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Mangel an Botenstoff Orexin : Mögliche Ursache für plötzlichen Kindstod gefunden

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Eines hatten betroffene Kinder gemein: Ein auffallend niedriges Level eines Botenstoffs der den Schlafrhythmus steuert.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 15:58 Uhr

Westmead | Wenn ein zuvor gesundes Kind anscheinend unvorhersehbar im ersten Lebensjahr stirbt, sprechen Mediziner von einem plötzlichen Kindstod, auch Sudden Infant Death Syndrom (Sids) genannt. Eine allumfassende Ursache des plötzlichen Kindstods konnte bislang nicht gefunden werden.

Ärzte der Kinderklinik im australischen Westmead fanden laut übereinstimmenden Medienberichten nun aber eine Teilursache heraus. Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet, hätten alle untersuchten Babys eine Gemeinsamkeit aufgewiesen. Die Konzentration des Botenstoffs Orexin im Blut der Babys sei auffallend niedrig gewesen. Eine Studie von mehr als 27 Sids-Fällen habe ergeben, dass das Niveau von Orexin im Gehirn jener Babys, die an Sids starben, um 20 Prozent niedriger war.

Orexin steuert den Schlafrhythmus. Es sorgt dafür, dass man aufwacht, wenn der Schlaf zum Beispiel durch zu wenig Sauerstoffzufuhr gestört wird. „Das scheint darauf hinzudeuten, dass diese Babys von einer Störung betroffen sind, die verhindert, dass die Signale zum Aufwachen richtig weitergegeben werden“, erklärt Rita Machaalani, Schlafexpertin der australischen Kinderklinik. Laut Machaalani forsche ihr Team nun daran, den Grund für die niedrige Konzentration an Orexin im Körper der Babys festzustellen.

Doch der Mangel an Orexin sei wahrscheinlich nur einer der Gründe für den plötzlichen Kindstod. Zwar gingen Forscher schon lange davon aus, dass der Tod eine Folge einer Atemstörung während des Schlafes sei, aber auch der Botenstoff Serotonin kann für den plötzlichen Kindstod verantwortlich sein. Der Gehirnbotenstoff reguliert Schleusenproteine, die Natrium in bestimmte Zellen einströmen lassen. Wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte berichtet, bewirke dies letztendlich, dass ein Natriumstrom die Muskulatur der Atemorgane anregt. Diese zöge sich dann ruckartig zusammen und das Kind schnappt nach Luft, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut einen kritischen Wert unterschreitet.

Liegt das Baby im Schlaf in der Bauchlage, wird die Atmung beispielsweise durch den Druck auf die Lunge oder ein Kissen auf dem Gesicht behindert. Dann sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Normalerweise lösten Serotonin und Orexin in diesem Fall eine Aufwach-Reaktion aus. Sind die Werte zu niedrig, versagt dieses lebenserhaltende Notprogramm jedoch.

In einer Übersicht haben wir weitere Faktoren zusammengefasst, die ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Kindstod bedeuten können und geben Tipps, wie sich das Risiko minimieren lässt:

  • Babys sollten auf dem Rücken schlafen. Liegt das Baby auf dem Bauch, wird Druck auf die Lunge ausgeübt.
  • Babys sollten im Schlafzimmer der Eltern ihr eigenes Bett haben. Schläft das Baby im Bett der Eltern, kann es durch die zusätzliche Körperwärme überhitzen. Die Raumtemperatur sollte nicht zu warm und nicht zu kalt gehalten werden.
  • Gelegentlich passiert es, dass Mütter beim Stillen einschlafen und das Baby dann doch im Elternbett liegen bleibt. Dann ist es gut, wenn zumindest keine Kissen, lose Decken oder andere weiche Dinge auf der Matratze herumliegen, die die Atmung des Kindes behindern können, erklärt der Kinder- und Jugendarzt Hans-Jürgen Nentwich.
  • Bei Babys gehört das Passivrauchen zu den Hauptrisikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Im Auto steigt die Konzentration der Tabakrauchartikel schon bei einer Zigarette drastisch an, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach. Selbst bei geöffnetem Fenster erreiche nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums die Schadstoffkonzentration Werte wie in einer Raucherkneipe.

Laut des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte stellen zudem folgende Faktoren ein erhöhtes Risiko dar:

  • Die Mutter ist unter 20 Jahre alt.
  • Die Schwangerschaft wird nachlässig überwacht.
  • Der Mutterkuchen leidet an Funktionsstörungen.
  • Das Geburtsgewicht beträgt unter 2.000 Gramm.
  • Das Baby muss nach einer Frühgeburt künstlich beatmet werden.
  • Es handelt sich um eine Mehrlingsgeburt.
  • Das Baby ist sehr klein oder wächst wenig.
  • Die Mutter hat bereits drei Kinder zur Welt gebracht.
  • Das Baby leidet während der Geburt an Sauerstoffmangel.
  • Nicht-Stillen (Mütter sollten etwa vier Monate stillen.)
  • Kinder, deren Geschwister schon am plötzlichen Kindstod gestorben sind, haben eine drei- bis fünffach höhere Wahrscheinlichkeit, ebenfalls davon betroffen zu sein.
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