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Ex-Finanzchef des Vatikans : Missbrauchsvorwürfe: Proteste bei Auftritt von George Pell vor Gericht

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Er ist der ranghöchste katholische Geistliche, dem Kindesmissbrauch vorgeworfen wird: Der australische Kardinal Pell.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 14:12 Uhr

Melbourne | Der Kurienkardinal und Papst-Vertraute George Pell ist zum Beginn seiner gerichtlichen Anhörung wegen Missbrauchsvorwürfen in Australien von einer wütenden Menge in Empfang genommen worden. Demonstranten mit Plakaten erwarteten den Ex-Finanzchef des Vatikans am Freitag vor dem Gericht in Melbourne und beschimpften ihn, wie australische Medien berichteten. „Es ist egal, wie weit oben man im Baum sitzt oder wie viel Geld man hat – niemand steht über dem Gesetz“, sagte ein Demonstrant.

Seit 2013 untersucht in Australien eine mit großen Vollmachten ausgestattete unabhängige Kommission das Ausmaß von Kindesmissbrauch in katholischen Kirchen und Einrichtungen des Landes. Auch die Reaktion auf entsprechende Vorwürfe wird untersucht. Die Kommission will im Dezember einen Abschlussbericht vorlegen.

In dem nur rund 15 Minuten dauernden Gerichtstermin wurde verkündet, dass Pell vom 5. März kommenden Jahres an zu den Missbrauchsvorwürfen Stellung nehmen muss. Zu der auf vier Wochen angesetzten Anhörung werden rund 50 Zeugen erwartet, wie die australische Presseagentur AAP berichtete. Am Ende soll ein Untersuchungsrichter entscheiden, ob die Beweise gegen den 76-Jährigen für einen Prozess ausreichen.

Pell hat alle Vorwürfe abgestritten. Nach dem Termin am Freitag äußerten sich weder er noch sein Anwaltsstab. Vor dem Richter sagte sein Anwalt der Zeitung „Guardian“ zufolge, die Ankläger wollten „furchtbar viele Zeugen aufrufen, und sie müssen wissen, warum sie so viele brauchen“.

Der im australischen Ballarat geborene Pell ist der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Vorwürfen von sexuellem Missbrauch vor Gericht steht. Die australische Polizei hatte die Vorwürfe gegen ihn im Juni erhoben. Papst Franziskus, als dessen Vertrauter Pell gilt, hatte ihn auf eigenen Wunsch von seinen Pflichten im Vatikan freigestellt, damit er sich verteidigen kann.

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