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"Schande" : Moralisch flirrendes Drama aus Südafrika mit John Malkovich

vom

Südafrika, Ende der Apartheid: Ein Professor und seine Tochter erleben die Zeitenwende auf einer einsamen Farm. Bis sie selbst Opfer von Rassenunruhen werden.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2009 | 05:55 Uhr

Der Roman "Schande" hat den Ausschlag dafür gegeben, dass der Südafrikaner J.M. Coetzee vor sechs Jahren den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Das bittere, moralisch flirrende Drama über die Folgen der Apartheid kommt nun als herausragende Literaturverfilmung ins Kino. Hauptdarsteller John Malkovich war lange nicht mehr so stark.
Malkovich spielt den Literaturprofessor David Lurie in Kapstadt, der sich in seiner Rolle als feingeistiger Casanova gefällt. Ohne einen Hauch von Selbstkritik pflegt der "Diener des Eros" seine Affären. Doch als er einer farbigen Studentin hartnäckig nachstellt und diese zur Verzweiflung bringt, kommt es zum öffentlichen Skandal. Scheinbar cool, fast schamlos zieht Lurie die Konsequenzen und quittiert stolz den Dienst.
Newcomerin Jessica Haines als Tochter
Er sucht Zuflucht bei seiner erwachsenen Tochter Lucy - mit stiller Kraft gespielt von der südafrikanischen Newcomerin Jessica Haines. Allein auf einer einsamen Farm versucht sie, das Ende der Apartheid ganz bewusst zu leben, ihre eigene "Schande" als privilegierte Weiße und Angehöriger der Unterdrückerklasse wieder gut zu machen.

David reagiert wütend und verstört auf die Haltung von Lucy. Dann werden Vater und Tochter von jungen Schwarzen brutal überfallen und schwer verletzt. Lucy wird vergewaltigt und schwanger. Ihre Entscheidung, das Kind zu bekommen und trotz der Erniedrigung in der Nähe der Täter auf ihrer Farm zu bleiben, versetzt den Vater in schwerste innere Konflikte.
Motto: "Kein Drama!"
Regisseur Steve Jacobs erzählt die komplizierte Geschichte mit sehr genauem Blick auf kleinste Verhaltensdetails und hält dabei eine ebenso tragische wie spannende Grundstimmung. Fast wirkt es so, als habe Jacobs für die gesamte Produktion das Motto "Kein Drama!" ausgegeben, um Klarheit und Wirkung zu verstärken.

Analytisch, sachlich im Ton knüpft er ein enges soziales Netz und füllt es mit der ganzen Wucht rassistischer Ungerechtigkeiten und Vorurteile, mit Wut, Hass, Vergeltung und Leid - eingebettet in die fantastische Landschaft Südafrikas, die aber niemals für Postkartenbilder missbraucht wird.

"Schande" berührt das Herz und liefert dem Kopf jede Menge Stoff für Diskussionen hinterher. Beinahe übermenschlich erscheint das Opfer, das Lucy für ihren Weg in ein neues, friedlicheres Südafrika bringt. Ihr Vater reagiert zunächst fassungslos auf ihre Haltung, die für ihn einer Unterwerfung gleichkommt. Dann brechen auch bei ihm rassistische Barrieren auf. "Schande" gehört zu den besten Literaturverfilmungen des Jahres.

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