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Flugzeugabsturz in Frankreich : Pilot aus SH: „Ich gehörte zur A320-Flotte“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Schleswig-Holsteiner flog in den 90er Jahren die Unglücksmaschine. Was er über den Absturz denkt.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 07:20 Uhr

Kiel | Einer, der den Flugzeug-Typ Airbus A320 ganz genau kennt, lebt in der Nähe der Ostsee in Schleswig-Holstein. Der ehemalige Lufthansa-Pilot, der namentlich nicht genannt werden möchte, ist sogar die Unglücksmaschine geflogen.

Das Flugzeug war in den 90er Jahren unter dem Städtenamen „Mannheim“ noch für die Germanwings-Mutter Lufthansa unterwegs. „Zwischen 1991 und 1998 gehörte ich zur A 320-Flotte der Lufthansa und bin auch mehrfach mit der Mannheim geflogen“, sagte der 62-Jährige gestern dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z).

Probleme habe es dabei nie gegeben. Überhaupt sei der Airbus A 320 für ihn eines der sichersten und auch immer noch eines der modernsten Verkehrsflugzeuge, die auf dem Markt sind. Dass die verunglückte Maschine bereits 24 Jahre alt war, spiele überhaupt keine Rolle. „Bei den Airbussen, die heute vom Band laufen, gibt es von technischer Seite allenfalls minimale Unterschiede zu den älteren Maschinen, die auf die Sicherheit nach dem Stand meiner Erfahrungen aber überhaupt keine Auswirkungen haben. Vorausgesetzt, das Flugzeug wird immer vernünftig gewartet.“ Ob es im Bereich Wartung Unterschiede zwischen Maschinen von Germanwings und Lufthansa gibt, konnte der Pilot, der insgesamt 34 Jahre für die Kranich-Airline geflogen ist, aus eigener Erfahrung zwar nicht sagen. Nach dem, was er gehört und gelesen habe, könne man das aber sicher ausschließen.

Das schreckliche Unglück in den französischen Alpen hat den Norddeutschen deutlich mehr getroffen, als etwa der Absturz der Air-Asia-Maschine kurz vor Weihnachten. „Einfach, weil es näher dran ist. Mittags ging es zunächst noch, aber abends habe ich dann gemerkt, dass mir die Sache doch sehr nahe gegangen ist und immer noch geht.“ Absolutes Verständnis hat er denn auch für die Piloten, die sich gestern, einen Tag nach dem Unglück, nicht in der Lage sahen, ein Flugzeug zu steuern. Germanwings sei eine relativ kleine Gesellschaft mit einer nicht wirklich großen Airbus-Flotte. „Die kennen sich alle untereinander. Ich könnte mir vorstellen, dass auch ich, wenn ich so eine Nachricht bekommen hätte, so beschäftigt und psychisch beeinträchtigt gewesen wäre, dass ich eine sichere Flugdurchführung hätte nicht garantieren können und es deshalb lieber gelassen hätte.“

Genervt ist der erfahrene Flugkapitän von den ganzen Spekulationen ob der möglichen Absturzursache, an denen er sich auf keinen Fall beteiligen will. „Die Kaffeesatzleserei, die geht mir ziemlich auf den Keks.“ Man müsse die Fakten abwarten, die Flugdatenschreiber und Cockpit-Voice-Rekorder liefern. „Spekulieren hilft uns doch nicht weiter.“

Zurückhaltend ist der 62-Jährige deshalb auch bei der Frage, warum die Piloten während des achtminütigen Sinkfluges keine einzige Nachricht abgelassen haben. „Offensichtlich waren sie nicht in der Lage, irgendetwas zu sagen. Entweder aus körperlichen Gründen oder weil sie einfach zu beschäftigt waren. Aber, wie gesagt, auch das ist reine Spekulation.“ Jetzt sollte man auf die Fakten warten und dann eine vernünftige Unfallaufklärung machen.

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