Rassismus-Vorwurf gegen US-Universität : Ordner zerren tanzende Studenten bei Abschlussfeier von der Bühne

Die Universität von Florida in Gainesville wird während einer Veranstaltung eines rechten Sprechers von Polizisten bewacht.

Die Universität von Florida in Gainesville wird während einer Veranstaltung eines rechten Sprechers von Polizisten bewacht.

Abruptes Ende einer Feier. Eine der größten Unis der USA sieht sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert.

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08. Mai 2018, 16:44 Uhr

Gainesville | Tanzende Studenten an der Universität von Florida in Gainesville wollten voller Freude ihre bestandenen Examen feiern. Doch daraus wurde nichts. Bei ihrer Abschlussfeier am vergangenen Wochenende wurden sie ruppig von einem der Ordner von der Bühne gedrängt. Auch auffällig dabei: Es traf fast nur Schwarze.

„Ich sah den Kerl auf mich zu kommen...und als er mich drückte, wäre ich fast gefallen, und ich fing mich selbst. Aber er hat mich so weit gestoßen, so dass ich die Hand der Dame verpasste, die ich schütteln sollte“, berichtete eine der Absolventinnen gegenüber der „Washington Post“. Sie plante, auf der Bühne eine Siegerpose wie im Stile des Sprinters Usain Bolt aufzuführen. 

Rund 10.000 College-Absolventen planten in ihren Gewändern eine prunkvolle Feier. Es herrschte ausgelassene Stimmung bis einer der Ordner sie in einer „unangemessen aggressiven“ Manier von der Bühne stieß, so heißt es in der „Post“.

Videos von den Bühnen-Schubsern landeten in den sozialen Netzwerken:

Zahlreiche Teilnehmer der Abschlussfeier schilderten ebenfalls die Szenen auf der Bühne und ihre Einschätzungen.

Eine Beobachterin drückte ihr Mitgefühl aus und wies darauf hin, dass im Jahr zuvor während ihrer Abschlussfeier Kommilitonen auf der Bühne tanzten und sie nicht gesehen habe, dass sie beleidigt wurden oder sich respektlos behandelt fühlten. Es sei auch niemand von der Bühne geschleppt worden. Doch: Die Tänzer seien auch nicht schwarz gewesen, für sie sei applaudiert worden.

 

Schwarze wurden von der Bühne gezerrt, aber auch mit Weißen wurde von dem Ordner unsanft umgegangen.

„Was sie taten, heißt ,Flanieren' und hat eine historische Bedeutung in ihrer Geschichte, Kultur, Organisation. Es wurden auch Studenten anderer Rassen gejagt beziehungsweise gedrängt (siehe Video), aber er war aggressiver mit diesen abgebildeten Schülern“, heißt es in einem Tweet:

Eine Absolventin sagte gegenüber der „Post“, sie glaube nicht, dass die Tänze der schwarzen Studenten als größere Provokation anzusehen seien als die Taten einiger weißer Kommilitonen, die aber nicht weggedrängt wurden. „Der Vorfall spricht zu dieser Zeit das größer werdende Problem der Rassenbeziehungen in den Vereinigten Staaten an.[...] Dies ist die Zeit, um schwarze Exzellenz hervorzuheben; stattdessen wurden wir wie Kriminelle behandelt.“ 

Für manche Beobachter verübte der Ordner aber nur seinen Job:

Trotzdem: Der Präsident der Universität, W. Kent Fuchs, sah sich zu einer Entschuldigung gezwungen. Die Beamten seien „unangemessen aggressiv“ gewesen.

Auch die Hochschule teilte auf ihrem offiziellen Twitter-Account mit: „Die Universität ist stolz auf die Leistungen jedes einzelnen unserer Absolventen und bedauert, dass jede Feier des Tages von denen, die eine Abschlussfeier überwachen, beeinträchtigt worden sein könnte.“

Einige der Studenten erhielten auch persönliche Anrufe des Uni-Präsidenten. Ihnen sei versichert worden, dass die Hochschule die Vorgänge untersuche. Eine Antwort, warum die Absolventen von der Bühne gestoßen wurden, sei ausgeblieben. Und viele hätten sich auch gewünscht, dass der Präsident, der im Publikum saß, direkt eingegriffen hätte. 

Gegen Rassismus und vor allem Gewalt von Polizisten gegen Schwarze setzt sich in den USA seit Jahren die nationale Protestbewegung „Black Lives Matter ein. Und doch ist unter Präsident Donald Trump das Problem nicht kleiner geworden. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Beispielhaft ist etwa der Kniefall des Football-Profis Colin Kaepernick während der amerikanischen Hymne, um so gegen Polizeigewalt und die Unterdrückung von Minderheiten in den USA zu protestieren. Zahlreiche US-Sportler folgten diesem Vorbild – und wurden dafür wüst von Trump beschimpft. Zum Fall aus Florida hat sich der US-Präsident bisher noch nicht geäußert.

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