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Gewalttäter : „Menschenjagd“ in Köln: Mehrere Ausländer verletzt

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In der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes kommt es wieder zu gewaltsamen Übergriffen. Syrer und Pakistaner werden attackiert.

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2016 | 11:41 Uhr

Köln | In Gruppen haben unbekannte Täter in der Kölner Innenstadt mehrere Ausländer angegriffen und verletzt. Zwei Pakistaner mussten nach den Attacken am Sonntagabend ins Krankenhaus gebracht werden, ein Syrer wurde leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Ermittelt wird wegen schwerer Körperverletzung. Ob die Angriffe einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatten und direkt mit den Geschehnissen der Silvesternacht in Köln zusammenhängen, wird laut einem Polizeisprecher noch geprüft.

Die Stimmung in Köln ist nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht aufgewühlt. Es gab mehrere Demos und in sozialen Medien wird mehrfach über Hass-Parolen auch auf offener Straße berichtet.

Nach Informationen des Kölner „Express“ hatte sich eine Gruppe aus Rockern, Hooligans und Türstehern über Facebook verabredet, „um in der Kölner Innenstadt ,auf Menschenjagd' zu gehen“. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht wolle man „ordentlich aufräumen“, zitierte das Blatt aus einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe. Ob zwischen dem Aufruf und den Angriffen ein Zusammenhang besteht, war zunächst unklar.

Präsenzmaßnahmen in der Kölner Innenstadt dauern anAm Abend des 10. Januar (Sonntag) sind in der Kölner Innenstadt...

Posted by Polizei NRW Köln on  Sonntag, 10. Januar 2016

Der erste Vorfall ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 18.40 Uhr. Eine Gruppe von etwa 20 Menschen ging in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes auf sechs Pakistaner los. Rund zwanzig Minuten später kam es nicht weit entfernt zu einer zweiten Attacke: Fünf Täter griffen einen Mann aus Frechen mit syrischer Staatsangehörigkeit an. Der 39-Jährige wurde verletzt, musste aber nicht ärztlich behandelt werden. Ob es zwischen den Taten eine Verbindung gibt, war zunächst offen.

Bereits am Nachmittag habe die Polizei Hinweise „auf Personengruppen erhalten, die gezielt Provokationen suchen würden“, hieß es in der Mitteilung vom Sonntagabend. Daraufhin sei die Polizei in der Innenstadt mit starken Kräften im Einsatz gewesen. In der Nacht sei die Präsenz nach mehreren Personenkontrollen dann wieder zurückgefahren worden, sagte ein Polizeisprecher. Über 100 Menschen wurden von den Beamten kontrolliert.

Hintergrund: Rechtsradikale trotz Haftbefehl auf freiem Fuß

In Deutschland sind Hunderte zu Haftstrafen verurteilte Rechtsradikale auf freiem Fuß, obwohl gegen sie Haftbefehle vorliegen. Ende September 2015 waren 466 Haftbefehle gegen 372 rechtsmotivierte Täter nicht vollstreckt, wie das Bundesinnenministerium am Montag auf Anfrage der Linken mitteilte.

Bei den Tätern, die in den allermeisten Fällen ins Gefängnis müssen, aber offensichtlich derzeit nicht zu fassen sind, geht es in 70 Fällen um politisch motivierte Straftaten, etwa das Verwenden von Nazisymbolen. 103 Haftbefehle liegen gegen Täter vor, die Gewalttaten begingen, wobei fünf davon aus politischen Motiven handelten.

Nicht alle Straftaten des fraglichen Personenkreises waren also rechtsmotiviert. Es geht zum Beispiel auch um Diebstahl, Betrug, Hehlerei oder das Erschleichen von Leistungen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Montag, die Zahlen seien „nichtsdestotrotz besorgniserregend“.

„Wir werden uns auch im Untersuchungsausschuss noch einmal genau ansehen, ob bei den 372 untergetauchten Neonazis auch welche dabei sind, die Verknüpfungen zum NSU-Umfeld haben“, erklärte die Linke-Obfrau im NSU-Ausschuss, Irene Mihalic, am Montag in Berlin. „Ich habe die große Sorge, dass Neonazis im Untergrund schwerste Verbrechen begehen, und wir es wieder nicht mitbekommen“, sagte sie zuvor der „Süddeutschen Zeitung“, die als erste über die Linken-Anfrage berichtet hatte.

 

Im Zuge der Kontrollen seien vier Menschen vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, die ausgesprochene Platzverweise nicht befolgt hätten. Ob diese Personen zu den Angreifern gehörten, konnte ein Polizeisprecher nicht sagen. Es wurden zwei Strafanzeigen gestellt.

Am Samstag hatte die Kölner Polizei eine Kundgebung von Hooligans und Rechtsextremisten aufgelöst. Die Beamten seien aus der Menge der rund 1700 Demonstranten immer wieder mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei setzte schließlich Wasserwerfer und Reizgas ein und nahm 15 Personen vorübergehend in Gewahrsam. Hintergrund der Demonstration waren die massiven Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in der Domstadt, für die Opfer und Zeugen vor allem Täter nordafrikanischer oder arabischer Herkunft verantwortlich gemacht hatten.

Der Zentralrat der Muslime beklagt eine zunehmende Hetze und Islamfeindlichkeit. Man erlebe eine „neue Dimension des Hasses“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Seit Jahresbeginn habe die Zahl der Anfeindungen und Drohungen gegen den Verband zugenommen. Dazu gebe es Hetze im Internet.

 

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