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Historische Viermastbarken : „Passat“, „Pamir“ & Co.: Wo sind die „Flying P-Liner“?

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Riesenschiffe wie zuletzt die „Peking“ ziehen immer wieder Schaulustige an. Doch wo sind ihre Schwesternschiffe?

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erstellt am 02.Aug.2017 | 13:54 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Reederei F. Laeisz ist bekannt für ihre Viermastbarken - die „Flying P-Liner“. „P-Liner“ deshalb, weil die Schiffe alle einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „P“ haben. Die Segelfrachter galten als besonders schnell und sicher und wurden vor allem für den Überseehandel mit Südamerika gebaut.

Das Museumsschiff 'Peking' liegt seit Ende Juli wieder in der Elbe.
Das Museumsschiff "Peking" liegt seit Ende Juli wieder in der Elbe. Foto: Christian Charisius

Im vergangenen Monat sorgte die historische Viermastbark „Peking“ für Aufsehen. Denn die stählernde Lady, die 1911 ihren Stapellauf in Hamburg hatte, ist nach 85 Jahren wieder zu Hause. Gebaut wurde das Frachtschiff für den Überseehandel in der Hamburger Werft „Blohm+Voss“. Mit ihren 115 Metern Länge war sie damals eines der größten Segelschiffe der Welt. Seit 1975 lag sie in New York - im Juli wurde die „Peking“ huckepack auf einem Dockschiff über den Atlantik zurück nach Hamburg gebracht.

Die „Peking“ reiste huckepack auf dem Dockschiff „Combi Dock“.

Die „Peking“ reiste auf dem Dockschiff „Combi Dock“.

Foto: Karsten Schröder

Was ist mit den anderen „Flying P-Linern“?

Neben der „Peking“ baute die Hamburger Reederei noch 85 weitere Schiffe. Insgesamt 66 von ihnen bekamen einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „P“. Die erste „P-Liner“ benannte Carl Laeisz nach dem Spitznamen seiner Frau Sophie - „Pudel“. Fortan sollten alle Schiffe der Reederei mit „P“ beginnen. Besonders bekannt sind die acht letzten Laeisz-Segler, die auch als „die acht Schwestern“ bekannt sind: „Pangani“ (1903), „Petschili“ (1903), „Pamir“ (1905), „Passat“ (1911), „Peking“ (1911), „Pola“ (1918), „Priwall“ (1920) und die „Padua“ (1926). Sie alle waren Viermastbarken, die für die Salpeterfahrten nach Südamerika gebaut wurden.

Vier von ihnen erlitten Kollisionen mit Dampfern oder Strandungen. Die „Pamir“ mag dem einen oder anderen wohl wegen ihres tragischen Untergangs bekannt sein. Nächsten Monat ist das Unglück 60 Jahre her. Die Viermastbarke geriet im September 1957 in einen Hurrikan und sank etwa 600 Seemeilen westlich der Azoren. Von den 86 Besatzungsmitgliedern überlebten nur sechs.

<p>Vor 60 Jahren sank die „Pamir“. Die Tragödie gilt als das schlimmste deutsche Schiffsunglück der Nachkriegszeit.</p>

Vor 60 Jahren sank die „Pamir“. Die Tragödie gilt als das schlimmste deutsche Schiffsunglück der Nachkriegszeit.

Foto: dpa
 

Heute sind - neben der „Peking“ - noch zwei weitere Segelfrachter von den „acht Schwestern“ übrig geblieben.

Die „Passat“ lief 1911 vom Stapel und liegt seit 1960 im Hafen von Travemünde. Noch Ende 1911 lief sie zu ihrer Jungfernfahrt um das Kap Hoorn nach Valparaíso in Chile aus. Sie galt als besonders schnelles Segelschiff, das Geschwindigkeiten von bis zu 18 Knoten erreichen konnte.

Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges lag die Passat im chilenischen Iquique fest. Erst 1921 konnte die Viermastbark nach Europa zurückkehren, wo sie als Reparationsleistung an Frankreich übergeben wurde. Da Frankreich jedoch keine Verwendung für das Schiff hatte, kaufte die Laeisz Reederei das Schiff zurück und setzte es erneut für die Salpeterfahrten ein. Da die Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre der Hamburger Reederei schwer zusetzte, verkaufte sie den Segelfrachter an eine finnische Reederei. 1951 gelang die „Passat“ gemeinsam mit der „Pamir“ zurück in die Hände einer deutschen Reederei. Sie wurde aufwändig modernisiert, sodass sie 1952 als frachttragendes Segelschulschiff mit 54 Kadetten an Bord wieder in See stechen konnte.

1959 kaufte die Hansestadt Lübeck die „Passat“. Am Priwallufer in Travemünde ging sie dann 1960 endgültig vor Anker. Die Segel wurden verkauft. Heute dient der Großsegler als Museumsschiff, Jugendherberge und maritime Kulisse für Trauungen.

<p>Seit 1960 liegt die Viermastbark „Passat“ in Travemünde.</p>

Seit 1960 liegt die Viermastbark „Passat“ in Travemünde.

Foto: imago/blickwinkel
 

Die „Padua“ war das letzte Schiff der „Flying P-Liner“ und heißt heute „Kruzenshtern“. Unter russischer Flagge ist sie heute in Kaliningrad zu Hause und dient als Segelschulschiff für den Nachwuchs der Fischereiflotte. Sie ist das einzige Segelschiff der Flotte, das noch im Einsatz auf See ist. Seit 1974 nimmt die „Kruzenshtern“ auch an internationalen Regatten teil, so ist sie zum Beispiel alle fünf Jahre auf der „Sail“ in Bremerhaven zusehen.

<p>Die „Kruzenshtern“ bei der 25. Hanse Sail in Rostock.</p>

Die „Kruzenshtern“ bei der 25. Hanse Sail in Rostock.

Foto: dpa/Bernd Wüstneck
 
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