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Gießen : Mordfall Johanna von 1999: Erfolg dank aufmerksamer Bürger und neuer Technik

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18 Jahre nach dem Mord an der kleinen Johanna wurde ein Tatverdächtiger verhaftet. Wie kamen sie auf die Spur?

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 13:27 Uhr

Gießen | Aufmerksamen Passanten und einer verbesserten Technik zum Fingerabdruck-Vergleich ist zu verdanken, dass ein Tatverdächtiger 18 Jahre nach dem Mord an der achtjährigen Johanna festgenommen wurde. Der 41-Jährige sitzt seit Mittwoch wegen Mordes und besonders schwerer sexueller Nötigung in Haft. Er soll das Mädchen 1999 in den Kofferraum seines Autos gezerrt und gefesselt haben. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann gestanden, dass er sich sexuell an dem Kind vergangen und es dann getötet hat.  

Auch in Schleswig-Holstein werden regelmäßig alte Fälle gepruft. Das Landeskriminalamt gründete 2015 eine „Cold Case Unit“, die 2016 den 34 Jahre alten Mordfall an der Schleswigerin Erna Ganz aufklärte.

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag in Gießen berichteten, brachte ein anderer Missbrauchsfall die Ermittler auf die Spur des Tatverdächtigen. Spaziergänger hätten im August 2016 einen Mann bei „Fesselungs-Spielen“ mit einer 14-Jährigen in einem Maisfeld in der Wetterau beobachtet, berichtete der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger. Daraufhin habe man den Mann, der bereits früher zu den Verdächtigen zählte, erneut unter die Lupe genommen und in seiner Wohnung Beweismaterial gefunden. 

Der „Durchbruch“ in den Ermittlungen habe man dank einer „minimalen Fingerabdruckspur“ erzielt: Der abgeschnittene und verzerrte Fingerabdruck war auf einem Stück Klebeband gewesen, mit dem Johanna gefesselt war. Er sei identisch gewesen mit dem linken Daumen des Tatverdächtigen, sagte Hauburger. Der Mann war bereits früher unter den Verdächtigen gewesen, da er das Automodell fuhr, nach dem gefahndet wurde. Damals seien auch Fingerabdrucke genommen worden, aber die Technik sei damals noch nicht so weit gewesen, um ihn damit zu überführen. 

Der 41-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft ledig, kinderlos, ohne Beruf und vorbestraft – allerdings wegen Betäubungsmittel- und Verkehrsdelikten. Die Ermittler hatten auch geprüft, ob es einen Zusammenhang zu ungeklärten Fällen gibt, bei denen Mädchen ermordet oder missbraucht wurden - doch das bestätigte sich nicht. Der Fall aus dem Maisfeld von 2016 wurde noch untersucht. In der Wohnung des Mannes fand die Sonderkommission massenweise Kinderpornografie.

Der Leiter der Soko „Johanna“, Roland Fritsch, sprach am Donnerstag in Gießen von 17 Millionen Dateien, darunter Hunderte Datenträger und Hunderte Videokassetten. Es gebe derzeit „keine belastbaren Hinweise“, dass der Mann für weitere Missbrauchsfälle, Morde oder das Verschwinden von Mädchen verantwortlich ist, sagte der Leiter der Sonderkommission, Roland Fritsch. Es werde nun aber mit Hochdruck weiter ermittelt, um ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland zu überprüfen.

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