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Wissenschaft : Mücken: Fangen, einfrieren, verschicken – nur nicht töten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Feuchtwarmes Wetter im Süden ist ideal für die Plagegeister. Wissenschaftler erstellen einen Atlas über neue Arten – und brauchen Hilfe.

Warme Temperaturen, teilweise riesige Niederschlags-Mengen und überschwemmte Wiesen und Felder: In vielen Teilen Deutschlands herrschen ideale Bedingungen – für Mücken. Die aktuelle Lage könnte „ein Startschuss für ein hohes Aufkommen in der Mückensaison 2016 sein“, warnen deshalb das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) bei Greifswald und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. In kurzer Zeit legen die Weibchen bis zu 300 Eier im Gras ab, und bei Nässe und Temperaturen wie in den vergangenen Wochen schlüpft schon nach 14 Tagen die neue Generation der Plagegeister.

Derzeit sieht es immerhin so aus, als wenn der Norden vorerst „noch auf die Mücken wartet“, wie Doreen Walther vom ZALF sagt. „Es fehlt schlicht der Regen und damit die überschwemmten Wiesen“, sagt Professor Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Der Parasitologe rechnet eher mit einer normalen Mücken-Saison in Schleswig-Holstein und Hamburg. „Trotzdem fallen die Mücken jetzt wieder auf, die sind jetzt richtig aktiv“, so Tannich.

Für die Forscher ist das ein Glück: Denn sie setzen bei der Erforschung der Mückenpopulationen in Deutschland jetzt auf die Mithilfe der Bevölkerung: „Ganz wichtig: Wenn Sie eine Mücke sehen, nicht totschlagen!“, bittet Doreen Walther. Stattdessen sollte das Insekt mit einem Glas eingefangen und darin über Nacht in den Gefrierschrank gesteckt werden. „Die tote Mücke dann zum Beispiel in eine Streichholzschachtel legen und zusammen mit einem ausgefüllten Formular einschicken“, sagt Walther. Die Einsendungen helfen den Forschern bei der Erstellung des Mückenatlasses – eine Übersicht über die Stechmücken-Vorkommen in Deutschland.

So hoffen die Experten auch, neuen Arten auf die Spur zu kommen, die sich von Süden her immer weiter in Deutschland ausbreiten. Sie sind offenbar per Schiff nach Italien gereist und in Urlauber-Autos über die Alpen gekommen. „Die Asiatische Buschmücke ist bereits in Niedersachsen angekommen“, sagt Walther – die berüchtigte Asiatische Tigermücke kommt derzeit nur in Baden-Württemberg und Thüringen vor. „Diese Mückenarten sind nicht per se gefährlich“, sagt Tannich, „doch sie sind bekannt dafür, dass sie Krankheitserreger übertragen können“, etwa von Tropen-Krankheiten wie Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber. Das können unsere heimischen Arten nicht – „jedenfalls nicht, soweit uns bekannt ist“, so Tannich. Die Forscher hoffen, mit Hilfe des Mückenatlasses neue Vorkommen früh aufzuspüren und rechtzeitig bekämpfen zu können, bevor sie sich weiter ausbreiten.

Das Einsendeformular finden Sie unter www.mueckenatlas.de

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erstellt am 09.Jun.2016 | 12:55 Uhr

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