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Neues Gesicht nach Horrorunfall

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Transplantation gelungen: Polnische Ärzte schreiben mit Lebensrettung Medizingeschichte

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Warschau | Als das Wunder vollbracht ist, brandet Jubel auf. Ganz Polen freut sich dieser Tage über die erste Gesichtstransplantation der Medizingeschichte, die einem Menschen das Leben gerettet hat. Ärzten im schlesischen Gliwice (Gleiwitz) ist es gelungen, einem 33-jährigen Mann nach einem Horrorunfall an einer Steinfräse die großflächig abgespaltene Vorderseite des Schädels zu erneuern. "Der Patient hat die Chance auf ein normales Leben", kommentierte der leitende Chirurg Adam Maciejewski lapidar die sensationelle Leistung seines OP-Teams, das während der Transplantation 27 Stunden durcharbeitete.

Der Unfall hatte sich bereits am 23. April ereignet. Der Steinmetz, den die Ärzte öffentlich nur Grzegorz nennen, gerät an diesem Morgen aus ungeklärter Ursache mit dem Kopf in die Schneidemaschine. Die Fräse trennt Nase, Mund, Teile der Augen, der Jochbeine und des Kiefers ab. Sensationell schnell sind die Retter vor Ort. Sie schaffen es, die Blutungen zu stoppen und die Atmung durch einen Luftröhrenschnitt zu erhalten. In einer Not-OP gelingt es den Ärzten zudem, die Sehnerven zu retten und Teile des abgetrennten Gesichts wieder anzunähen. Das Eigengewebe stirbt in den folgenden Tagen allerdings zusehends ab. Die verbleibenden Wunden sind so groß, dass Grzegorz in diesem Zustand auf Dauer nicht lebensfähig ist. Es beginnt die fieberhafte Suche nach einem Organspender. Zwei Wochen später hat sie Erfolg. Am 15. Mai beginnen die Spezialisten in Gliwice mit der Operation. Zehn Tage später ist klar: Die "mission impossible" ist gelungen. Die Ärzte haben das Unmögliche möglich gemacht. Gesichtsverpflanzungen sind noch immer eine extreme Seltenheit. Seit der ersten erfolgreichen Transplantation dieser Art im Jahr 2005 wurde die komplizierte OP-Methode erst rund 20-mal angewendet. Leben hatte sie nach Angaben der polnischen Ärzte bislang aber noch nie gerettet. Die Ärzte in Gliwice präsentierten nach der gelungenen OP ein Bild des Geretteten, auf dem er einen gehobenen Daumen in die Kamera hält. "Alles bestens", sollte das heißen.

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