75 Jahre : McDonald's und Nylonstrumpfhose: Sieben Gemeinsamkeiten

Der Fast-Food-Riese McDonald's feiert 75. Geburtstag.
Der Fast-Food-Riese McDonald's feiert 75. Geburtstag.

Zwei auf den ersten Blick unterschiedliche Giganten feiern Geburtstag. Wir haben die Gemeinsamkeiten herausgefunden.

shz.de von
14. Mai 2015, 20:26 Uhr

Am Freitag, 15. Mai, feiern gleich zwei Giganten ihren 75. Geburtstag: Die erste Filiale der Fast-Food-Kette McDonald's wurde eröffnet und die Nylonstrumpfhose wurde genau an diesem Tag zum ersten Mal verkauft. Der gemeinsame Ehrentag ist natürlich reiner Zufall – bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch Gemeinsamkeiten der grundverschiedenen Geburtstagskinder finden.

1. Born in the USA

Das Geburtsland von McDonald's und den Nylonstrümpfen ist identisch – beide stammen aus den USA. Die erste McDonald's Filiale wurde am 15. Mai 1940 in San Bernardino in Kalifornien eröffnet. Die Brüder Richard und Maurice McDonald ahnten bei der Eröffnung nicht, dass aus ihrem Burger-Restaurant ein Weltkonzern werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt revolutionierte sich Amerikas Dienstleistungsbranche: Familiäre Tante-Emma-Läden mit persönlicher Bedienung wurden durch anonyme Supermärkte, die auf der Basis vom „Nimm-dir-was-du-kaufen-möchtest“-Prinzip funktionieren, abgelöst. Die Gebrüder McDonald erkannten schnell, dass die Idee der Selbstbedienung Zukunft hat und setzten es um – mit Erfolg.

Und auch die Nylonstrumpfhose hat ihre Wurzeln in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Die erste Nylonfaser wurde in den USA bereits in den 1930er Jahren entwickelt – ein paar Jahre später entstand die erste Nylonstrumpfhose. Der 15. Mai 1940 ging als „N-Day“ in die Geschichte ein: An diesem Tag wurden die ersten fünf Millionen Paar Nylonstrümpfe in ausgewählten amerikanischen Geschäften verkauft. Der Andrang war so groß, dass viele Kundinnen leer ausgingen.

2. Für die Masse

In Berlin am Ostbahnhof haben sich tausende Menschen versammelt, um gemeinsam eine Bestellung aufzugeben.
Imago/Olaf Wagner
In Berlin am Ostbahnhof haben sich tausende Menschen versammelt, um gemeinsam eine Bestellung aufzugeben.

In Deutschland eröffnete der erste McDonald's 1971 in München – mittlerweile gibt es 1.468 Filialen im gesamten Bundesgebiet. Bei den Deutschen ist besonders der Cheeseburger beliebt, gefolgt vom Chickenburger und dem legendären Big Mac. Um den Fast-Food-Giganten kurzzeitig aus der Fassung zu bringen, werden übers Internet verabredete Massenbestellungen aufgegeben. Weltweit hat die Fast-Food-Kette täglich mehr als 62 Millionen Kunden. Im Jahr 2011 belief sich der Umsatz auf 24 Milliarden Dollar – die Masse macht’s.

London 1974: Sieben Beinpaare in Nylonstrumpfhosen.
Imago/United Archives International
London 1974: Sieben Beinpaare in Nylonstrumpfhosen.

Für Massenhysterie sorgte nach dem Erscheinen auch die Nylonstrumpfhose – Strumpfhalter und Hüftgürtel gehörten damit der Vergangenheit an. Der revolutionäre Nylonstoff eroberte auf Grund seiner Feinheit, Strapazierfähigkeit und leichten Transparenz umgehend die Frauenherzen. Schnell entwickelte sich die preiswerte Neuheit zu einem beliebten Massenprodukt.

3. Größenwahnsinn

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">If you don&#39;t laugh at this we can&#39;t be friends <a href="https://twitter.com/hashtag/fries?src=hash">#fries</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/chinese?src=hash">#chinese</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/mcdonalds?src=hash">#mcdonalds</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/supersize?src=hash">#supersize</a> <a href="http://t.co/PL4QKpIG3N">pic.twitter.com/PL4QKpIG3N</a></p>&mdash; tess (@TessaLeno) <a href="https://twitter.com/TessaLeno/status/306178844719726592">25. Februar 2013</a></blockquote></center>

In den USA bezeichnet man eine sehr große Portion des McDonald's-Fast-Foods schlicht als „supersize“ – aber auch hierzulande sind die Portionen mit der Zeit immer größer geworden. Über die Supersize-Mentalität in amerikanischen McDonald's Restaurants wurde 2004 der Dokumentarfilm „Super Size Me“ gedreht. In dem Film setzt sich Morgan Spurlock einem Selbstversuch aus: 30 Tage lang ernährte er sich ausschließlich von McDonald's-Produkten. Und immer, wenn er von den Mitarbeitern danach gefragt wurde, bestellte er das Menü in der „Supersize“-Größe. Nach 30 Tagen hatte Spurlock über elf Kilogramm zugenommen.

Ob blickdicht, glänzend oder mit Muster: Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Imago/Steinach
Ob blickdicht, glänzend oder mit Muster: Wer die Wahl hat, hat die Qual.
 

Die unendliche Größenvielfalt zeigt sich auch bei den Nylonstrümpfen – aber natürlich auf ganz andere Art und Weise. Egal ob groß, klein, dick, dünn, weiblich oder männlich – eine passende Nylonstrumpfhose scheint es für jeden zu geben. In den 60er und 70er Jahren wurden vermehrt verschiedene Modelle mit Eingriff für Männer entwickelt. Das Interesse blieb jedoch verhalten.

4. Gesellschaftliche Verachtung

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">So ist sogar das <a href="https://twitter.com/hashtag/Essen?src=hash">#Essen</a> im <a href="https://twitter.com/hashtag/McDonalds?src=hash">#McDonalds</a> gesund! Muss einmal schauen, ob ich meinen Jüngsten überlisten kann :-) <a href="http://t.co/HPcHuvDjbz">pic.twitter.com/HPcHuvDjbz</a></p>&mdash; Franziska Kernen (@FranziskaKernen) <a href="https://twitter.com/FranziskaKernen/status/327495011644100608">25. April 2013</a></blockquote></center>

Die goldenen Zeiten des großen „M“ sind vorbei. Burger, Pommes und Softdrinks wurden von Gesundheitsfanatikern in den letzten Jahren immer mehr durch Quinoa, grüne Smoothies und Mandelmilch verdrängt. Es scheint, als wäre ein kurzer Snack bei McDonald's alles andere als zeitgemäß. Und wenn es einen doch mal – natürlich nur ausnahmsweise – in eines der Selbstbedienungs-Restaurant verschlägt, erntet man schnell verächtliche Blicke.

Als besonders modisch galt es, Nylonstrumpfhosen mit einer hinteren Naht zu tragen.
Imago/UIG
Als besonders modisch galt es, Nylonstrumpfhosen mit einer hinteren Naht zu tragen.
 

Nicht ohne Grund wird die Nylonstrumpfhose inzwischen aus immer mehr Kleiderschränken verbannt: In 75 Jahren saß die Strumpfhose nie richtig. Irgendwo zwickt es immer. Früher galten die Strümpfe in der feinen Gesellschaft als „must have“ und auf Frauen, die sich keine Nylonstrümpfe leisten konnten, wurde herabgesehen. Mit etwas Kaffeesud und einem Augenbrauenstift für die hintere Naht trugen sich diese Frauen Nylonstrümpfe für den kleinen Geldbeutel auf ihre Beine auf.

5. Kurzlebigkeit

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="und" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/HappyMealProject?src=hash">#HappyMealProject</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Sallydavies?src=hash">#Sallydavies</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/HappyMeal?src=hash">#HappyMeal</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/DaviesHappyMeal?src=hash">#DaviesHappyMeal</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/happybirthday?src=hash">#happybirthday</a> <a href="http://t.co/HornCCLzaU">pic.twitter.com/HornCCLzaU</a></p>&mdash; Sally Davies (@SalDaviesPhoto) <a href="https://twitter.com/SalDaviesPhoto/status/586577357093244928">10. April 2015</a></blockquote></center>

Fast Food ist wahrlich nichts für die Ewigkeit – kaum bezahlt, landet es (wo auch sonst) im Mund der Kunden. Würde man Burger, Pommes und Co. jedoch ein paar Tage Leben schenken, an ihrem Aussehen würde dies kaum etwas ändern: Schimmelpilze und ähnliche Artgenossen meiden das schnelle Essen nämlich vehement. Die New Yorker Künstlerin Sally Davies lagert seit über fünf Jahren ein Happy Meal auf ihrer heimischen Fensterbank und dokumentiert regelmäßig fotografisch den Nichtzerfall.

Es ist passiert: Eine Laufmasche ziert das Bein.
Imago/Westend61
Es ist passiert: Eine Laufmasche ziert das Bein.
 

Von Kurzlebigkeit kann die Nylonstrumpfhose dagegen ein Lied singen. Kaum angezogen, ist es passiert: Eine Laufmasche bahnt sich ihren Weg über das gesamte Bein. Dies ist weder schön anzusehen, noch besonders modisch, weshalb Nylon-Liebhaberinnen stets ein Ersatzpaar der Strümpfe bei sich tragen.

6. Krisenstimmung

McDonald's befindet sich ganz offiziell in einer Krise – der Konzern kämpft weiter mit Kundenschwund und sinkenden Erlösen. Ende April wurde der vierteljährliche Finanzbericht veröffentlicht. Dieser gibt kaum Anlass zur Hoffnung: Der Gewinn des Fast-Food-Riesen fiel im ersten Quartal um etwa ein Drittel zum Vorjahreszeitraum auf 811,5 Millionen Dollar (752 Mio Euro). Insgesamt sank der Umsatz um elf Prozent auf 5,96 Milliarden Dollar. Der neue Vorstandschef Steve Easterbrook, der erst im März den glücklosen Don Thompson ersetzte, soll es richten. In Deutschland wird zurzeit mit einem Kellner- und Lieferservice experimentiert.

Und auch bei dem anderen Geburtstagskind sieht die Stimmung kaum besser aus. Galten Nylonstrümpfe in der Nachkriegszeit noch als Symbol für Weiblichkeit und zusätzlich als begehrte Tauschware auf dem Schwarzmarkt, findet man heute nur bedingt Abnehmer für die Ware. Der Beigeschmack ist verruchter geworden, das Image der Nylonstrumpfhose gänzlich angekratzt – viele verbinden mit dem Kleidungsstück die Erotikbranche. Zusätzlich sind inzwischen immer mehr Kunstfasern auf dem Markt, die den Nylonstoff verdrängen.

7. Zukunft? Ungewiss!

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Oh, McDreck kennt Ironie! <a href="https://twitter.com/hashtag/Kalorienbombe?src=hash">#Kalorienbombe</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/McDonalds?src=hash">#McDonalds</a> <a href="http://t.co/ZygwBZnvsa">pic.twitter.com/ZygwBZnvsa</a></p>&mdash; ケビン (@KevinBWhoElse) <a href="https://twitter.com/KevinBWhoElse/status/595894215772614656">6. Mai 2015</a></blockquote></center>

Das goldene „M“ des McDonald's Firmenlogos hat einen hohen Wiedererkennungswert: Laut einer Umfrage der „Sponsorship Research International", konnten 88% Prozent der Befragtem das goldene „M“ dem Fast-Food-Giganten zuordnen, während nur 54% Prozent wussten, um was es sich bei dem christlichen Kreuz handelt. Die Studie stammt allerdings aus den 90er Jahren, als das Fast Food gerade dabei war, die kulinarische Welt zu revolutionieren. Aktuell bleibt die Zukunft des Fast-Food-Riesen angesichts der schwindenden Beliebtheit ungewiss.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/Advertising?src=hash">#Advertising</a>  #1952 <a href="https://twitter.com/hashtag/Fashion?src=hash">#Fashion</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Ad?src=hash">#Ad</a>, Bauer &amp; Black <a href="https://twitter.com/hashtag/Nylon?src=hash">#Nylon</a> Elastic <a href="https://twitter.com/hashtag/Stockings?src=hash">#Stockings</a>: <a href="https://twitter.com/hashtag/classic_film?src=hash">#classic_film</a> posted a photo: Tagline:... <a href="http://t.co/FhlzRS9MA3">http://t.co/FhlzRS9MA3</a></p>&mdash; Julia Young (@IAdvertiseForU) <a href="https://twitter.com/IAdvertiseForU/status/475981959596756994">9. Juni 2014</a></blockquote></center>

Die Werbung für Nylonstrumpfhosen aus vergangenen Tagen hat mittlerweile eine Art Kult-Status erreicht. Die schüchtern präsentierten Nylonstrumpfhosen der meist auf ihre Beine reduzierten Frauen zierten damals Mode-Magazine und Frauenzeitschriften. Heute ist Werbung für Nylonstrumpfhosen fast vollständig aus unserem Medienalltag verschwunden. Ob Nylonstümpfe es zukünftig zurück in die Kleiderschränke dieser Welt schaffen, bleibt ungewiss.

mit dpa

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