Neuer Katalog der Krankheiten : Online-Spielsucht jetzt offiziell als Krankheit anerkannt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat exzessives Online-Spielen in ihren Katalog der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen. /Symbolbild
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat exzessives Online-Spielen in ihren Katalog der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen. /Symbolbild

Es ist umstritten, aber die Weltgesundheitsorganisation erkennt Online-Spielsucht nun als Krankheit an. Sie will keinen Freizeitspaß verteufeln, sondern definiert klare Alarmzeichen für eine Sucht.

shz.de von
18. Juni 2018, 15:57 Uhr

Gegen die Kritik vieler Wissenschaftler sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Online-Spielsucht nun als eigenständige Krankheit an.

In ihrem neu veröffentlichten Katalog der Krankheiten (ICD-11) steht exzessives Online-Spielen unter anderen Suchtkrankheiten wie Glücksspielsucht. Kritiker fürchten, dass Menschen, die viel online spielen, fälschlich als therapiebedürftig eingestuft werden könnten.

Die WHO beschreibt in dem Katalog nach ihren Angaben eindeutige Symptome, die Ärzten die Diagnose erleichtern sollen. Dazu gehört, dass ein Mensch alle anderen Aspekte des Lebens dem Online-Spielen unterordnet und trotz negativer Konsequenzen weitermacht, und dies über einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten.

Betroffene sollen nach Meinung von Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch in Kliniken behandelt werden, die bereits andere Patienten beim Entzug unterstützen. Er hofft, dass das neue Phänomen, das vor allem junge Leute betreffe, besser erforscht wird.

Der Katalog wurde zuletzt vor 28 Jahren neu gefasst. Er enthält mehr als 55.000 Klassifizierungscodes für Krankheiten, Verletzungen und Todesursachen und soll damit auch weltweite Statistikerhebungen erleichtern. Er muss von der Weltgesundheitsversammlung im kommenden Jahr noch abgesegnet werden und gilt dann offiziell ab Januar 2022.

Der Katalog enthält auch erstmals ein Kapitel über traditionelle Medizin und ein Kapitel über Sexualgesundheit. Darunter ist etwa «unklare Geschlechtsidentifizierung» gefasst - was früher unter psychischen Krankheiten gelistet war.

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