Hochzeitssaison 2015 : Mein Hochzeitsstress: Familie, Veganer und andere Tücken

2015 wird es bei shz.de romantisch. Gleich drei von uns wollen heiraten. Doch eine Redakteurin verzweifelt schon an den Vorbereitungen.

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04. Mai 2015, 20:59 Uhr

Ganze 27,27 Prozent unserer Onlineredaktion haben das Jahr 2015 auserkoren, sich auf ewig zu binden. So starten drei unserer Redakteure voll vorsichtiger Vorfreude in die diesjährige Hochzeitssaison – aber nicht ganz ohne Stress. Ich bin eine von ihnen. Und verglichen mit meinen Kollegen bin ich wohl so etwas wie der Heirats-Grinch der Redaktion. Nicht selten habe ich bereits auf mein Schicksal als künftige Ehefrau geflucht. Grund sind die ungeliebten Hochzeitsvorbereitungen. Sechs Faktoren, die den vermeintlich schönsten Tag im Leben schon im Vorfeld verkomplizieren.

1. Mütter

Mütter – nicht immer kooperativ.
imago/imagebroker
Mütter – nicht immer kooperativ.
 

Ursprünglich wollten mein Zukünftiger und ich eines sonnigen Tages ins Standesamt spazieren, den Hochzeitsakt vollziehen, das Amt als nunmehr Ehepaar verlassen und den Tag dann entspannt am Strand ausklingen lassen. Doch dann kamen die Mütter.

Während die eine darüber klagte, dass wir weder gedenken kirchlich, noch weiß/blau/alt/neu/gebraucht zu heiraten, störte sich die andere vor allem am geplanten Ausschluss der Öffentlichkeit. Man müsse doch wenigstens die Familie einladen. Und Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Dazu ein unmissverständlicher Anflug von „sonst bin ich schwer enttäuscht“ in der Stimme – wir wurden weich, ein Fest wurde geplant.
 

2. Die Gästeliste

Passt das so? Die Gästeliste – eine Herausforderung.
Flickr.com/Ted and Jen
Passt das so? Die Gästeliste – eine Herausforderung.

Wer ist mein Freund? Wer ist mein Feind? Wie viel Familie ist gesund? Wie passen Oma und die Kumpels meines Zukünftigen in einen Raum? Existenzielle Fragen stellen sich, sobald es an die Auswahl der Gäste geht. Der empfindliche Akt der Zusammenstellung einer Feiergesellschaft inklusive einkalkuliertem Schwund nahm Wochen in Anspruch. Das wiederum rief die Mütter auf den Plan – man könne doch nicht erst zwei Monate vor Ultimo die Einladungen verschicken.

3. Das Essen

Fleisch ist out – doch was isst man stattdessen?
imago/MIS
Fleisch ist out – doch was isst man stattdessen?
 

Früher servierte man Fleisch in rauen Mengen und die Hochzeitsgäste waren zufrieden. Heute hat sich eine Parallel-Esskultur irgendwo zwischen Nahrungsmittelunverträglichkeit und Veganismus etabliert, die ein einheitliches Hochzeitsessen unmöglich macht. Neben Alternativen für Laktosephobiker und Fallobstfreunde wollen auch die inzwischen raren Verfechter robuster Fleischeslust bedient werden. Wir versuchen es mit einem angepassten Grillmenü.

4. Der Nachname

Die Wahl des Nachnamens erlaubt Rückschlüsse auf die Leidensfähigkeit der Eheleute.
imago/Steinach
Die Wahl des Nachnamens erlaubt Rückschlüsse auf die Leidensfähigkeit der Eheleute.
 

„Ja, das ist mal…was anderes.“ So reagieren viele, wenn ich ihnen vom Nachnamen meines Zukünftigen erzähle. Was also tun? Das norddeutsch-dröge –sen für eine westfälische Mittelgebirgsregion sausen lassen? Emanzipiert und unabhängig namentlich getrennte Wege gehen? Nach großem Hin und Her entschied ich mich für die beschwerlichere, aber traditionelle Variante und freue mich nun sehr auf den bevorstehenden Papierkrieg, Verwirrung am Telefon und belustigte Kommentare.

5. Der schönste Tag?

Die Hochzeit – das Highlight im Leben?
imago/Westend61
Die Hochzeit – das Highlight im Leben?
 

„Das wird der schönste Tag eures Lebens! Unvergesslich! Traumhaft!“ Hier bin ich ganz Grinch. Ich selbst hoffe auf eine nette Party, mehr nicht. Dafür sind unsere Regularien mehr als locker. Es gibt keinen Dresscode, keine Geschenkvorgaben, keine hinterrücks durch die Trauzeugen kommunizierten Do’s and Dont’s. Und keine utopischen Erwartungen.

6. Bräuche

Mindestens dreistöckig muss sie sein, sonst ist es keine Hochzeitstorte.
imago/blickwinkel
Mindestens dreistöckig muss sie sein, sonst ist es keine Hochzeitstorte.
 

Mein Kleid wird rot sein – das macht man nicht. Im Zuge meiner Vorbereitungen lernte ich schnell, was man außerdem nicht macht: Dem Bräutigam das Kleid vorab zeigen, keinen Tanzkurs belegen und auf einen Brautstrauß verzichten. Und was man macht: Die Hochzeitstorte umständlich und für Fotos minutenlang in Szene gesetzt gemeinsam anschneiden, Reden halten und durch ausgeschnittene Papierherzen steigen. Was man so macht und was nicht, berücksichtigen wir in unserer Planung allerdings auch weiterhin nur bedingt. Schließlich ist es unsere Hochzeit und da reinreden – das macht man nicht.

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