Nach Referendum in Irland : „Niederlage für die Menschheit“: Vatikan wettert gegen Homo-Ehe

Während Deutschland einen Gesetzesentwurf auf den Weg bringt, wählt der Vatikan harsche Worte zum Homo-Ehe-„Ja“ der irischen Bevölkerung.

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27. Mai 2015, 11:01 Uhr

Rom | Der Vatikan hat das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet. „Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken“, sagte Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin am Dienstag bei einer Veranstaltung in Rom. „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“, zitierte ihn Radio Vatikan weiter.

Das katholische Irland hatte in einem Referendum am Wochenende für die Ehe für homosexuelle Paare gestimmt. Damit ist Irland das erste Land, das per Volksentscheid die Homo-Ehe zulässt. Bisher stand dort homosexuellen Paaren - ähnlich wie in Deutschland - nur die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft offen. Diese bot aber nicht den gleichen verfassungsmäßigen Schutz der Familie. Die Regierung von Premierminister Enda Kenny hatte sich vehement für die Zulassung der Homo-Ehe eingesetzt. Bis 1993 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen in Irland noch strafbar. Die katholische Kirche stemmte sich vergeblich gegen eine weitere Gleichstellung.


Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe, sagte der Kardinal-Staatssekretär - der so etwas wie die rechte Hand des Papstes ist - weiter.

Parolin äußerte sich auch zu dem homosexuellen Diplomaten Laurent Stefanini, den Frankreich im Januar als Botschafter für den Vatikan benannt hatte. Eine Antwort des Kirchenstaates in der Frage ist bisher ausgeblieben. Zwischen dem Heiligen Stuhl und Frankreich sei der Dialog immer noch offen, „und wir hoffen, dass er auf gute Art und Weise geschlossen werden kann“, so Parolin.

Der Umgang mit Homosexuellen in der katholischen Kirche wird derzeit im Vatikan heiß diskutiert. Am Montag und Dienstag kam der Rat der Bischofssynode zusammen, um die anstehende Familiensynode im Oktober im Vatikan vorzubereiten. Bei dieser Versammlung aller Bischöfe der Welt sollen Themen wie wiederverheiratete Geschiedene oder eben auch der Umgang mit Homosexuellen diskutiert werden.

Viele Gläubige erhoffen sich von Papst Franziskus eine Öffnung in diesen Fragen. Unter ihm sind diese immerhin zu einem Thema geworden, über das offen gesprochen wird, auch wenn es bisher keine Entscheidungen gab und eine Revolution auch bei der jetzt anstehenden Synode unwahrscheinlich ist. „Wenn jemand schwul ist und er den Herrn sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen“, hatte der Papst 2013 gesagt.

Die Bundesregierung will unterdessen im Wortlaut zahlreicher Gesetze die Vorgaben für Eheleute auch auf Lebensgemeinschaften schwuler und lesbischer Paare ausdehnen. Das Kabinett brachte dazu am Mittwoch in Berlin einen Gesetzentwurf auf den Weg. Im Wesentlichen geht es um redaktionelle Änderungen von Vorschriften: So soll in diversen Gesetzespassagen beispielsweise neben dem Wort „Ehegatte“ auch der Begriff „Lebenspartner“ eingefügt werden.  Die schwarz-rote Bundesregierung sieht jedoch keine Veranlassung dafür, dem Weg der Iren zu folgen.

„Lebenspartnerschaften nicht zu diskriminieren, das ist das klare Ziel der Bundesregierung. Eine Gleichsetzung mit der Ehe ist es nicht“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch vor der Bundespressekonferenz in Berlin. Es gebe Unterschiede zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe, „begründet in den Traditionen, kulturellen und religiösen Grundlagen unseres Landes“.

Seibert betonte, der nun im Kabinett verabschiedete Gesetzentwurf mit „gleichstellenden Regelungen“ für homosexuelle Lebenspartnerschaften im Zivil- und Verfahrensrecht sei „ein wichtiger weiterer Baustein“ gegen Diskriminierungen - „und darüber freut sich die Bundeskanzlerin“. Zur Entwicklung in Irland und anderen Ländern mit weitergehenden Regelungen sagte der Sprecher von CDU-Regierungschefin Angela Merkel (CDU): „Jeder macht seine Gesetze nach eigenem Dafürhalten. Wir werden in Deutschland unseren Weg finden müssen.“

Eine Sprecherin des SPD-geführten Bundesjustizministeriums sagte, der Gesetzentwurf sei „ein weiterer Schritt auf dem Weg der umfassenden Gleichstellung“, weitere könnten folgen. „Dass es derzeit unterschiedliche Vorstellungen in der Koalition gibt, ist sicher kein Geheimnis, fügte sie hinzu. Die Union lehnt die Gleichstellung der Homosexuellen-Ehe beim vollen Adoptionsrecht bisher ab.

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