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Schiesserei im Restaurant : Neun Tote: Trauerfeier nach Amoklauf in Tschechien

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Ein Mann eröffnete in einem Restaurant das Feuer – womöglich wegen einer aggressiven Kurzschlusshandlung. Das Land trauert.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 17:03 Uhr

Uhersky Brod | Mit einer bewegenden Trauerfeier ist in Tschechien am Mittwoch der acht Todesopfer des Amokläufers gedacht worden. Hunderte Trauernde verharrten in stillem Gedenken vor dem Restaurant „Druzba“ in Uhersky Brod, rund 250 Kilometer südöstlich von Prag. Sie zündeten Kerzen an. Die Tat sei nicht weniger schlimm als ein Terrorakt, sagte eine Anwohnerin der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Amokläufer hatte am Dienstag in Tschechien acht Menschen getötet. Der Täter sei ebenfalls umgekommen, er hat sich nach Eintreffen der Polizei selbst erschossen. Die Polizisten einer Spezialeinheit hätten von der Schusswaffe keinen Gebrauch gemacht, als sie das Restaurant stürmten, teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit. Nachdem Verhandlungen mit dem Täter am Dienstag gescheitert waren, habe sich die Polizei zur Stürmung entschlossen. Zunächst hatte es geheißen, er sei festgenommen worden.

Der 62 Jahre alte Schütze hatte im Restaurant „Druzba“ mit zwei Pistolen wahllos auf die Gäste geschossen. Unter den Getöteten sind nach Angaben der Polizei eine 43 Jahre alte Frau und sieben Männer im Alter zwischen 27 und 66 Jahren. Der Zustand einer 37-jährigen Kellnerin, die mit Schussverletzungen überlebte, ist nach einer Operation stabil, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Zum Motiv für die Bluttat konnte die Polizei weiter nichts sagen. Die Stadt Uhersky Brod liegt rund 250 Kilometer südöstlich von Prag nahe der Grenze zur Slowakei.

Der etwa 60 Jahre alte Mann sei kurz vor halb drei am Nachmittag in das Restaurant Druzba im Zentrum von Uhersky Brod eingedrungen, sagte der Bürgermeister der Stadt im Osten Tschechiens dem Sender CT. Er habe dann mit zwei Faustfeuerwaffen „kopflos um sich geschossen“. Chovanec schloss einen Terrorakt aus und sprach von der Tat eines verwirrten Einzeltäters. Die Polizei teilte inzwischen mit, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine aggressive Kurzschlusshandlung gehandelt habe. Der Täter müsse unter „großem psychischem Druck“ gestanden haben.

Es sollen bis zu 25 Schüsse gefallen sein, sagte Bürgermeister Patrik Kuncar. Der Schütze stamme aus dem Ort und sei möglicherweise geistesgestört gewesen.

Die Umgebung des Restaurants, in dem sich rund 20 Personen aufgehalten haben sollen, wurde weiträumig abgeriegelt. Innenminister Milan Chovanec und Polizeipräsident Tomas Tuhy eilten an den Tatort.

Der tschechische Privat-Fernsehsender Prima bestätigte, dass der mutmaßliche Täter vor dem Amoklauf angerufen habe. Der Mitarbeiter habe demnach sofort die Polizei von dem Telefonat verständigt, sagte Prima-Sprecherin Marie Fianova. Die Stadt Uhersky Brod mit etwa 15.000 Einwohnern liegt rund 260 Kilometer südöstlich von Prag unweit der Grenze zur Slowakei.

„Das hat mich sehr stark getroffen, sagte der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka auf einer Südkorea-Reise dem Sender CT. Es sei darüber nachzudenken, ob und wie sich solche Tragödien künftig vermeiden ließen. Schusswaffen dürften nicht in die Hände von psychisch labilen Menschen geraten. Es gebe womöglich zu viele Waffenschein-Besitzer in Tschechien, sagte Innenminister Milan Chovanec im Fernsehen. Nach offiziellen Angaben beträgt die Zahl der legal gehaltenen Handfeuerwaffen rund 760.000. Das Land hat knapp zehneinhalb Millionen Einwohner.

Auf der Suche nach möglichen weiteren Waffen stürmte eine Polizeieinheit in der Nacht auf Mittwoch das Reihenhaus des Todesschützen. Darin hatte sich dessen offensichtlich verwirrte Ehefrau verbarrikadiert. Sie kam in ärztliche Behandlung. Der Amokläufer hatte der Polizei zufolge beide Tatwaffen, einen Revolver und eine halbautomatische Pistole vom Typ CZ 75, legal in seinem Besitz.

Der Stadtrat von Uhersky Brod hat nach Angaben von Bürgermeister Patrik Kuncar auf einer Sondersitzung erste finanzielle Zuwendungen für die Familien der Hinterbliebenen beschlossen.

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