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TV-Experiment bei Sat.1 : „Newtopia“: 15 Menschen, 105 Kameras, eine neue Gesellschaft

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Was Montagabend im Fernsehen gezeigt wird, könnte Geschichte schreiben. „Newtopia“ ist ein Experiment. Die Kandidaten ziehen für ein Jahr in ein für sie geschaffenes Reservoir – um eine neue Gesellschaft aufzubauen.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2015 | 15:09 Uhr

Berlin/Hamburg | Am Montagabend werden die Uhren auf 0 zurückgestellt. Der Münchener Privatsender Sat1 startet ein neues Projekt. Immer werktags um 19 Uhr wird künftig ein Jahr lang über „Newtopia“ berichtet. Das ist ein Ort, zu dem Sat1 15 Menschen geschickt hat, die eine neue Gesellschaft mit eigenen Gesetzen etablieren sollen. Das Motto: „Alles auf Anfang“.

„So ein Format kommt nur alle fünf bis zehn Jahre auf den internationalen Markt“, sagte Sat1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow über das neue Format. Der Sender bewirbt es als das „größte TV-Experiment aller Zeiten“.

Bei Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin bekommt die Crew eine unbeheizte Scheune gestellt, zwei Kühe, einige Hühner und etwas Ackerboden. Außerdem stehen laut Sat.1 Anschlüsse für Gas, Wasser und Strom zur Verfügung, aber keine Betten, Duschen, Möbel oder Toiletten. Als Startguthaben erhalten die „Pioniere“, wie die Teilnehmer genannt werden, 5000 Euro. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, können sie in Geschäftsbeziehungen mit der Außenwelt treten. Die 15 dürfen ihren Hof allerdings nicht verlassen, müssen ihn aber bewirtschaften und Handel treiben. Rund um die Uhr fangen 105 Kameras und 57 Mikrofone sämtliche Aktivitäten überall ein.

Sat1 sorgt mit den Pionieren für größtmögliches Konfliktpotential. Neben einer Kassiererin und einem Model, ziehen auch ein Politikwissenschaftler, ein Key Account Manager sowie eine Buchhalterin auf den Hof. Dazu eine tierschützende Studentin und einen Fleisch liebenden Handwerker. Einmal im Monat nominieren die Bewohner und die Zuschauer drei Teilnehmer, die das Camp verlassen müssen. Dafür ziehen zwei neue Kandidaten ein, von denen nur einer bleiben darf.

Das Original der Show stammt aus Holland („Utopia“) und läuft dort seit Januar 2014 - Ende noch nicht absehbar. Eine US-Version wurde wegen schwacher Quoten eingestellt. Dort habe man auf eine wöchentliche Sendung gesetzt, sagte Paalzow. „Wenn man es erfolgreich machen will, muss man es in der täglichen Soap-Form erzählen.“

Erfinder John de Mol hatte auch die Idee zur Container-Show „Big Brother“. Paalzow sieht einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Reality-TV-Formaten: „Bei ,Newtopia‘ schaffe ich mir zwar eine experimentelle Situation, aber es gibt danach keinen ,Big Brother‘, der eingreift“, sagte er. „Es gibt keine Gesetze, außer denen, die die Pioniere selber machen“, betonte er. „Es ist wahrscheinlich die reinste Form von Reality-Fernsehen, die man machen kann.“

8187 Interessierte haben sich nach Senderangaben beworben. Inzwischen stünden die letzten 50 Kandidaten fest, aus denen die finalen Teilnehmer ausgewählt werden. „Natürlich achtet man darauf, dass da nicht 15 Leute sind, die alle in die gleiche Richtung laufen“, sagte Paalzow. Was die Kandidaten reize? Die Faszination an Fragen wie: „Was würde ich tun, wenn ich noch einmal völlig neu anfangen könnte?“ und „Was wäre, wenn ich eine Gesellschaft ganz nach meinem Gusto gestalten könnte?“

Das Konzept findet jedoch auf Twitter bereits vor der Erstausstrahlung erste Kritiker:

Aber auch einen Fan der ersten Stunde:

Hier geht es zum Trailer zu „Newtopia“

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