zur Navigation springen

Manipulation mit Photoshop : MH17-Absturz: Russland hat der Welt gefälschte Satellitenbilder gezeigt

vom

Die Investigativ-Plattform „Bellingcat“ hat von Moskau veröffentlichte Satellitenbilder analysiert. Das Ergebnis: Zwei Bilder sind nachträglich bearbeitet und falsch datiert worden. Ein Rückblick.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2015 | 14:42 Uhr

Moskau | Neue Analysen einer Investigativ-Plattform belegen, das Russland veröffentlichte Satellitenbilder manipuliert hat. Sie sollten den Verdacht erhärten, dass die Ukraine die Boeing mit einer Flugabwehrrakete vom Typ „Buk“ in der Ostukraine abgeschossen hat. Das Unglück hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Der Abschlussbericht über die Unglücksursache wird für den Herbst erwartet. Was war passiert?

Es ist der 17. Juli 2014. Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines ist auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Die Flugroute verläuft über Deutschland, dann weiter nach Polen und über die Ukraine immer in Richtung Malaysia. Gegen 13 Uhr fliegt die Maschine über der zu dieser Zeit besonders hart umkämpften Ostukraine auf einer Flughöhe von 33.000 Fuß (etwa zehn Kilometer). Die Route ist durch Eurocontrol und die Internationale Organisation für Zivilluftfahrt freigegeben. Wegen einiger Gewitter ändert Flug MH17 leicht den Kurs. Über dem Luftraum um Donetzk bricht der Kontakt um 13.20 Uhr plötzlich ab.

Der Bericht der Flugunfalluntersuchung wird später Schäden im vorderen Bereich der Maschine feststellen, die auf den Einschlag zahlreicher „Objekte mit hoher Geschwindigkeit“ von außen hindeuten. Das Flugzeug brach daraufhin in der Luft auseinander. Trümmerteile werden in einem Umkreis von 35 Quadratkilometern gefunden. Alle 298 Passagiere an Bord des Malaysia-Airlines-Flug kommen ums Leben. Unter ihnen 192 Niederländer und 80 Kinder. Ein technischer Defekt oder ein Fehler der Crew werden ausgeschlossen. Zahlreiche Experten vermuten, die Maschine sei durch eine Flugabwehrrakete getroffen worden.

Schnell werfen sich Ukrainer und prorussische Separatisten gegenseitig vor, für den Abschuss verantwortlich zu sein. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko spricht noch am selben Abend von einem „terroristischen Akt“ der Milizen. Diese beschuldigen die ukrainische Regierung wiederum, den Urlaubsflieger als „Provokation“ abgeschossen zu haben. Russlands Präsident Wladimir Putin macht am Tag nach dem Unglück die Regierung in Kiew für den Abschuss verantwortlich. Internationale Reaktionen sind vorsichtig mit Schuldzuweisungen. Weder US-Präsident Barack Obama noch der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte finden deutliche Worte in den Tagen nach dem Absturz. Die niederländische Staatsanwaltschaft, die die internationalen strafrechtlichen Ermittlungen leitet, veröffentlicht später deutliche Indizien (Ton- und Videodokumente) gegen die Rebellen. Auf einen internationalen Zeugenaufruf gehen mehrere hundert Hinweise ein.

Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle werden in den folgenden Monaten von Chaos begleitet. Die OSZE-Beobachter und auch der ukrainische Katastrophenschutz wurden beim Besuch der Absturzstelle streng bewacht und daran gehindert, Beweismaterial zu sichern. Internationale Bergungsteams bekommen in der Folge Zugang zum Unglücksort. Aufgrund der angespannten Lage müssen die Arbeiten am Wrack des Flugzeuges immer wieder unterbrochen werden. Im November beginnt die Bergung der Flugzeugteile. Immer wieder werden auch Leichen geborgen. Anfang Mai treffen dann die letzten sieben Särge mit Opfern in den Niederlanden ein. Der abschließende Untersuchungsbericht wird für den Herbst erwartet.

Seit dem Wochenende mehren sich Hinweise, dass Russland angebliches Beweismaterial gegen die Ukraine manipuliert haben soll. Nach einem Bericht der investigativen britischen Plattform „Bellingcat“ sind die Satellitenaufnahmen, die Moskau als Beweis für die Verantwortung der Ukraine präsentierte, gefälscht. Der am Sonntagabend veröffentlichte Bericht bestätigt frühere Analysen von Experten.

Kurz nach der Katastrophe hatte das russische Verteidigungsministerium am 21. Juli 2014 Satellitenbilder veröffentlicht, die Abwehrraketen des Typs „Buk“ zeigen, die die ukrainische Armee in der Nähe der Absturzstelle stationiert haben sollte. „Die Satellitenfotos wurden nachweislich nicht am 17. Juli 2014 aufgenommen“, bestätigt nun Bellingcat. Die Bilder stammten aus dem Juni. Dies sei anhand von Vergleichsanalysen verschiedener Karten und Satellitenaufnahmen festgestellt worden.

Außerdem seien mit Photoshop Buk-Raketensysteme in spätere Aufnahmen vom Juli montiert worden. So scheint es, als ob die Raketen sich auf ukrainischem Gebiet befänden. „Die forensische Analyse aller drei Bilder hat eindeutig und zweifelsfrei ergeben, dass diese Bilder verändert wurden. In den Bildern wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit signifikante Bildinhalte digital verändert“, heißt es in dem Bericht. So seien zum Beispiel Wolken auf Bildern hinzugefügt worden, um eventuell andere Details auf den Satellitenfotos zu verdecken.

Es ist nicht das erste Mal, dass im Fall von Flug MH17 gefälschte Satellitenbilder auftauchen. Im Frühjahr war in Moskau ein Bericht von russischen Ingenieuren veröffentlicht worden. Auch darin sollen Satellitenbilder die Schuld der Ukraine belegen. Die Bilder waren nach Ansicht von Experten manipuliert. Moskau hatte bereits 2014 auch Radaraufnahmen vorgelegt, nach denen ein ukrainisches Militärflugzeug am 17. Juli eine Rakete auf die Boeing abgefeuert hatte. Die Radarbilder waren manipuliert, stellten kurz darauf Experten fest.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen