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Familie : Mut zum Risiko: Tipps für eine gute Schülerzeitung 

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Schulmagazine bieten viele Möglichkeiten sich auszuprobieren: für gute Schreiber genau wie für Online-Talente und Fotografen. Viele Zeitungen sind für Jugendliche oft eine hilfreiche Etappe beim späteren Weg in Studium und Beruf.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 10:16 Uhr

Viele Briefe an die Ausländerbehörde in Zittau blieben unbeantwortet. Niemand wollte Julia Kluttig und Immanuel Jork dabei unterstützen, eine Familie zu begleiten, die im Asylbewerberheim der sächsischen Stadt lebt. Also sind sie auf eigene Faust losgefahren. Was dann geschah, beschreiben sie in einer Reportage, die sich so spannend liest, dass man vor dem Schlusspunkt nicht aufhört.

Dies ist ein Beispiel für preisgekrönten Journalismus in Schülerzeitungen: Julia Kluttig und ihre Redaktion am Oberland-Gymnasium in Seifhennersdorf haben in diesem Jahr mit ihrem Magazin «Wooling» den «Spiegel»-Schülerzeitungspreis gewonnen.

Neben Politik und Kultur punkten Schülerzeitungen vor allem dann bei ihren Lesern, wenn sie Aktuelles aus ihrer Schule kritisch aufgreifen: «Gute Themen sind die, die nah dran sind an den Lesern. Dabei spielt natürlich die Schule eine große Rolle, aber auch Lifestyle- und Medienthemen», sagt Linus Luka Bahun, Art Director des «Mittelpunkt» an der Gesamtschule Hardt in Mönchengladbach.

Wer in seiner Schule mit einem guten Themenvorschlag in die Redaktion einsteigen will, orientiert sich am besten an seinen eigenen Interessen: «Man sollte ein Thema vorschlagen, bei dem man sich auskennt und für das man auch Leidenschaft spürt», sagt Mark Offermann, Chefredakteur des «Mittelpunkt».

Die Themenpalette in den Schülerzeitungen ist breit: Sie reicht von Tattoos, Migration und Homosexualität bis hin zu einer Anleitung, wie man im Matheabitur die Software hackt, um versteckt mit Mitschülern zusammenzuarbeiten. Sie stand in der «Tempus», der Zeitung des Carl-Benz-Gymnasiums in Ladenburg - und musste nach Intervention der Schulleitung aus der zweiten Auflage gestrichen werden.

Viele Macher von Schülerzeitungen kennen das Problem: Kritisches über die eigene Schule zu berichten, ist ihnen wichtig, und stärkt ihr Ansehen bei den Lesern. Doch Lehrer und Schulleitung reagieren manchmal nachtragend und haben viele Möglichkeiten, ihnen das Leben schwer zu machen.

Auch Kai Mungenast, Vorstandssprecher der Jugendpresse, ein Zusammenschluss junger Medienmacher, kennt die Schwierigkeit: Die Mitarbeiter der Jugendpresse bieten deshalb für den Fall ihre Hilfe an und bemühen sich, Schüler und Schulleitung an einen Tisch zu bringen.

Wie viel Zeit die jungen Redakteure in ihr Magazin stecken, variiert: Für Linus Luka Bahun ist von zwei Stunden am Tag bis einer 24-Stunden-Schicht unmittelbar vor Redaktionsschluss alles drin. «Ich mache teils mehr für den "Mittelpunkt" als für die Schule», sagt der Abiturient.

Vom zeitlichen Aufwand sollte sich niemand abschrecken lassen, empfiehlt der Berliner Personalberater Andreas Nolten. Denn die Schülerzeitung sei ideal, um sich auszuprobieren: Programmieren für die Online-Ausgabe, Anzeigen akquirieren, fotografieren, das Layout gestalten oder die Organisation in die Hand nehmen.

Die kontinuierliche Mitarbeit hilft auch, wenn man das Abschlusszeugnis in der Hand hat. «Das Engagement an sich hat einen Wert in den Augen späterer Arbeitgeber», sagt Nolten. Vor allem beim Einstieg in den Journalismus: «Uns zeigt es, dass ein Bewerber wirklich für den Journalismus brennt», sagt Jörg Sadrozinski, Leiter der Deutschen Journalistenschule in München.

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