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Nepal und Mount Everest : Mindestens 3200 Tote nach Erdbeben im Himalaya

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Auch 24 Stunden nach dem gewaltigen Erdbeben zittert die Erde im Himalaya noch immer. Und die Zahl der Todesopfer steigt weiter. An vielen Orten bergen die Helfer Tote - auch am Mount Everest.

Kathmandu | Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Himalaya finden die Helfer weiter zahlreiche Tote. Allein in Nepal seien mindestens 3200 Menschen ums Leben gekommen, sagte Laxmi Dhakal vom Innenministerium in Nepal am Montag. Für die Rettungs- und Hilfsarbeiten würden alle verfügbaren Kräfte eingesetzt. Das Militär erklärte, 90 Prozent aller nepalesischen Soldaten seien im Einsatz.

In Indien starben bei dem Beben 62 Menschen, in China mindestens 20 Menschen. Zahlreiche Staaten und Organisationen haben Helfer nach Nepal entsandt. Auch aus Deutschland sollten weitere Hilfsflüge starten.

Nepal war am Samstag von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden. Auch in den umliegenden Ländern China, Indien und Bangladesch starben Menschen, als ihre Häuser über ihnen zusammenfielen. Am Sonntag erschütterte ein heftiges Nachbeben die Region.

Die Krankenhäuser und Leichenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Zum Zeitpunkt des Lawinenunglücks hielten sich nach offiziellen Angaben etwa 1000 Bergsteiger und Träger am Mount Everest auf. Die Leichen im Basislager seien von einem Expeditions-Team der indischen Armee gefunden worden, erklärte diese. Nach Angaben der Polizei in Lukla klärte sich das schlechte Wetter am Morgen auf und Helikopter konnten ins Basislager starten. 61 Verletzte seien ins Tal gebracht worden. Derzeit ist die Hauptsaison am 8848 Meter hohen Berg in vollem Gange.

Nach Angaben von Expeditionsleitern und Angehörigen sind unter den Toten am Mount Everest ein Australier, ein US-Amerikaner und ein Chinese. Der Bergsteiger Alex Gavan berichtete aus dem Basislager, die Helikopter brächten derzeit Seile und Eisschrauben in die höher gelegenen Camps. Dort säßen viele Bergsteiger fest, da die Aufstiegsroute zerstört sei, schreibt er auf seiner Homepage.

Am Sonntag kam es zu einem heftigen Nachbeben, das laut US-Erdbebenwarte eine Stärke von 6,7 hatte. Das starke Nachbeben, dessen Epizentrum näher am Mount Everest lag, löste weitere Lawinen aus. „Es war schrecklich hier im Camp 1. Lawinen auf drei Seiten“, schrieb Bergsteiger Daniel Mazur auf Twitter. Er sei besorgt um das Team im Eisfall unterhalb von ihm.

Adrian Ballinger schrieb von der Nordseite des Everest: „Ein weiteres großes. Richtig groß. Von den Bergen um das nordseitige Basislager fielen Felsen herab.“ Die chinesisch-tibetische Bergsteigervereinigung habe alle gebeten, ins Basislager abzusteigen, bis die Nachbeben aufhören.

Die einzige Route durch den gefährlichen Eisfall, die mit vielen Leitern große Gletscherspalten überwindet, wurde durch die Lawine zerstört. Das schrieb Mazur von vor Ort auf seiner Homepage.

Temba Tsheri Sherpa von der Organisation Dreamers' Destination Treks and Expeditions fürchtet, die Zahl der Toten könne weiter steigen. Aus seinem Team seien zwei Nepalesen, ein Chinese und ein Australier unter den Toten. Das britische Unternehmen Jagged Edge bestätigte auf seiner Webseite außerdem, dass der Bergsteiger und Google-Ingenieur Dan Fredinburg starb.

Damit starben in diesem Jahr am höchsten Berg der Welt mehr Menschen als im vergangenen Jahr. Am 18. April 2014 waren beim bisher schwersten Unglück in der Geschichte des Everest-Bergsteigens 16 Nepalesen in einer Lawine ums Leben gekommen. Danach sagten fast alle Teams ihre Vorhaben ab.

Die meisten Menschen in Nepals Hauptstadt Kathmandu verbrachten die Nacht im Freien, eingewickelt in Decken gegen die Himalaya-Kälte. Tausende haben ihre Häuser verloren oder fürchten sich, in die Gebäude zurückzukehren. Laut Augenzeugen zitterte die Erde 24 Stunden nach dem ersten Beben noch immer. Selbst der Präsident Ram Baran Yadaf habe in einem Zelt geschlafen, sagte sein Sprecher in einem lokalen Radio.

Länder aus aller Welt schickten Flugzeuge mit Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Medikamente und Kommunikationsgeräten. Allein der große Nachbar Indien flog 43 Tonnen Material ein, darunter Zelte und Wasser. Auch mehrere Helikopter wurden zur Verfügung gestellt. Aus Deutschland machten sich ebenfalls Helfer auf den Weg. Millionenbeträge verschiedener Regierungen und von Google sollen ebenfalls die Not lindern helfern.

Fast nirgendwo in Kathmandu gab es Strom, manche Menschen halfen sich mit Solarlampen. „Wir laden unsere Handys an Autobatterien auf“, sagte Alina Shrestha von World Vision, die selbst betroffen ist. Etwa 30 Nachbarn hätten die Nacht in Zelten in ihrem Hof verbracht. Sie höre Helikopter, aber Soldaten oder Polizisten habe sie in ihrem Stadtviertel noch nicht gesehen.

Wie es in vielen abgelegenen Städte und Dörfern in dem Himalaya-Land aussieht, war zunächst kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak, unter dem das Epizentrum des Bebens lag, sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. „Ich habe meine Angehörigen und alle meine Nachbarn verloren“, sagte eine Frau auf Jaybageshwari einem örtlichen Radiosender. „Kann jemand, der überlebt hat, uns helfen? Wir haben weder Essen noch Kleidung. Alles ist weg.“

Hilfsorganisationen riefen die Menschen in Deutschland zum Spenden auf. Care etwa plant, bis zu 75.000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor packt Verbands- und Nahtmaterialien, chirurgisches Besteck, Schmerzmittel, Antibiotika und Spritzen für seine Partner.

Auch Japan hat eine Hilfsmannschaft nach Nepal entsandt. Ein 70-köpfiges Katastrophenteam reiste am Sonntag Richtung Kathmandu ab, wie japanische Medien berichteten. „Wir haben nach dem großen ostjapanischen Erdbeben Unterstützung aus verschiedenen Ländern erhalten. Als Repräsentanten Japans möchten wir etwas zurückgeben“, sagte Einsatzleiter Shigenobu Kobayashi vom japanischen Außenministerium vor dem Abflug. Am 11. März 2011 hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten Japans verwüstet. Rund 18.500 Menschen kamen ums Leben.

Augenzeugen berichten, vielfach hätten die Menschen nur noch Kekse und Trockenfrüchte übrig. Hilfsorganisationen fürchten, dass bald auch das Wasser ausgeht. Auch die Ärzte sind an vielen Orten bereits überlastet. „Unter den Toten sind viele Kinder“, sagte Doktor Pratab Narayan aus dem Teaching-Krankenhaus. „Wir sind völlig überwältigt von der Zahl an Menschen.“ Die deutsche Botschaft in Kathmandu wurde ebenfalls beschädigt. Das Auswärtiges Amt rät Touristen von Touren in die Erdbebengebiete zunächst ab.

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erstellt am 27.Apr.2015 | 08:30 Uhr

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