Bundeswehr-Manöver im Sauerland : Mindestens ein Mensch stirbt bei Flugzeugabsturz

Ein Anwohner hat bei Elpe in Nordrhein-Westfalen mit seinem Handy Trümmerteile an der Absturzstelle fotografiert.
Ein Anwohner hat bei Elpe in Nordrhein-Westfalen mit seinem Handy Trümmerteile an der Absturzstelle fotografiert.

Eine Übung der Luftwaffe im Sauerland endet tragisch: Eine am Manöver beteiligte Zivilmaschine wird von einem Kampfjet touchiert und stürzt ab. Ein Mensch stirbt, ein zweiter wird vermisst.

shz.de von
23. Juni 2014, 21:30 Uhr

Olsberg | Durch einen lauten Knall werden die Bewohner des beschaulichen Örtchens Elpe bei Olsberg im Sauerland am Montagmittag aus der Ruhe gerissen. In einer Höhe von 3000 bis 5000 Metern hat bei einem Bundeswehr-Manöver ein Kampfjet eine beteiligte Zivilmaschine touchiert. Der Learjet stürzt auf einer Wiese am Ortsrand ab. Die nächsten Häuser sind nur einige Steinwürfe entfernt. Das mit einem Piloten und einem Passagier besetzte Flugzeug geht beim Aufprall in Flammen auf. Mindestens ein Mensch kommt ums Leben. Am Abend finden die Ermittler Leichenteile am Wrack.

Die zwei Eurofighter und die zivile Maschine der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) waren in gemeinsamer Mission am Himmel unterwegs und wollten den Ernstfall simulieren - einer in Not geratenen Maschine zur Hilfe kommen. Doch etwas läuft schief - was genau, sollen jetzt der General Flugsicherheit der Bundeswehr sowie die Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung herausfinden.

Direkt nach dem Unglück wird der kleine Ferienort in der Nähe des Freizeitparks Fort Fun weiträumig abgesperrt. Mehrere Hubschrauber kreisen in der Luft, um nach den Insassen zu suchen - für den Fall, dass die beiden sich per Fallschirm aus dem Flugzeug retten konnten. Im Ort wird nach ersten Angaben von Polizei und Feuerwehr niemand verletzt. Glücklicherweise ist das Flugzeug nach der Kollision noch weiter geflogen und erst direkt hinter den letzten Häusern aufgeprallt.

Einige Hundert Meter weiter wohnt Bernd Klauke. Er ist nur Minuten vor dem Absturz genau an der Unglücksstelle vorbei nach Hause gefahren. „Dann habe ich einen Knall gehört und die Flammen gesehen. Ich mag mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich später nach Hause gekommen wäre“, sagt er. Nicht nur Klauke, sondern alle Einwohner des Örtchens Elpe haben Glück gehabt, denn die Absturzstelle befindet sich nur wenige Meter hinter dem Ortsausgang. Das Bugrad des Fliegers liegt ohne Reifen am Rand einer Weide, einige Meter weiter sind mehrere Haufen verbrannter Wrackteile. Unten im Tal liegt der Rest des Flugzeuges.

Auch einige Kilometer entfernt auf der anderen Seite des Ortes werden Wrackteile entdeckt. Sie stammen nach Auskunft der Feuerwehr von dem Kampfjet, der es nach der Kollision noch schwer beschädigt zum Stützpunkt nach Nörvenich bei Köln schafft. Es sei eine Glanzleistung des Piloten des beschädigten Flugzeugs gewesen, seine Maschine wieder sicher zurückzubringen, sagt der Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31, Oberst Andreas Hoppe. Er ist Chef der Einheit, zu dem die beiden Eurofighter gehören. Was über den Bergen des Sauerlands passiert ist, weiß Hoppe noch nicht, als er am Nachmittag im Fliegerhorst Nörvenich Auskunft gibt.

Das Flugmanöver, bei dem die Piloten der Bundeswehr Sichtkontakt zu dem bei einer privaten Firma gemieteten Maschine aufnehmen, werde immer wieder geübt. Die Eurofighter sind auch für die Sicherheit des Luftraums über Deutschland zuständig. Dazu gehört, in Not geratene Flugzeuge zu einem Flughafen zu begleiten. „Das ist ein bisschen wie ein ADAC in der Luft“, beschreibt Hoppe die Aufgaben seiner Piloten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen