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Er lebte als Flüchtling in Recklinghausen : Paris-Attentäter war 24-jähriger Tunesier

vom

Mit einem Schlachterbeil attackierte er vor zwei Wochen in Paris Polizisten: Der erschossene Attentäter hat keiner islamistischen Gruppe angehört.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 17:26 Uhr

Düsseldorf | Der vor zwei Wochen in Paris erschossene islamistische Attentäter ist den Ermittlern zufolge ein aus Tunesien stammender Einzeltäter. Mehrere Hinweise auf ein islamistisches Netzwerk hätten sich nicht bestätigt, sagte der Chef des Landeskriminalamtes (LKA) NRW, Uwe Jacob, am Freitag in Düsseldorf. ,

Der Mann war mit einer Bombenattrappe und einem Schlachterbeil auf Polizisten losgegangen. Dabei rief er „Allah ist groß“. Die Beamten erschossen den Angreifer. Der Vorfall geschah am Jahrestag des Angriffs auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“. Am 11. Januar 2015 waren elf Menschen getötet worden.

Der Angreifer - der zeitweise als Asylbewerber in Recklinghausen lebte - sei inzwischen anhand seiner Fingerabdrücke als 24 Jahre alter gewordener Tunesier Tarek B. identifiziert worden. B. sei bereits 2011 nach Rumänien eingereist und nach Tunesien abgeschoben worden. Er habe in sieben europäischen Ländern Asylanträge gestellt, 20 verschiedene Identitäten vorgetäuscht und sei straffällig geworden. 2014 kam er nach Recklinghausen. In NRW verbüßte er auch eine einmonatige Freiheitsstrafe. In Deutschland war er unter dem Namen Walid S. registriert. Das Ergebnis der DNA-Analyse stehe allerdings noch aus.

Das LKA hatte in dem Fall am Freitag erneut zahlreiche Objekte durchsucht und dabei auch das Umfeld des Mannes überprüft. Er war am 7. Januar, ein Jahr nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“, in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte „Allah ist groß“ gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.

Jacob kritisierte die europäische Asyl-Datenbank Eurodac. Sie gehöre auf den Prüfstand. Der Polizei müssten alle verfügbaren Daten zur Verfügung gestellt werden, um umherreisende Straftäter erkennen zu können, sagte der LKA-Chef. Bislang würden nicht einmal die Personalien mitgeteilt.

Die Reisewege des Attentäters hätten nur mit sehr großem Aufwand nachvollzogen werden können. Nach Rumänien hatte der Tunesier demnach auch in Österreich, Italien, Luxemburg, der Schweiz, Deutschland und Schweden Asylanträge gestellt. Eine Kommission aus 60 Beamten des LKA NRW ermittelt in dem Fall.

Im Zimmer des Mannes hatten Beamte schon im vergangenen Jahr eine aufgemalte Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entdeckt. Die deswegen eingeleiteten Ermittlungen seien von der Staatsanwaltschaft aber im Juni 2015 eingestellt worden, weil sich keine Hinweise auf strafbare Handlungen ergeben hätten. Auf seinem Handy seien zwar IS-typische Bilder und Fotos von Osama bin Laden entdeckt worden. Diese stammten aber aus öffentlich zugänglichen Internetquellen.

Gegen Tarek B. wurde seit Mai 2014 unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandels, Diebstahls und Körperverletzung ermittelt. Laut LKA reiste der Angreifer 2013 zum ersten Mal nach Deutschland ein und soll davor illegal in Frankreich gelebt haben. Ausgegeben habe er sich abwechselnd als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier.

Schon 2014 war der Angreifer vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt worden. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen angegrapscht haben.

 

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