zur Navigation springen

"A Serious Man" : Neuer Geniestreich der Coen-Brüder

vom

Die Brüder Joel und Ethan Coen stellen in "A serious man" die großen metaphysischen Fragen und kehren zugleich zu ihren eigenen Wurzeln zurück.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2010 | 01:58 Uhr

Minneapolis, 1967. Eigentlich ist das Leben perfekt, aber in letzter Zeit läuft es nicht so gut für den jüdischen Physikdozenten Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg). Ehefrau Judith will die Scheidung, Tochter Sarah eine teure Nasen-OP, Sohn Danny steht kurz vor seiner "Bar-Mizwa", hat aber nur Drogen und Hippie-Musik im Kopf, und neuerdings wird Larry auch noch von einem Studenten erpresst. In seiner Not sucht Gopnik Rat beim Rabbi, damit geht der Schlamassel erst richtig los.

In ihrer grandios komischen Komödie "A Serious Man" stellen die Brüder Joel und Ethan Coen die großen metaphysischen Fragen und kehren zugleich zu ihren eigenen Wurzeln zurück. Ihr auch in den Hauptrollen mit eher unbekannten amerikanischen Theaterschauspielern besetzter Geniestreich rekonstruiert kongenial das jüdische Milieu im Mittleren Westen Ende der 1960er Jahre. Design, Architektur und Mode der Zeit sind perfekt nachempfunden.
Reichlich jüdischer Galgenhumor

"Obwohl Larry Gopnik eine erfundene Figur ist, basiert er auf einigen Menschen, die wir kannten, als wir aufwuchsen, erläutert Joel Coen im Presseheft. Wie schon in ihrer Schnee-Groteske "Fargo" standen zudem viele Laiendarsteller vor der Kamera, die aus der Gegend stammen, in der der Film spielt. "A Serious Man" überzeugt nach der mit Stars bevölkerten Farce "Burn After Reading" vor zwei Jahren als autobiografisch grundierte, mit reichlich jüdischem Galgenhumor gespickte Tragikomödie - der beste Film der Coen-Brüder seit dem kafkaesken "Barton Fink" (1991) und der coolen Bowling- Ballade "The Big Lebowski" (1998).

Auch diesmal geht es wieder um einen Mann auf verlorenem Posten. Dem armen Larry entgleitet sein Leben, und seine Umwelt scheint dies kaum zu bemerken. Da steht er auf dem Dach seines schmucken Einfamilienhauses in "Suburbia", versucht mit ungelenken Bewegungen die Antenne zu richten und gleichzeitig ein paar Blicke auf seine attraktive, hüllenlos sonnenbadende Nachbarin Mrs. Samsky zu erheischen. Später sitzt er bei dieser Femme fatale auf der Couch, aber das Paradies bleibt fern für Larry, und Drogen verträgt er auch nicht. Da doziert er dann vor einer gigantischen Tafel im Hörsaal, die er für seine Studenten über und über mit mathematischen Formeln bekritzelt hat, nur die Gleichungen in seinem Leben gehen längst nicht mehr auf. Der Blechschaden beim Autounfall ist da noch das kleinste Problem.
Die welt durch große Hornbrillengläser

Hauptdarsteller Michael Stuhlbarg hat sich diesem Pechvogel mit Haut und Haaren anverwandelt. Aus großen Hornbrillengläsern schaut er sich selbst ungläubig dabei zu, wie eine Existenz den Bach heruntergeht. Eine große Vorstellung. Mitleid kann er nicht erwarten, am wenigsten von seinem Sohn Danny, toll gespielt vom 1994 in Minneapolis geborenen Aaron Wolff, der fast eine zweite Hauptrolle ausfüllt.

Er schafft das, was seinem Vater immer verwehrt blieb: eine Audienz beim sagenumwobenen Oberrabbiner. Der jüdische Schriftgelehrte outet sich als glühender Verehrer der Hippieband Jefferson Airplane. Deren Hymne "Dont you want somebody to love" orchestriert das Finale mit heraufziehendem Hurrikan. Da fliegt dann die ganze Kindheitswelt der Coens davon.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen