder andere setzen auf diverse Kinn-, Oberlippen- oder Streifenbärte von Ohr zu Ohr oder rund um den Mund, weil es entweder zur Gesichtsform passt oder die eigenen Gene kein Komplettangebot zur Verfügung stellen. Das ist tragisch und hat noch einen weiteren Nachteil: Nur zwei Prozent der Frauen finden Schnurrbärte anziehend. Ziegenbärtchen-Träger haben es auch nicht leicht, denn auch diese Wuchsform ist nur drei Prozent der Frauen geheuer.

Kommen nicht so gut an: Schnauzbärte.
Kommen nicht so gut an: Schnauzbärte. Foto: Imago/Westend61
 

Doch allen Umfragen und Statistiken zum Trotz muss Mann tun, was aussieht. Ergo: Wer es kann und wem es steht, der wird sich schnell in die dichten Gesichtshaare verlieben. Es gibt Männer, die haben die Gesichtsform, die für einen Bart prädestiniert ist. Der Bart gibt dem Gesicht eine Form oder kaschiert gar ein Doppelkinn. Warum dann also abrasieren und zurück in das juvenile Zeitalter?

Für Wissenschaftler ist der Bart von jeher ein Zeichen der Dominanz. Er soll den Feind einschüchtern, soll einen größer und stärker wirken lassen. Kurzum: Bartträger haben das Sagen. Der Trend zum Bart ist heute allerdings eher eine Rückversicherung. Ich – bin – tatsächlich – ein – Mann! Der Bart ist Identität. Nicht umsonst gibt es den Verband Deutscher Bartclubs. Und was ebenfalls wichtig ist: Er hält im Winter warm. Nachteile sind also kaum zu erkennen.

Und jeder weiß: Ein Bart macht einen Mann erst zum Mann. Er macht reifer, lässt einen vielleicht sogar ein paar Jahre älter wirken und so wird Mann von seinem Umfeld gleich anders – vielleicht sogar ernster – (wahr)genommen.

Wer sich nicht sicher ist, ob ihm ein Bart steht, der sollte es ausprobieren und beobachten. Das geht am besten im Urlaub. Und für alle Single-Männer gilt: Ein Mann mit einem Bart schläft niemals allein – er hat ja seinen Bart.

In diesem Sinne fällt der „Ohne-Bart-Tag“ am Sonntag ins Rasierwasser.

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erstellt am 17.Okt.2015 | 06:30 Uhr

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