Unfall im U-Bahn-Tunnel : Metro in Moskau: Unfall fordert mindestens 20 Tote

Zahlreiche Verletzte und mindestens 10 Tote sind die tragische Bilanz des U-Bahn-Unglücks in Moskau.
Zahlreiche Verletzte und mindestens 10 Tote sind die tragische Bilanz des U-Bahn-Unglücks in Moskau.

20 Tote und etwa 129 Verletzte sind das Ergebnis eines Unfalls in der Moskauer Metro. Eine U-Bahn hatte wegen eines falschen Signals heftig gebremst. Dabei sind drei Waggons entgleist.

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15. Juli 2014, 11:00 Uhr

Moskau | Beim schwersten Unfall in der Geschichte der Moskauer Metro ist die Zahl der Toten auf mindestens 20 gestiegen. Das sagte Wladimir Markin von der russischen Ermittlungsbehörde am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. Einen Terroranschlag schloss er aus. „Es handelt sich allem Anschein nach um eine technische Katastrophe.“  Markin zweifelte an der zunächst verbreiteten Version, dass ein Spannungsabfall vor der Station „Slawjanski Boulevard“ den Unfall verursacht haben könnte. Die Energiewerke der Stadt hätten eine solche Stromschwankung nicht bestätigt. „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen. Ein Defekt am Fahrgestell ist ebenso nicht ausgeschlossen wie eine kaputte Weiche.“

Bei dem Unfall mitten im morgendlichen Berufsverkehr waren in einem Tunnel drei Waggons entgleist, nach dem ein voll besetzter Zug heftig bremsen musste. Zum Unfallzeitpunkt um 08.39 Uhr (06.39 Uhr MESZ) sei der Zug etwa 70 Kilometer pro Stunde schnell gefahren, sagte Markin. Etwa 1100 Menschen wurden danach auf Metrostationen in Sicherheit gebracht. „19 Menschen sind bei dem Unfall gestorben, zudem erlag eine Frau im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen“, sagte Oleg Salagaj vom Gesundheitsministerium. Insgesamt seien 129 Menschen in Kliniken gebracht worden. Die Linie bleibe zwei Tage lang geschlossen.

Bürgermeister Sergej Sobjanin ordnete für diesen Mittwoch öffentliche Trauer in der Hauptstadt an. Er eilte an die Unfallstelle und sagte den Opfern unbürokratische Hilfe zu. Zudem ordnete er den Einsatz von mehr als 65 Bussen als Ersatzverkehr an. Mehrere Stationen waren gesperrt. Die U-Bahn gilt mit täglich neun Millionen Passagieren als wichtigstes Verkehrssystem der mit mehr als 12 Millionen Einwohnern größten Stadt Europas. Die 1935 eröffnete U-Bahn der russischen Hauptstadt gilt technisch als renovierungsbedürftig. Der Unfall geschah etwa 200 Meter von der Station entfernt.

Die 1935 von Sowjetdiktator Josef Stalin eröffnete Metro ist Moskaus wichtigstes Nahverkehrsmittel. An jedem Werktag nutzen bis zu neun Millionen Fahrgäste das rund 300 Kilometer lange Schienennetz. In der Hauptverkehrszeit fährt auf den wichtigsten U-Bahnlinien etwa jede Minute ein Zug. Viele der 180 Stationen an 12 Strecken sind prunkvoll mit Lüstern, Reliefs und Statuen verziert und mit Marmor verkleidet. Touristen kaufen sich oft eigens ein Ticket für 28 Rubel (60 Cent), um die in Reiseführern beschriebenen „unterirdischen Paläste“ zu bestaunen. 2010 starben bei zwei Terroranschlägen in der Metro insgesamt rund 40 Menschen.
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