Kalender der Deutschen Minderheit : Nackter Kampf um Deutsch auf Ortsschildern in Dänemark

Hüllenlos und freundlich: Mit diesem Kalender werben Jungpolitiker um Ortschilder in der Grenzregion. Das S steht zugleich für die Schleswigsche Partei in Dänemark und für sexy.
Hüllenlos und freundlich: Mit diesem Kalender werben Jungpolitiker um Ortschilder in der Grenzregion. Das S steht zugleich für die Schleswigsche Partei in Dänemark und für sexy.

Die deutsche Minderheit im südlichen Dänemark kämpft weiter für ihre Schilder. Diesmal soll Nacktheit für Aufmerksamkeit sorgen.

fju_maj_0203 von
14. Oktober 2017, 14:38 Uhr

Apenrade | In Flensburg oder Glücksburg haben sich Autofahrer daran gewöhnt, dass auf den Ortsschildern auch die dänischsprachige Bezeichnung der Stadt steht. Nördlich der Grenze hingegen ringt die deutsche Minderheit seit mehr als zehn Jahren vergeblich um zweisprachige Schilder an den Einfallstraßen der Orte. In ihrer Verzweiflung greifen junge Mitglieder der deutschen Volksgruppe in Dänemark jetzt zu einem Aufsehen erregenden Mittel: Auf dem Titelbild eines Kalenders posieren sie nackt – nur bedeckt mit Prototypen für die erhofften dänisch-deutschen Ortsschilder ihrer Heimatstädte Aabenraa/Apenrade, Sønderborg/Sonderburg, Tønder/Tondern und Haderslev/Hadersleben. Es sind die vier grenznächsten Kommunen in Dänemark, die bis 1920 zu Deutschland gehörten und in denen bis heute geschätzt 12.000 bis 15.000 Minderheiten-Deutsche leben. Als besonderer Hochburg der Minderheit ist auch noch Tinglev/Tingleff auf dem Titel vertreten, auch wenn es keine selbstständige Kommune ist.

Herausgegeben wird der Kalender von der Jugendorganisation des politischen Arms der Minderheit, in Anspielung auf den Parteinamen Schleswigsche Partei (SP) „Junge SPitzen“ genannt. Der Parteinachwuchs wirbt damit um Stimmen bei der Kommunalwahl am 21. November. Auf den Bildern im Innenteil haben sich Mitglieder der „Jungen SPitzen“ mit ebenfalls sehr viel Haut an verschiedenen Plätzen der nordschleswigschen Landschaft fotografieren lassen. Sie wollen damit die Schönheit und Besonderheiten der Grenzregion ins Blickfeld rücken – und sich, ähnlich wie südlich der Grenze der SSW, als regionale Alternative zu den größeren Parteien profilieren. Insbesondere der Vorstoß für die zweisprachigen Ortsschilder, so hieß es bei der Präsentation des Kalenders, solle die kulturelle Vielfalt von Dänemarks südlichstem Landesteil ins Bewusstsein rücken.

Obwohl sich die Minderheit auf die Charta des Europarats zum Schutz von Regional- und Minderheitensprachen beruft, hat sie mit ihrem Wunsch nach Deutsch auf den Ortsschildern bisher keinen Durchbruch in den Rathäusern erzielt. Als der Bürgermeister von Hadersleben 2015 auf eigene Faust ein Test-Exemplar mit einer zweisprachigen Variante hatte aufstellen lassen, war es von anonymen Gegnern nach wenigen Tagen nachts entfernt worden.

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