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Videos auf Youtube : Neuer Trend: Jugendliche lassen sich nachts bei Ikea einschließen

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Sie verstecken sich in Schränken und filmen ihren nächtlichen „Besuch“. Es gibt Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2016 | 15:51 Uhr

Stockholm | Ikea hat weltweit mit einem neuen Trend zu kämpfen: Immer häufiger lassen sich Menschen nachts im Möbelhaus einschließen, um dort Unsinn zu treiben. Dabei filmen sie ihre Aktionen und stellen sie ins Internet. Auch in Deutschland gibt es Fälle.

Sie fahren Skateboard in den Gängen, kuscheln sich in die Betten oder hüpfen darauf herum. Zahlreiche Videos auf Youtube dokumentieren, wie sich Jugendliche nachts bei Ikea einschließen lassen und nach Ladenschluss durch das verwaiste Möbelhaus stromern. Ein rund 30-minütiges Filmchen aus Deutschland wurde bereits mehr als drei Millionen mal abgerufen.

Das Vorgehen der Protagonisten ist simpel: Kurz vor Ladenschluss betreten sie das Möbelhaus und suchen im Ausstellungsbereich nach einem möglichen Versteck. Schließlich klettern sie in Schränke oder gar in einen Bettkasten. Dort warten sie darauf, dass die Musik abgestellt und das Licht gedimmt wird.

Sobald die Luft rein ist, treiben sie in den gespenstischen Möbelhäusern, was sie wollen: Manche veranstalten Rennen mit Einkaufswagen, andere finden heraus, auf welchem Bett man am höchsten springen kann. Bei Ikea zu übernachten, hat sich zu einer Art Mutprobe entwickelt, die öffentlichkeitswirksam inszeniert wird. Zwei Jungs aus Belgien rufen sogar zu einem Gewinnspiel auf. Sie haben in einem der Schränke einen Aufkleber hinterlassen. Wer von ihren Fans sich mit diesem Aufkleber ablichtet, hat die Chance auf einen Preis.

So aufregend und lustig manche der Videos auch sind, die jungen Menschen begehen Hausfriedensbruch und machen sich strafbar. Und die Fälle häufen sich, wie nicht nur die zunehmende Zahl der Videos in jüngster Zeit belegt. So hat eine dänische Zeitung gerade berichtet, dass es in den Ikea-Filialen des Landes in den vergangenen vier Monaten zehn Fälle gegeben habe, bei denen das Sicherheitspersonal Jugendliche auf frischer Tat erwischte.

Bei Ikea Deutschland hält man sich, was die Häufigkeit der Fälle betrifft, bedeckt. „Solche Fälle werden nicht zentral dokumentiert, weshalb wir dazu keine Angaben machen können“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage unserer Redaktion.

Vorfälle sind jedoch auch hierzulande bekannt: So gelangte ein junges Pärchen aus Bayern Anfang Oktober zu einiger Berühmtheit, weil es in einer Filiale bei München nachts den Alarm auslöste. Genauso erging es den beiden Youtubern Apored und Leon Machère im November in Hamburg. Alle vier Personen hat Ikea laut der Unternehmenssprecherin wegen Hausfriedensbruchs angezeigt, das Unternehmen verurteile diese Aktionen. Zudem weist sie darauf hin: „Sollte es durch das Auslösen des Bewegungsmelders zu Einsätzen von Polizei oder Feuerwehr kommen, müssen die Verantwortlichen diese natürlich bezahlen.“

Die beiden Jungs aus Belgien hatten übrigens mehr Glück, sie lösten keinen Alarm aus. Gegen sechs Uhr morgens setzte ganz normal die Musik wieder ein – höchste Zeit, um zurück in den Schrank zu klettern. Als sie das nächste Mal die Tür öffneten, war der Laden wieder belebt. Und sie gelangten zurück in die Freiheit.

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