USA : Mohammed-Karikaturen: Zwei Tote bei Schießerei vor Ausstellung

Wieder sind Mohammed-Karikaturen offensichtlich der Anlaß für Blutvergießen. Diesmal sterben zwei Angreifer in Texas.

shz.de von
04. Mai 2015, 10:50 Uhr

Dallas | Kurz nach einer Rede des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders haben zwei unbekannte Täter in den USA eine Ausstellung mit Mohammed-Karikaturen attackiert. Die Männer nahmen das Gebäude in einem Vorort von Dallas im US-Bundesstaat Texas am Sonntagabend (Ortszeit) unter Feuer und wurden von Polizisten erschossen, wie US-Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Ein Wachmann wurde durch einen Schuss in den Knöchel verletzt.

Wie der Sender CNN berichtete, hatte die New Yorker American Freedom Defense Initiative in dem Dallas-Vorort Garland zu einem Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb eingeladen. Die Organisation gilt als extrem rechts und anti-islamisch. Das Gebäude war abgesichert, die rund 200 Besucher mussten Metalldetektoren passieren.

Den Berichten zufolge sprangen die Angreifer gegen 19 Uhr Ortszeit (2 MESZ am Montag) aus ihrem Auto und schossen auf den Wachmann. Dann seien sie bei einem Feuergefecht mit Polizisten getötet worden. Während der Schießerei wurden mehrere Geschäfte und Einkaufsmärkte geräumt. Bombenexperten untersuchten das Fahrzeug der Attentäter auf Sprengstoff.

Wilders reagierte schockiert. Das sei „ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Inakzeptabel“, schrieb er am Montag in einer SMS an das niederländische Fernsehen. Er twitterte außerdem ein Foto, das ihn mit schwer bewaffneten Sicherheitskräften zeigt. „Gott sei Dank verhinderten die Helden des SWAT-Teams das Schlimmste“, schrieb er dazu.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Picture taken just before <a href="https://twitter.com/hashtag/garlandshooting?src=hash">#garlandshooting</a> . Thank God the heroes of SWAT-team prevented the worst. <a href="http://t.co/BBaQNJir9b">pic.twitter.com/BBaQNJir9b</a></p>&mdash; Geert Wilders (@geertwilderspvv) <a href="https://twitter.com/geertwilderspvv/status/595057786175655937">4. Mai 2015</a></blockquote></center>

Bei dem Karikaturenwettbewerb waren als erster Preis 10.000 Dollar (9000 Euro) ausgeschrieben. Es habe mehr als 350 Einsendungen gegeben, hieß es. Satirische Abbildungen des Propheten Mohammed werden von vielen Muslimen als extrem beleidigend empfunden.

Am 7. Januar waren in Paris bei einem Anschlag islamistischer Terroristen auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“, das wiederholt Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte, zwölf Menschen umgekommen. Fünf Wochen später gab es bei einem Angriff auf eine Kulturveranstaltung in Kopenhagen einen Toten und mehrere Verletzte.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders bei einer Pegida-Kundgebung in Dresden, links der Mitbegründer der Dresdner Pegida-Bewegung Lutz Bachmann.
Jan Woitas/dpa
Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders bei einer Pegida-Kundgebung in Dresden, links der Mitbegründer der Dresdner Pegida-Bewegung Lutz Bachmann.

Die Polizei ging davon aus, dass die Attacke in Kopenhagen dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks galt, der aber unverletzt blieb.

Unterdessen bereitet sich auch die Polizei im hessischen Hanau auf eine Karikaturen-Schau vor, wo neben islamkritischen Zeichnungen im Schloss Philippsruhe auch eine Mohammed-Karikatur zu sehen sein wird. Trotz des Vorfalls in Texas wurden die Sicherheitsvorkehrungen dort aber nicht verstärkt. „Wir bewerten die Lage fortlaufend und sehen aktuell keinen Bezug zwischen Texas und Hanau“, begründete ein Sprecher der Behörde am Montag in Offenbach die Entscheidung.

Zur Person von Geert Wilders

Mehr als zehn Jahre beherrschte der Rechtspopulist Geert Wilders die politische Bühne in den Niederlanden. Nun sinkt nach vier Wahlniederlagen in Folge sein Stern. Im April trat er noch bei der Pegida-Demonstration in Dresden auf.

Die Arena des hoch aufgeschossenen Politikers ist das Parlament in Den Haag. Dort und über seinen liebsten Kommunikationskanal, Twitter, verbreitet er seine Botschaften vor allem gegen den Islam und die EU. Sein Markenzeichen sind zündende Einzeiler in einfacher Sprache - und seine wasserstoffblond gefärbte Haartolle.

Seinen Hass auf den Islam begründet er mit eigenen Erfahrungen auf Reisen in arabische Länder und seiner großen Sympathie für Israel, wo er zwei Jahre lebte. Er verglich den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ und in seinem Propaganda-Video „Fitna“ („Prüfung“) stellte er den Islam als Quelle des Terrorismus dar.

1998 war der einstige Versicherungskaufmann für die rechtsliberale VVD ins Parlament eingezogen. Nach dem Bruch gründete er seine eigene Partei für die Freiheit (PVV), deren einziges Mitglied er ist. 2010 hatte diese ihren bisher größten Erfolg und wurde drittstärkste Kraft mit 24 Mandaten. Bis 2012 hielt sie sogar die Mitte-Rechts-Minderheitsregierung im Sattel.

Seit dem Bruch wird Wilders, der mit einer Ungarin verheiratet ist, von den Medien und etablierten Parteien weitgehend isoliert. Auch viele Parteifreunde kehrten ihm den Rücken zu, auch wegen seines autoritären Führungsstils. Wegen islamistischer Drohungen bewachen Bodyguards den 51-Jährigen rund um die Uhr.

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