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Mauerfall vor 25 Jahren : Ost-West-ABC: Deutsche Unstimmigkeiten

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Vor 25 Jahren fiel die Mauer. Zwischen den alten und neuen Bundesländern gibt es aber noch viele Missverständnisse bei einigen Begriffen. Ein Beispiel: Das Jägerschnitzel. Ein Überblick von A bis Z.

Buchstabe A

Den Aktendulli hat in der ehemaligen DDR so manche Firma gut gebraucht, um die Masse von Dokumenten zu sortieren. Im westlichen Teil der Republik wird der praktische Bürohelfer als Heftstreifen bezeichnet.

B

„Ach, hab’ ich jetzt Lust auf einen leckeren goldbraunen Broiler“, hört man in den neuen Bundesländern auch heute noch oft zur Mittagszeit. Gemeint ist damit das – auch im Westen – beliebte Brathähnchen.

C

Der Campingbeutel war in der ehemaligen DDR die Bezeichnung für einen kleinen karierten Rucksack.

D

Eine Jugendherberge kennt niemand ohne die bei den Kindern beliebten und gern erklommenen Doppelstockbetten.  Das Pendant im Westen war das Etagenbett.

E

Die Eingabe war in der DDR eine Art Beschwerde oder Petition. Es war die einzige Möglichkeit für die Bürger, sich gegen staatliche Willkür zu wehren. Die Besonderheit:  Eine Eingabe konnte  ebenso in Firmen getätigt werden und somit die gesamte Wirtschaft einschließen.

F

„Mit Fit geht das schon ab“, sagt die ostdeutsche Hausfrau noch heute, wenn es ums Putzen  geht.  Fit wurde zunächst nur in der DDR hergestellt und dort, wie „Pril“ in der BRD, zum Namen für jegliches Spülmittel.

G

Getränke aller Art gab es in der DDR im Getränkestützpunkt. Im Westen hieß der Laden kurzum  Getränkeshop. Heute wird sowohl in West- und Ostdeutschland auch Getränkemarkt gesagt.

H

Der „Hühnerschreck“ war ein Fahrrad mit einem MAW-Hilfsmotor und sehr laut – daher der Name. Auch im Westen fuhren viele Jugendliche mit dem Zweirad durch die Dörfer, bis das Moped erhältlich war und das Fahrrad ablöste.  In der DDR blieb der „Hühnerschreck“ weiterhin beliebt.

I

Intershop, so hieß der Laden mit Ware aus dem Westen, in dem mit Westgeld gezahlt wurde.

J

Keine Mahlzeit sorgt wohl auch heute noch für mehr Missverständnisse als das „Jägerschnitzel“. Im Osten freut sich jeder über gebratene panierte Jagdwurst mit Nudeln und Tomatensoße. Währenddessen im westlichen Teil der Republik diese Mahlzeit aus einem gebratenen Kalbs- oder Schweineschnitzel mit einer Pilz-Tomaten- oder Pilz-Sahnesoße besteht.

K

In der Kaufhalle fanden die Bürger der ostdeutschen Bundesländer alles, was sie brauchten: Lebensmittel, Drogerieartikel und Reinigungsmittel.  Die Westdeutschen kennen diesen Laden vor allem als Supermarkt – heute wird auch oft der englische Begriff Discounter verwendet.

L

Letscho ist ein Schmorgericht aus der ungarischen Küche. Das Gericht ist besonders in Ostdeutschland beliebt. In anderen Teilen Deutschlands ist es nicht verbreitet.

M

Die Messe der Meister von Morgen (MMM) war in der DDR ein Jugendwettbewerb. Die Messe fand von 1958 bis 1990 jährlich statt. Ziel war es, bei der sozialistischen Jugend das Interesse für Technik und Wissenschaft zu steigern und so neuen Ingenieurs-Nachwuchs zu schaffen. Sie war, abgesehen von ihrer ideologischen Komponente, vergleichbar mit dem  Wettbewerb „Jugend forscht“ in der Bundesrepublik.

N

Jeder hat mindestens einen Nicki  im Schrank liegen. Im Westen sorgt dieses Wort zwar für Gelächter, dabei ist es auch dort sehr verbreitet und wird gern getragen – besonders an Sommertagen – es heißt aber T-Shirt.

O

Die Othello-Kekse mit viel Kakao mussten bei jedem Wandertag in der Schule mit. Die Firma Wikana stellt sie noch immer her.

P

Der Plastebeutel dient noch heute als nützlicher Helfer bei einem Einkauf. Doch im Westen wird man dafür missbilligend angesehen, denn neudeutsch heißt er Plastikbeutel.

Q

Quarkkeulchen oder Quarkgebäck, wie der „Wessi“ sagen würde, sind flache, in der Pfanne gebratene Klößchen aus Quarkteig und eine sächsische Süßspeise.

R

(Drei-)Raum-Wohnungen werden  im Osten gemietet, im Westen findet man dagegen nur Drei-Zimmer-Wohnungen.

S

Eine Stulle hat jedes ostdeutsche Kind für die Schulpause mitbekommen. Das westliche Pendant dazu war das  belegte Pausenbrot.

T

Besonders bei den Mädchen unbeliebt und oftmals – absichtlich – vergessen wurde der Turnbeutel. Mit ihm transportieren die Schüler ihre Sportutensilien.  Er ist aus Stoff und wird meistens mit einer Zugschnur verschlossen. Mittlerweile hat sich sowohl in West- als auch in Ostdeutschland der Begriff Sporttasche durchgesetzt.

U

„USP“ war die gängige Abkürzung für Unterricht in der Sozialistischen Produktion. Dabei mussten Schüler ab der 8. Klasse der polytechnischen Oberschulen  in Betrieben arbeiten, um die praktische Arbeit kennenzulernen. Auch üblich als UTP (Unterrichts-Tag in der Produktion), zuletzt nur noch PA genannt (Praktische Arbeit).

V

Die Volksschwimmhalle ist das Hallenbad der DDR. Diese wurde in den 1960er und 1970er Jahren in vielen Städten nach einem ähnlichen Muster erbaut.

W

Mit dem Gericht  Würzfleisch können die westdeutschen Restaurantbesucher wohl nicht viel anfangen, dabei ist es auch in den alten Bundesländern eine beliebte Vorspeise bestehend aus Schweinefleisch und Geflügel: das Ragout fin.

X, Y, Z

„Von Anton bis Zylinder – Das Lexikon für Kinder“ kann als das Nachschlagewerk für Kinder der DDR-Generationen angesehen werden. Es wird noch heute  verlegt.

 
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erstellt am 09.Nov.2014 | 09:18 Uhr

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