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"Der Junge im gestreiften Pyjama" : Nationalsozialismus aus ungewöhnlicher Sicht

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"Der Junge im gestreiften Pyjama" nähert sich dem Thema Nationalsozialismus mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Er nähert sich dem Thema aus Sicht eines achtjährigen Jungen.

Filme über die Zeit des Nationalsozialismus sind schwierige Unterfangen. Schließlich können sie für die Gräueltaten wie Massenvernichtungen in Konzentrationslagern kaum angemessene Bilder finden. Der britische Regisseur Marc Herman ("Little Voice", "Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten") versucht es in "Der Junge im gestreiften Pyjama" nun mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Er nähert sich dem Thema aus Sicht eines achtjährigen Jungen. Doch die Romanadaption wurde bereits von zahlreichen englischsprachigen Medien - darunter der "New York Times" - heftig kritisiert. Der Film sei verkitscht, erschreckend unrealistisch und verharmlosend.
Im Mittelpunkt von "Der Junge im gestreiften Pyjama" steht der achtjährige Bruno (Asa Butterfield). Als sein Vater (David Thewlis aus "Harry Potter und der Orden des Phönix") - ein ranghoher Nazioffizier - befördert wird, muss die Familie von Berlin aufs Land umziehen. Dort langweilt sich Bruno schrecklich. Es gibt keine direkten Nachbarn, geschweige denn andere Kinder. Außerdem darf Bruno zum Spielen nicht das Grundstück des elterlichen Hauses verlassen. Allerdings kann er von seinem Fenster aus in der Ferne mehrere Hütten sehen. Doch dort wohnen nach Aussage der Eltern nur seltsame Bauern, zu denen Bruno keinen Kontakt haben darf.
Am Ende kommts zur Katastrophe
Eines Tages allerdings gelingt es dem Jungen, aus dem Haus auszubüxen und zum Lager der vermeintlichen Bauern zu laufen. Dort trifft Bruno auf den achtjährigen jüdischen Jungen Schmuel. Der sitzt zu Brunos Verwunderung hinter einem Stacheldrahtzaun und trägt stets einen gestreiften Pyjama. Die beiden Jungen freunden sich an, treffen sich immer wieder heimlich auf ihren jeweiligen Seiten des Zauns - bis es am Ende schließlich zur Katastrophe kommt.
Mit seiner kindlichen Erzählperspektive erinnert "Der Junge im gestreiften Pyjama" ein wenig an Roberto Benignis oscarprämiertes Werk "Das Leben ist schön", in dem sich der Italiener dem Holocaust auf spielerische Weise näherte, um seinen Sohn in dem KZ vor dem Grauen zu schützen. Basierend auf dem erfolgreichen Roman von John Boyne tastet sich auch der Zuschauer in "Der Junge im gestreiften Pyjama" langsam an die Hintergründe des Lagers auf dem Land an. Doch während das Buch durch die ahnungslose Erzählweise eines Jungen äußerst beklemmend wirkt, hakt der Film bei genau dieser Umsetzung.
Eine kindliche Perspektive
Denn eigentlich will auch er durch eine eher subtile Erzählweise die kindliche Perspektive einnehmen. Doch die erwachsenen Zuschauer wissen schon bald, was Bruno da aus der Ferne beobachtet und welcher Horror sich beispielsweise hinter den qualmenden Schornsteinen verbirgt. Für die meisten jüngeren Zuschauer hingegen scheint der Film kaum geeignet. Vor allem die überraschende und dramatische Schlussszene würde viele junge Jugendliche sicherlich schockieren.
Hinzu kommt, dass "Der Junge im gestreiften Pyjama" zwar eine Fabel sein will, dabei aber nicht symbolhaft wirkt, sondern sich in seinen Bildern äußerst konkret am Holocaust orientiert. Dabei sind einige Szenen jedoch ziemlich unglaubwürdig. Besonders der Zaun rund um das Lager erscheint mehr wie ein einfacher - wenn auch hoher - Stacheldrahtzaun als eine hermetisch abriegelnde und streng überwachte Begrenzung.
Wieso können sich Bruno und Schmuel immer wieder ungestört an dem Zaun treffen, Essen zustecken und irgendwann sogar einen Tunnel buddeln? Genau diese Darstellung führte in mehreren US-Medien bereits zu einem Aufschrei. Zu Recht. Denn auch wenn "Der Junge im Pyjama" eine Fabel aus Kindersicht und keine Dokumentation sein will, so darf er trotzdem nicht so verharmlosend sein.

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erstellt am 07.Mai.2009 | 02:14 Uhr

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