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Tödliche Schüsse in Berlin : Mord an Hatun Sürücü: Gericht in Istanbul spricht Brüder frei

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Sürücü wurde 2005 von ihrem jüngeren Bruder in Berlin erschossen. Die zwei älteren Brüder sollen ihn beauftragt haben.

Istanbul | Mehr als zwölf Jahre nach dem Mord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in Berlin sind zwei ihrer Brüder in der Türkei in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Das Gericht für schwere Straftaten in der Metropole Istanbul erklärte am Dienstag, man könne den 36 und 38 Jahre alten Angeklagten den Vorwurf der Beihilfe zur vorsätzlichen Tötung an ihrer Schwester nicht nachweisen. Es seien „nicht genügend eindeutige und glaubhafte, klare Beweise gefunden werden können“, hieß es in der Begründung des Gerichts. Der ältere der beiden Angeklagten wurde zudem wegen Mangel an Beweisen vom Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes freigesprochen.

Ein Ehrenmord soll die vermeintliche Schande oder gesellschaftliche Herabsetzung des Täters beziehungsweise seiner Familie abwenden und dem Umfeld signalisieren, dass die „Ehrbarkeit“ wiederhergestellt wurde. In der Türkei fielen 2014 offiziellen Zahlen zufolge 62 Frauen einem Ehrenmord zum Opfer. Einer Umfrage aus dem Jahr 2006 zufolge hielten 30 Prozent der türkischen Studenten ein solches Vorgehen für eine legitime Reaktion auf eine Verletzung der Familienehre.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Beschuldigten vorgeworfen, im Jahr 2005 den jüngsten Bruder mit dem Mord an ihrer kleinen Schwester beauftragt zu haben. Das Ziel der beiden Angeklagten sei es gewesen, die Familienehre wieder herzustellen. Den ältesten der Bruder hatte sie zudem beschuldigt, die Tatwaffe besorgt zu haben. Für beide Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gefordert.

Der jüngste Bruder erschoss Hatun Sürücü im Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin. Dafür wurde er in Deutschland zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Damals gab er zu Protokoll, den westlichen Lebensstil seiner Schwester verachtet zu haben. Mit dem Mord habe er die Ehre der Familie wiederherstellen wollen. Nach Verbüßung der Strafe wurde der Täter in die Türkei abgeschoben. Der Fall hatte in Deutschland viel Aufsehen erregt.

Auch die beiden älteren Brüder standen in Deutschland vor Gericht, wurden aber zunächst aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob die Freisprüche 2007 auf. Weil die beiden Männer sich in die Türkei abgesetzt hatten, konnte der Prozess jedoch nicht neu aufgerollt werden. Erst 2013 eröffnete die türkische Justiz ein eigenes Strafverfahren gegen die beiden Männer.

In der Istanbuler Anklageschrift heißt es: „Es muss angenommen werden, dass wenn auch kein Indiz alleine ausreicht, um die Schuld der Verdächtigen zu beweisen, dennoch die Gesamtheit der Indizien den nötigen Beweis liefern kann.“ Hauptbelastungszeugin der Anklage ist die Ex-Freundin des Täters. Sie hatte im Prozess gegen ihren Ex-Freund in Deutschland ausgesagt, dieser habe ihr vom Mitwirken der beiden Brüder erzählt. Die Frau konnte im Istanbuler Verfahren nicht noch einmal gehört werden, weil es den Behörden nicht gelang, ihren Aufenthaltsort zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich auf die Ermittlungsakten, die Berlin den türkischen Behörden übersendet hatte.

Der Täter war beim Prozessbeginn in Istanbul im Januar 2016 persönlich vor Gericht erschienen. Dort gab er an, die Tat allein begangen zu haben. Er widersprach seinen Aussagen in Deutschland und sagte, seine Schwester nicht wegen ihres westlichen Lebensstils umgebracht zu haben. Vielmehr habe er bei einem Streit die Fassung verloren. Die Staatsanwaltschaft machte in ihrem Abschlussplädoyer klar, dass sie dennoch davon ausgehe, dass die Brüder die Tat gemeinsam beschlossen hatten. Die beiden Älteren hätten den Jüngsten damit beauftragt, die „Ehre zu säubern“.

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erstellt am 30.Mai.2017 | 15:50 Uhr

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