Über 7700 Opfer im Himalaya : Nach Erdbeben in Nepal: Zwei weitere deutsche Opfer

Immer tiefer dringen die Helfer in Nepal in die Himalaya-Berge vor. Je weiter sie kommen, desto mehr Erdbeben-Opfer finden sie, oft unter meterhohen Erdrutschen.

shz.de von
06. Mai 2015, 18:06 Uhr

Kathmandu | Nach dem verheerenden Erdbeben wurden nach nepalesischen Behördenangaben zwei weitere Deutsche unter den Toten identifiziert. Insgesamt geben die Behörden vor Ort die Zahl der toten Deutschen nun mit vier an. Die beiden Frauen seien in der beliebten Wander-Region Langtang im Himalaya ums Leben gekommen, sagte Ramesh Adhikari, Leiter der nepalesischen Tourismusbehörde, am Mittwoch. Insgesamt liegt die Zahl der Toten nach dem verheerenden Erdbeben vor anderthalb Wochen nun bei mehr als 7700, davon allein 7600 in Nepal. Mehr als 100 Ausländer werden noch in Nepal vermisst - darunter nach Angaben der nepalesischen Polizei auch sieben Deutsche. Allerdings ist die Liste, welche die Polizei online stellt, nicht immer aktuell.

Nepal war am 25. April von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden. Auch in den umliegenden Ländern China, Indien und Bangladesch starben Menschen, als ihre Häuser über ihnen zusammenfielen. Im Bebengebiet leben nach UN-Angaben etwa 6,6 Millionen Menschen. 2,8 Millionen sind nach Schätzungen obdachlos, mehr als drei Millionen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Mittwoch, dass die Zahl Vermisster Deutscher weiterhin im „sehr niedrigen zweistelligen Bereich“ liege. Die deutsche Botschaft sei mit Experten in der Region, in der deutsche Opfer vermutet würden, im Einsatz. Dabei seien weitere Leichname geborgen worden. Derzeit laufe die Identifizierung der Toten. Es sei davon auszugehen, dass sich weitere deutsche Staatsangehörige unter den Opfern befänden. Eine offizielle Bestätigung sei allerdings erst möglich, wenn die Identifizierung erfolgt sei.

Im Katastrophengebiet ging die Suche nach den Vermissten weiter, unter anderem in der Region Langtang an der Grenze zu Tibet. Dort hatte eine Lawine aus Schnee und Geröll ein ganzes Dorf mit 70 Häusern ausgelöscht. Die meisten Häuser dienten auch als Pensionen und Imbissstuben für Wanderer aus aller Welt. Die Bergungsarbeiten seien wegen des schlechten Wetters und der steilen Hänge schwierig, sagte Polizeisprecherin Basundhara Khadka. In der Langtang-Region seien zunächst zwei weitere Tote gefunden worden. Der Nationalpark dort gehört zu den beliebtesten Wandergebieten Nepals.

Zahlreiche internationale Teams, die auf die Suche von Lebenden unter den Trümmern spezialisiert sind, kehrten mittlerweile nach Hause zurück. Die 55 Teams hätten zusammen 16 Leben gerettet, teilte das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) mit. Dafür treffen nun mehr und mehr Hilfslieferungen in dem Himalaya-Land ein. Doch die Verteilung ist mit nur etwas mehr als zwei Dutzend Hubschraubern im ganzen Land schwierig. „Wir haben in den vergangenen elf Tagen nur einen Sack Reis bekommen, sonst nichts“, sagte Ishwar Shrestha, ein Bewohner von Bahrabise im Distrikt Sindupalchok. Dort ist fast die Hälfte der Todesopfer zu beklagen. „Alle Häuser hier sind weg“, sagte Shrestha.

Deutschland erhöhte unterdessen die finanzielle Hilfe für die Opfer um eine Million Euro. Damit belaufe sich das Volumen der Hilfsgelder auf insgesamt 3,5 Millionen Euro, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch.

Auch zahlreiche deutsche Teams sind in Nepal unterwegs. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks etwa haben zwei Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung in Kathmandu aufgebaut. Damit kann sauberes Trinkwasser für 30.000 Menschen produziert werden. Die Welthungerhilfe verteilte Zeltplanen sowie Pakete mit Reis, Linsen, Öl und Salz. SOS-Kinderdörfer versorgen Mütter mit Babys und Kinder in Nothilfe-Kitas. Die Diakonie Katastrophenhilfe kümmert sich zusammen mit Partnerorganisationen auch um psychosoziale Betreuung.

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