zur Navigation springen

Gesetzesentwurf : Nehmen Frauen in Italien bald Menstruationsurlaub?

vom

Wenn Frauen unter Menstruationsschmerzen leiden, könnten sie in Italien möglicherweise bald bezahlten Urlaub nehmen. Vier Abgeordnete der Demokratischen Partei haben einen Gesetzesentwurf eingereicht.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2017 | 10:12 Uhr

Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen und Übelkeit sind nur drei Symptome, unter denen Frauen während ihrer Menstruation leiden können. Bis zu drei Tage Urlaub sollen nach einem Gesetzesentwurf aus Italien diese Symptome in Zukunft erträglicher machen. Die Idee stammt von den Demokratinnen Romina Mura, Daniela Sbrollini, Maria Iacono und Simonetta Rubinato und wurde, wie mehrere Medien berichten, am 13. März im italienischen Parlament als Gesetzesentwurf eingereicht.

Im Detail sieht der Entwurf vor, dass Frauen bis zu drei Tage bezahlten Urlaub im Monat erhalten sollen, wenn sie unter Menstruationsbeschwerden leiden. Die Vorlage eines ärztlichen Attests genügt, die Pause soll für Vollzeit- als auch Teilzeitkräfte möglich sein. In den nächsten Monaten soll der Gesetzesentwurf diskutiert werden.

Mit dem Beschluss des Gesetzes wäre Italien das erste europäische und westliche Land, das Frauen in diesem Fall Urlaub gewährt. Was in Italien aktuell diskutiert wird, gehört in Fernost bereits seit vielen Jahrzehnten zur gängigen Praxis. 1947 entschied Japan, dass Frauen das Recht auf einen Tag Menstruationsurlaub im Monat haben. Ein Jahr später folgte Indoniesen, das seinen Bürgerinnen sogar zwei Tage zugesteht. In Taiwan feiert das Gesetzt dieses Jahr seinen 15. Geburtstag. Frauen haben hier die Möglichkeit, drei Tage Urlaub im Monat einzureichen.

Seit 2007 hat auch der Sportkonzern Nike diese Regelung für seine Mitarbeiterinnen eingeführt, während der Vorschlag für ein australisches Toyota-Werk zwei Jahre zuvor scheiterte. Auch in England und Italien haben sich schon einzelne Unternehmen an individuellen Regelungen versucht. Doch was manchen Frauen weiterhilft, empfinden andere als sexistisch.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob das Gesetz Frauen tatsächlich unterstützt. Kritiker bemängeln, dass sich Personaler bei der Besetzung eines Jobs aufgrund der Gesetzeslage lieber für einen Mann als für eine Frau entscheiden könnten. Berechtigte Zweifel, wie Fälle aus Asien zeigen. Hier scheuen sich viele Frauen, den Urlaub einzureichen aus Angst, ihren Job zu verlieren. Ebenso sollen Angestellte von ihren Vorgesetzten aufgefordert worden sein, mehr als ein Attest zum Beweis ihrer Menstruationsbeschwerden zu zeigen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen