Heikendorf bei Kiel : Nach Razzia: Waffennarr darf seine V1-Rakete behalten

Diese Flak stand neben dem Panzer im Keller.
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Diese Flak stand neben dem Panzer im Keller.

Die Kreisbehörde wusste seit Jahren vom „Panther“-Panzer. Der Keller soll einer Ruhmeshalle gleichen.

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03. Juli 2015, 19:37 Uhr

Heikendorf | Der Panzer, die Flugabwehrkanone und der Torpedo sind weg, nur seine V1-Rakete darf Millionär und Weltkriegswaffensammler Klaus-Dieter F. (78) behalten. Da Flügel, Triebwerk und die Nase mit der Steuereinheit fehlen, ist die „Vergeltungswaffe“ der Nazis definitiv demilitarisiert. Sein Anwalt stuft auch das beschlagnahmte Kriegsgerät in diese Kategorie ein. „Die Aktion war daher unverhältnismäßig“, sagt Peter Gramsch.

Der Einsatz im Villenviertel von Heikendorf war außergewöhnlich: Zwei Tage brauchten Pioniere der Bundeswehr, um den „Panther“ mit zwei Bergepanzern aus seiner Halle im Kellergeschoss zu ziehen. Die Privatstraße vor der Villa ist ruiniert, der Keller stark beschädigt. „Ich gehe davon aus, dass auch der Panzer Schaden genommen hat“, sagt Gramsch.

Den Sinn der Bergung bezweifelt er. „Wir haben der Staatsanwaltschaft das Angebot gemacht, die Halle im Keller zu versiegeln.“ Auf diesen Deal hat sich die Behörde, die wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt, jedoch nicht eingelassen. Oberstaatsanwältin Birgit Heß: „Wir haben sehr sorgfältig abgewogen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Abtransport notwendig war.“ Maßgeblich dafür dürfte die Einschätzung eines Sachverständigen gewesen sein. Er sah nach seiner Begutachtung vor Ort offenbar die Gefahr, das Kriegsgerät wieder nutzbar zu machen.

„Mir liegt ein Schreiben des Kreises Plön aus dem Jahr 2005 vor, in dem bestätigt wird, dass der Panzer keine Kriegswaffeneigenschaften mehr hat“, kontert Anwalt Gramsch. Tatsächlich wussten nicht nur die Nachbarn von dem Panzer, auch der Kreis Plön war seit zehn Jahren informiert – Mitarbeiter hatten den „Panther“ bemerkt, als sie über die Genehmigung für eine Mauer an der Grundstücksseite zur Kieler Förde entscheiden sollten. Kreissprecher Hendrik Schwinghammer: „Wir haben Unterlagen angefordert, die eine Demilitarisierung des Panzers belegen. Diese Unterlagen haben wir erhalten.“ Ein Sachbearbeiter der Plöner Waffenbehörde schrieb daraufhin an den Sammler: „Sie haben mich überzeugt, dass das Panzerfahrzeug seine Kriegswaffeneigenschaften verloren hat.“

In der Verwaltung soll Zerknirschung über die freimütige Formulierung herrschen. „Aus heutiger Sicht darf man sicher fragen, ob wir nicht die zuständige Bundesbehörde über den Panzer hätten informieren sollen“, sagt der Kreissprecher. Passiert ist das nicht. Klaus-Dieter F. wurde lediglich darauf hingewiesen, dass der Erwerb von Kriegswaffen einer Genehmigung des Bundes bedürfe. Offenbar hat er dort aber nie etwas beantragt, was ihn während der Razzia entlastet hätte. Oberstaatsanwältin Heß: „Uns liegt keine Genehmigung vor, die zum Besitz der beschlagnahmten Objekte berechtigt.“

Für den Panzer und die Flak soll Klaus-Dieter F. im Keller eine regelrechte „Ruhmeshalle“ hergerichtet haben, vertäfelt mit rotem Marmor. Reichsadler aus Stein stehen in den Ecken, einer hält ein Hakenkreuz, umkränzt mit Eichenlaub. Der Abtransport soll F. schwer getroffen haben. „Mein Mandant hat den Panzer eigenhändig restauriert, das steckt viel Herzblut drin“, sagt sein Anwalt. „Es geht ihm schlecht.“

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