Afghanistan : Mindestens 40 Tote bei schwerem Taliban-Anschlag in Kabul

Helfer bringen Verletzte vom Anschlagsort weg.

Helfer bringen Verletzte vom Anschlagsort weg.

Die radikalislamischen Taliban haben einen schweren Anschlag im Zentrum der afghanischen Hauptstadt für sich reklamiert.

shz.de von
27. Januar 2018, 10:57 Uhr

Kabul | Bei einem schweren Anschlag der radikalislamischen Taliban sind im Zentrum der afghanischen Hauptstadt mindestens 40 Menschen getötet worden. 140 wurden verletzt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Madschroh, am Samstag. Der Attentäter war mit einem mit Sprengstoff vollgepackten Krankenwagen in eine schwer bewachte Straße hineingefahren, an der auch viele ausländische Botschaften liegen. Dort zündete er seine Ladung an einen Sicherheitsposten nahe einem Gebäude des Innenministeriums. Wer die Opfer sind, und ob auch Mitarbeiter der ausländischen Institutionen betroffen waren, blieb zunächst unklar.

Es ist der zweite schwere Anschlag der Taliban in Kabul innerhalb nur einer Woche. Am vergangenen Samstagabend hatten sie das große Hotel Intercontinental angegriffen und mindestens 20 Menschen getötet, darunter eine deutsche Entwicklungshelferin.

In einer über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichten Botschaft hieß, ein Selbstmordattentäter habe sich an einem Sicherheitsposten vor dem alten Ministerium des Inneren in die Luft gesprengt. Die meisten Funktionen des Ministeriums waren vor einigen Monaten in ein neues Haus gezogen, der alte Komplex wird aber noch genutzt.

Männer helfen einem Verwundeten.
doa

Männer helfen einem Verwundeten.

Der Leiter der italienischen Hilfsorganisation Emergency, die eine Klinik für Kriegsverletzungen betreibt, schrieb auf Twitter: „Es ist ein Massaker.“ Emergency hat demnach mehr als 50 Verletzte bei sich.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, der Selbstmordattentäter habe eine Ambulanz gefahren. Er sei durch den ersten Sicherheitsposten in der schwer bewachten Straße gekommen, aber an dem zweiten erkannt worden. Daraufhin habe er den mit Sprengstoff vollgepackten Wagen in die Luft gejagt.

In der Nähe befinden sich auch die Gesandtschaft der Europäischen Union, mehrere Botschaften, darunter die von Schweden, Indien und Indonesien, ein Gebäude des afghanischen Geheimdienstes und weitere Regierungsgebäude.

Auf Bildern war eine hohe Rauchwolke zu sehen, die über dem Zentrum aufstieg. Die Explosion sei in der ganzen Stadt zu spüren gewesen, hieß es bei Tolo News. Ein Augenzeuge berichtete auf Twitter von „dem lautesten Knall, den ich je gehört habe“.

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