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Schulvergleichstest : Pisa 2015: Deutsche Schüler knicken in Mathe und Naturwissenschaften ein

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Der Aufwärtstrend deutscher Schüler scheint vorerst vorbei. Nur im Testbereich Lesekompetenz gab es ein kleines Plus.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 11:31 Uhr

Berlin | Das deutsche Bildungssystem hat beim weltweiten Schulvergleichstest „Pisa 2015“ einen Rückschlag hinnehmen müssen. Die rund 10.000 geprüften 15-jährigen Schüler aus Deutschland erzielten in Naturwissenschaften und Mathematik schlechtere Ergebnisse als drei und sechs Jahre zuvor, blieben aber mit ihren Leistungen im oberen Drittel der Ranglisten.

Als vor zehn Jahren, im Dezember 2001, die Ergebnisse der ersten PISA-Studie veröffentlicht wurden, war die Öffentlichkeit geschockt. Denn die Leistungen der deutschen Schüler im Lesen, in der Mathemetik und in den Naturwissenschaften waren im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Jeder vierte 15-Jährige konnte demnach nicht richtig lesen und schreiben. Der „Pisa-Schock“ wurde in Deutschland zum geflügelten Wort und führte zu mehreren Bildungsreformen. Seitdem befinden sich deutsche Schüler im Aufwärtstrend.

OECD-Experte Heino von Meyer fasste den Befund für das deutsche Bildungssystem nach der sechsten PISA-Studie in Berlin so zusammen: „Deutschland hat das Jammertal des PISA-Schocks von 2001 verlassen“ - es befinde sich aber nun lediglich auf einem „Hochplateau des oberen Mittelfeldes“ ohne spürbare Reformdynamik.

Im Testbereich Lesekompetenz ging es bei der deutschen Punktzahl leicht aufwärts, wie die für alle Pisa-Studien zuständige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag mitteilte. Deutschland kam in Naturwissenschaften, dem Pisa-Schwerpunktfach 2015, auf 509 Punkte (2012: 524), in Mathematik auf 506 (514), in Lesekompetenz/Textverständnis auf 509 (508). Hier schnitten die 15-Jährigen so gut ab wie nie zuvor.

Insgesamt nahmen gut eine halbe Million Mädchen und Jungen aus rund 70 Staaten und Großregionen an „Pisa 2015“ teil, erstmals auch im Bereich Problemlösen im Team als Indikator für soziale Kompetenz.

Trotz eines ersten Leistungsknicks nach jahrelangem Aufwärtstrend beim „Programme for International Student Assessment“ (Pisa) steht Deutschland alles in allem solide im Vorderfeld der Ränge 10 bis 20. Die Leistungen der im April/Mai 2015 hierzulande getesteten Mädchen und Jungen lagen auch weiterhin jeweils über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Jeder Neunte (11 Prozent) brachte bei „Pisa 2015“ Spitzenleistungen - drei Prozentpunkte über OECD-Niveau.

PISA-Testsieger mit klarem Abstand ist wieder Singapur: In den Naturwissenschaften liegt der südostasiatische Insel- und Stadtstaat mit 556 Punkten vor Japan (538) und Estland (534) als bestem europäischen Land. In Mathematik rangiert Singapur mit 564 Punkten vor den chinesischen Großregionen Hongkong (548) und Macao (544), in Lesekompetenz mit 535 Punkten vor Kanada und Hongkong (jeweils 527) sowie dem langjährigen europäischen Pisa-Champion Finnland (526).

 

Was und wie wurde getestet?

Nach 2006 wurde bei „Pisa 2015“ zum zweiten Mal schwerpunktmäßig die Naturwissenschaftliche Kompetenz von 15-Jährigen auf den Prüfstand gestellt. Aus diesem Bereich stammte diesmal ein Großteil der Fragen, der „NaWi“-Katalog umfasste insgesamt gut 180 Aufgaben. Die für Pisa zuständige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veranschlagte alles in allem rund dreieinhalb Stunden für die als „wirklichkeitsnah“ beschriebenen Testfragen.

Jeweils ein kleinerer Teil der Pisa-Aufgaben 2015 betraf die Bereiche Mathematik sowie auch Lese-/Textverständnis. Dies wird von der OECD definiert als Fähigkeit, „geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“. Gut 10.000 Schüler aus Deutschland wurden getestet und außerdem Zehntausende Eltern, Lehrer und Schulleiter im Rahmen von „Pisa 2015“ befragt.

Der 2015er Test wurde erstmals komplett Computerbasiert bearbeitet. Dies galt auch für die in dieser sechsten Pisa-Auflage enthaltenen übergreifenden Kompetenzen des Problemlösens im Team. Die Jugendlichen mussten am Computer Aufgaben bearbeiten, in denen sie nicht auf sich allein gestellt waren, sondern virtuell Mitschüler oder Partner haben. Diese für soziale Kompetenz aussagekräftigen Testergebnisse werden als Pisa-Teilstudie erst 2017 veröffentlicht, weil das Datenmaterial äußerst umfangreich ist.

Für jeden der drei Bereiche wurden fünf Kompetenzstufen definiert - nur sehr gute oder herausragende Schüler schaffen die Stufen IV und V. Die Pisa-Stichprobe gilt laut OECD als repräsentativ für 15-jährige Schüler, die eine Schule in Deutschland besuchen. Weltweit nahmen im April/Mai 2015 gut eine halbe Million Mädchen und Jungen aus etwa 70 Staaten und Regionen teil - stellvertretend für etwa 29 Millionen Schüler dieser Länder. Eine regionale Aufschlüsselung nach Bundesländern gibt es nicht. Diese lieferte zuletzt Ende Oktober der „Bildungstrend“ des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

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