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Noten sind nur Anhaltspunkte: Wie Angehörige ein gutes Heim finden

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Berlin (dpa/tmn) - Im Umgang mit Beschwerden eine 1,0, bei der Vorbeugung zum Wundliegen nur eine 3,2. Die Noten des Pflege-TÜVs sind dazu gedacht, Angehörigen bei der Wahl eines Heims weiterzuhelfen. Für sich betrachtet, sind sie aber nicht aussagekräftig genug.

Berlin (dpa/tmn) - Im Umgang mit Beschwerden eine 1,0, bei der Vorbeugung zum Wundliegen nur eine 3,2. Die Noten des Pflege-TÜVs sind dazu gedacht, Angehörigen bei der Wahl eines Heims weiterzuhelfen. Für sich betrachtet, sind sie aber nicht aussagekräftig genug.

Angehörigen fällt es nicht leicht, das passende Pflegeheim für Mutter oder Vater zu finden. Sie stehen bei der Suche oft unter einem großen Zeitdruck, beispielsweise, weil ein Elternteil einen Schlaganfall erlitten hat. «Im Schnitt schauen sich Angehörige etwa drei Heime an, bevor sie sich entscheiden», sagt Ralf Suhr, Vorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Um eine gute Einrichtung zu finden, können sich Betroffene an fünf Punkten orientieren.

Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen: «Das ideale Heim für alle gibt es nicht», erklärt Suhr. Angehörige sollten sich deshalb überlegen, was für ihre Mutter oder ihren Vater besonders wichtig ist. Sind sie Naturliebhaber? Dann kommen sie in einem ruhigen Heim mit großem Garten wahrscheinlich besser zurecht als in einem Haus mitten in der Stadt. Entscheidend ist auch, warum ein älterer Mensch ins Pflegeheim muss. Hat er eine Demenz, profitiert er von einer Einrichtung, die sich auf den Umgang damit spezialisiert hat.

Auf Transparenz achten:Dafür sollte der Pflege-TÜV sorgen. Experten bewerten dabei Heime aufgrund von 82 Kriterien, am Ende werden Noten vergeben. Nach großer Kritik ist nun eine Reform des Kontrollsystems geplant. Dabei sollen 21 zentrale Punkte besonders hervorgehoben werden. Am besten werten Angehörige die Noten ohnehin nur als Anhaltspunkte, empfiehlt Suhr. «Das sind Mittelwerte, die für den Verbraucher wenig aussagekräftig sind.» Es müsse ins Detail geschaut werden: «Gibt es in dem Heim beispielsweise bestimmte Vorkehrungen, um das Wundliegen der Bewohner zu vermeiden? Wie ist die Benotung bei der Flüssigkeitsversorgung? Wird regelmäßig überprüft, ob freiheitseinschränkende Maßnahmen nötig sind?», zählt er auf.

Zu vernachlässigen sei dagegen der Aspekt: Wird der Essensplan veröffentlicht? Wenn das Essen nicht schmecke, helfe es auch nicht, wenn der Plan an der Wand hänge.

Auszeichnungen skeptisch sehen:Viele Heime schmücken sich laut Suhr im Eingangsbereich mit Siegeln und Zertifikaten, zum Beispiel zum Qualitätsmanagement. Darauf könnten Angehörige aber nichts geben. Denn wissenschaftlich gebe es keine Hinweise dafür, dass diese Auszeichnungen die Qualität in der Pflege besser machen.

Viele Fragen stellen: Angehörige nehmen sich am besten mindestens eine Stunde Zeit für ein Gespräch mit der Heimleitung oder den Pflegern. Dabei sollten Dinge zur Sprache kommen wie «Kann meine Mutter oder mein Vater beim Einzug persönliche Dinge mitnehmen?», «Gibt es die Möglichkeit, den alten Hausarzt zu besuchen?» oder «Was für Freizeitbeschäftigungen bieten Sie an?»

Auf seine Sinne vertrauen: «Gehen Sie mit offenen Augen, Nase und Ohren durch das Haus», empfiehlt Suhr. Der erste Eindruck zähle. Und schon nach kurzer Zeit könnten Angehörige beurteilen, ob das Heim hell und freundlich wirke, ob es gut rieche und das Pflegepersonal einen entspannten Eindruck mache. Auch ein Blick auf die Bewohner spricht Bände: Wird Wert auf individuelle Kleidung gelegt oder sitzen alle einheitlich im Jogginganzug herum?

Mit Heimbeirat sprechen: Eine weitere gute Möglichkeit ist es, mit dem Heimbeirat zu sprechen. Ihm gehören beispielsweise andere Angehörige oder auch Bewohner an. Bei ihnen lasse sich schnell herausfinden, ob die von der Heimleitung angepriesenen Leistungen auch in die Realität umgesetzt würden.

Checkliste für Angehörige

Für Angehörige ist die Pflege kranker Menschen psychisch in mehrfacher Weise belastend. Oft fehlen ihnen Rückzugsmöglichkeiten und Anerkennung für ihre Arbeit. Um sich zu entlasten, sollten sie auf einen Mix aus verschiedenen Unterstützungsangeboten setzen. Darauf weist Prof. Steffi Riedel-Heller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hin. Zum einen bieten sich Angehörigengruppen an: Darin ist das Verständnis und die Toleranz gegenüber Problemen groß, so dass Angehörige oft besser mit Krisensituationen umgehen können.

Außerdem kann Angehörigen die stundenweise Betreuung durch einen Pflegedienst helfen. Das verschafft ihnen Zeit, sich um eigene Dinge zu kümmern und ihre Batterien wieder aufzuladen. Darüber hinaus ist es günstig, für andere Möglichkeiten offen zu sein. Träger der Altenhilfe, der Gemeinde oder der Kirche vermitteln häufig ehrenamtliche Helfer. Sie übernehmen zwar keine direkten Pflegeaufgaben, können sich aber mit dem Pflegebedürftigen beschäftigen oder Angehörigen beratend zur Seite stehen.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 03:22 Uhr

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