„Humanity Star“ von Rocket Lab : Neuseeland wird Raumfahrtnation – und schießt Discokugel in die Atmosphäre

Die Firma Rocket Lab will künftig kommerzielle Raumflüge anbieten. Erstmal schoss sie aber ein blinkendes Kunstwerk ins All.

shz.de von
26. Januar 2018, 12:01 Uhr

Mit einem Raketenstart am Donnerstag ist Neuseeland zur elften Raumfahrtnation der Welt geworden. Eine 17 Meter lange, schwarz-weiß gestrichene Rakete der privaten Firma Rocket Lab hob von der Mahia-Halbinsel auf der Nordinsel Neuseelands ab, vom weltweit ersten Weltraumbahnhof in Privatbesitz.

An Bord der Rakete befand sich unter anderem Neuseelands erster Satellit, der in den nächsten Monaten von jedem Menschen ohne Hilfsmittel am Himmel erblickt werden kann – denn er hat die Form einer überdimensionierten Discokugel. Mit 65 reflektierenden Flächen ist der „Humanity Star“ bei Sonnenauf- und -untergang von überall auf der Welt zu sehen. Die Kugel soll dem Start-up Aufmerksamkeit bringen. Die genaue Position der Kugel ist hier zu finden.

Einen praktischen Nutzen hat der „Humanity Star“ nicht, dafür laut Rocket Lab-Chef Peter Beck aber einen spirituellen: „Egal, wo auf der Erde man sich befindet, reich oder arm, in Krieg oder in Frieden, es wird jedem möglich sein, den hell blinkenden 'Humanity Star' am Nachthimmel zu sehen“, sagt er. Die fliegende Discokugel soll die Menschen dazu bewegen, über ihren Platz im Universum nachzudenken und ein Gefühl von Verbundenheit erzeugen.

Der Testflug soll die Basis für regelmäßige, kommerzielle Raumflüge legen. Rocket Lab wollte die während des Flugs erhobenen Daten nutzen, um im Laufe des Jahres einen regulären Flugbetrieb zu starten. Ziel des neuseeländischen Start-ups im Besitz einer US-Mutterfirma ist es, den Kunden wöchentliche Starts anzubieten. Kostenpunkt pro Start: rund 4,9 Millionen US-Dollar (4,4 Millionen Euro).

Rocket Labs Raketen nutzen Triebwerke aus dem 3D-Drucker und sind spezialisiert auf leichte Ladungen bis 150 Kilogramm wie Foto- und Kommunikationssatelliten. Firmen nutzen diese für Wettervorhersagen, zur Vorsorge vor Naturkatastrophen oder zur Beobachtung der Meere.

Experten sehen dabei Chancen: Wenn Rocket Lab es schaffe, schnell verlässlich zu werden und Starts auf Anfrage anzubieten, könne das Start-up einen Markt einnehmen, der von der restlichen Branche weitgehend ignoriert werde, sagte der ehemalige Direktor aller Nasa-Starts bei Boeing, Kris Walsh.

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