Neue Marvel-Welt : Mehr Alf als Alien: Tom Hardy ist "Venom"

Venom: Von einem Weltaum-Parasiten befallen, ist Tom Hardy nicht wiederzuerkennen. Foto: Sony Pictures
Venom: Von einem Weltaum-Parasiten befallen, ist Tom Hardy nicht wiederzuerkennen. Foto: Sony Pictures

Als "Venom" stößt Tom Hardy die Tür in eine neue Marvel-Welt auf. Ist der Comic-Film eine Alternative zu den "Avengers"?

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03. Oktober 2018, 08:35 Uhr

Berlin | Mit "Venom" eröffnet Sony ein neues Marvel-Universum – mit Tom Hardy in der Titelrolle eines Weltraum-Monsters im Menschenkörper. Am 3. Oktober kommt der Film ins Kino. (Von "Venom" bis "Halloween": die wichtigen Filmstarts im Oktober)

Wer oder was ist Venom?

Eigentlich soll Eddie Brock nur ein Gefälligkeitsinterview führen. Stattdessen wirft der Enthüllungsjournalist einem Tech-Milliardär Menschenversuche vor – und verliert binnen Stunden Job, Wohnung und Freundin. Sind Sie Eddie Brock, wird er am Abend an der Bar gefragt. Eddie: „Ich war es mal.“ Das trifft es genau: Denn bei seiner Recherche infiziert er sich mit einem Weltall-Parasiten. Ab sofort muss er sich seinen Körper mit Venom teilen, halb Mensch, halb menschenfressendes Monster.

Venom stammt aus den Marvel-Comics; auf der Leinwand gehört er trotzdem nicht zum Kosmos der Avengers. Stattdessen plant Sony ein eigenes Filmuniversum um den ambivalenten Helden, der in Sam Raimis „Spider-Man 3“ (2007) einen ersten Auftritt hatte. Mit Tom Hardy in der Titelrolle bietet Ruben Fleischers Auftakt nun einen massiven Star und mit der spektakulären Mutation auch eine wunderbar finstere Ausgangslage. Tatsächlich ist „Venom“ eine ganze Weile als Körperfresser-Horror inszeniert, bevor Fleischer die Gag- und Actionmaschinerie des Superhelden-Kinos anwirft. (Neues von den X-Men: Was passiert in "Dark Phoenix"?)

Der Alien oder die Menschheit: Wer ist der Parasit?

Im Genre der präpotenten Allmachtsfantasie bietet „Venom“ damit eine schöne Abwechslung. Sein gelegentlicher Heißhunger auf Menschen macht die Identifikation unbequem, als symbiotisches Doppelwesen untergräbt Venom das ganze Konzept von Identität; und sogar Menschheit selbst wird infrage gestellt – als Spezies von miesem Design und zweifelhaftem Nutzen. Der Schurke hat nicht die schlechtesten Argumente, als er statt seiner Aliens die Menschen als Parasiten ihres eigenen Planeten beschreibt.

Wenn der Film dann doch nicht zum bedrohlichen Kino der Verunsicherung wird, liegt es am Monster: In seiner Persönlichkeitsstruktur ist es näher an Alf als an Ridley Scotts eiskaltem „Alien“. Venom selbst bezeichnet sich einmal als Loser seiner Heimat, der bei der unterlegenen Spezies Mensch endlich mal auftrumpfen kann. Wann immer er sich in Eddies Kopf mit seiner Big-Brother-Stimme zu Wort meldet, wird er zum Sprücheklopfer. Es ist sicher kein Zufall, dass Ruben Fleischer Regie führt, der Mann hinter der Horrorkomödie „Zombieland“ (2009). In den Kampfszenen liefert Tom Hardy, aus dessen Körper immer neue Extremitäten hervorschießen, gekonnten Kontrollverlust-Slapstick; die Dialoge, pardon, Selbstgespräche von Eddie und dem Alien tragen Züge der Buddy-Komödie. (Post-Credit-Szene erklärt: Wer ist Woody Harrelsons Schurke im "Venom"-Abspann?)

Den inneren Kampfhund überwinden

Die Abgründe des Stoffs gehen in all den lakonischen Pointen verloren. Dass hier ein Mensch gerade die destruktiven Anteile seiner Person einsetzt, um anderen zu helfen, dass Vorstellungen von Gut und Böse munter durcheinander wirbeln: All das spielt keine große Rolle für einen Film, der das Monster eher wie eine Art Kampfhund behandelt: Er beißt, aber nur, wo das Herrchen es erlaubt. Denn Venom ist und bleibt beim Menschenfleisch. Eddie besteht zwar darauf, nur erwiesene Schurken zu essen. Als Antwort auf ein erhebliches ethisches Dilemma aber ist das womöglich ein bisschen zu dünn.

„Venom“. USA 2018. R: Ruben Fleischer. D: Tom Hardy, Riz Ahmed, Michelle Williams. 113 Minuten, ab 12 Jahren.

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