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Unwetter an der Côte-d'Azur : Mehrere Tote bei Überschwemmungen in Südfrankreich

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Heftige Unwetter führen an der Côte-d'Azur zu dramatischen Szenen. Menschen werden tot im Auto gefunden.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2015 | 16:59 Uhr

Cannes | In Südfrankreich sind nach heftigen Regenfällen und Sturmböen mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Drei Menschen wurden noch vermisst, wie Staatspräsident François Hollande am Sonntag sagte.

Er war gemeinsam mit Innenminister Bernard Cazeneuve in das Unwettergebiet gereist. Hollande warnte die Bewohner der Region vor neuen Unwettern - es seien weitere Regenfälle angekündigt. Die Lage auf vielen Straßen sei noch sehr gefährlich, sagte der Staatschef und mahnte zu großer Vorsicht und Aufmerksamkeit.

Ebenso wie zuvor schon Premierminister Manuel Valls sicherte Hollande rasche Hilfe zu. Hinterbliebene von Opfern sollten schnell unterstützt werden. Der Präfektur in Alpes-Maritimes zufolge waren mehr als 500 Rettungskräfte im Einsatz.

Im kleinen Ort Mandelieu-la-Napoule an der Côte-d'Azur starben nach französischen Fernsehberichten allein fünf Menschen. Sie kamen wahrscheinlich dabei ums Leben, als sie ihre Autos in Sicherheit bringen wollten.

Drei Menschen wurden in Vallauris Golfe-Juan bei Cannes tot in einem Auto gefunden. Sie versuchten, einen überfluteten Tunnel zu passieren. In Biot ertranken drei Menschen in einem Altersheim, eine Frau starb auf einem Parkplatz in Cannes. In Antibes kam ein Mensch auf einem Campingplatz ums Leben. Wie die übrigen Opfer zu Tode kamen, blieb zunächst offen.

Für weite Teile der Mittelmeerküste galten in der Nacht Warnungen vor Unwettern und Hochwasser. In einigen Regionen fiel innerhalb von drei Stunden die Niederschlagsmenge von zwei Monaten. Am Sonntag besserte sich das Wetter dann zwischenzeitig, in weiten Teilen der betroffenen Region schien wieder die Sonne.

Viele Nebenstrecken waren überflutet. In Bahnhöfen steckten Züge fest, weil Strecken blockiert waren. Fahrgäste wurden für die Nacht mit Lebensmitteln und Decken versorgt. Tausende Haushalte waren ohne Strom.

Mehrere überflutete Campingplätze mussten evakuiert werden. Einige Camper wurden dabei mit Hubschraubern von den Dächern ihrer Wohnmobile in Sicherheit gebracht.

Auch in den großen Städten Cannes und Nizza waren viele Straßen zeitweise unpassierbar. Nizzas berühmte Uferstraße Promenade des Anglais stand ebenfalls unter Wasser. Einige Fahrzeuge wurden ins Meer gespült.

Wie kam es zu dem Starkregen?

Ein sogenannter Kaltlufttropfen hat nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die starken Regenfälle in Frankreich ausgelöst. „Das ist ein besonders in der Höhe ausgeprägtes Tiefdruckgebiet“, sagte DWD-Meteorologe Simon Trippler am Sonntag in Offenbach. Der Kaltlufttropfen habe ermöglicht, dass sich mit der feuchten Luft über dem Mittelmeer Wolken bilden konnten, bis es zu sehr starken Regenfällen kam. In Cannes seien etwa 195 Liter pro Quadratmeter in zwölf Stunden gefallen.

„Für den Herbst und den Mittelmeerraum ist das nicht ungewöhnlich“, sagte Trippler. Die Konstellation aus warmer Luft am Boden - durch das noch sehr warme Meer - und kalter Luft in den Höhen begünstige diese Wolkenbildung. Trippler schätzte, dass es pro Herbst mehrere Fälle solcher „Medicanes“ - besondere Stürme im Mittelmeerraum - gibt. Zu der „ungewöhnlichen Häufung von Todesfällen“ sei es vermutlich gekommen, weil einige ihr Auto retten wollten. Die geteerten Straßen verhinderten das Abfließen.

Von Frankreich ziehe der Kaltlufttropfen Richtung Süddeutschland, sagte der Wetterexperte. In Deutschland werde es aber nicht so heftig, „weil eben keine feuchten Luftmassen vom Meer mit einbezogen werden“.

 
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