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Moskau : Menschenrechtler: Verdächtige im Mordfall Nemzow womöglich gefoltert

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Fünf Verdächtige haben die russischen Ermittler festgenommen. Einer davon hat seine Beteiligung an der Tat gestanden.

Moskau | Zwei Verdächtige im Mordfall des Kremlkritikers Boris Nemzow sind einem russischen Menschenrechtler zufolge möglicherweise bei Vernehmungen gefoltert worden. Bei einem Besuch im Gefängnis habe er bei den Männern Schürfwunden gesehen, die einen ausreichenden Folterverdacht nahelegten, teilte Andrej Babuschkin, Mitglied der Menschenrechtskommission beim Kreml, am Mittwoch in Moskau mit.

Der 55-jährige Oppositionspolitiker Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke in Sichtweite der Kremlmauer von einem Unbekannten hinterrücks erschossen worden. Nemzows 23-jährige Begleiterin Anna Durizkaja blieb unverletzt. Als Hauptzeugin durfte die Ukrainerin Russland nach intensiver Befragung der Ermittler verlassen. Wenige Tage später nahm die Polizei fünf Verdächtige aus dem islamisch geprägten Nordkaukasus fest. Weggefährten Nemzows zweifeln aber an einem religiösen Motiv.


Der Chef der Gefangenenkommission, Anton Zwetkow, forderte eine Prüfung. Die Männer behaupteten, mit Baseballschlägern und Stromschlägen gefoltert worden zu sein. Die Blutergüsse und Schrammen könnten aber auch von der Festnahme stammen, meinte Zwetkow.

Der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ (Mittwoch) zufolge sollen die Hintermänner der Bluttat in höheren Sicherheitskreisen der Teilrepublik Tschetschenien sitzen. Demnach soll ein mutmaßlicher Major einer Spezialeinheit, zu der einer der Verdächtigen gehörte, der „wahrscheinliche Organisator“ sein. Für „Nowaja Gaseta“ hatte die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet. Kritiker vermuten die Verantwortlichen im Umfeld des Kremls. Nemzow galt als einer der wichtigsten Anführer der russischen Opposition und ein entschiedener Gegner von Präsident Putin.

Der in Moskau ermordete Regierungskritiker Boris Nemzow galt als einer der schillerndsten Politiker Russlands.

- Am 9. Oktober 1959 wird er als Sohn eines hohen Sowjetfunktionärs in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi geboren.

- Nach Scheidung der Eltern wächst er bei der Mutter, einer Ärztin, in Gorki (heute: Nischni Nowgorod) auf.

- 1981 Abschluss des Studiums der Radiophysik an der Universität Gorki.

- 1990 Wahl in den Obersten Sowjet der Russischen Föderation.

- 1991 Ernennung zum Verwaltungschef der Region Nischni Nowgorod

- 1997 wird Nemzow Energieminister und Vize-Regierungschef.

- 1998 gründet er die Bewegung „Junges Russland“; der mit anderen Parteien gebildete Block SPS kommt bei der Wahl 1999 auf 8,5 Prozent.

- Bei der Wahl 2003 verfehlt SDS mit Nemzow als Spitzenkandidat den Einzug ins Parlament

- 2009 scheitert er bei der Wahl zum Bürgermeister von Sotschi.

- 2010 wird Nemzows Streitschrift über Wladimir Putin beschlagnahmt; der Kremlkritiker wird auf Kundgebungen mehracht verhaftet.

- 2011 verweigern Behörden seiner neuen Partei Parnas die Zulassung.

- Am 27. Februar 2015 wird Nemzow nahe des Kreml erschossen.

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erstellt am 11.Mär.2015 | 15:35 Uhr

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