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Maxima stellt alle in den Schatten

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Beatrix dankt ab - Willem-Alexander tritt Nachfolge an / Die neue niederländische Königin verzaubert die Menschen

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Amsterdam | Es ist nur eine kleine, fast unscheinbare Geste. Gerade hat Ex-Königin Beatrix I. die Abdankungsurkunde unterschrieben und ihren Sohn Willem-Alexander zum neuen Monarchen der Niederlande gemacht, da kann die stets so korrekte und distanziert wirkende 75-jährige Frau ihre Tränen nicht zurückhalten. Sie ist zutiefst gerührt, als ihr 25 000 Menschen zujubeln, ein einziges wogendes Meer aus Oranje-Schals und Hüten, das "Danke Bea" sagen will. In diesem Augenblick tiefer innerer Bewegung tritt Schwiegertochter Maxima einen Schritt näher an sie heran, nimmt die Hand ihrer Schwiegermutter und drückt sie tröstend.

Die Niederlande haben den Schritt "von B nach A" (von Beatrix zu Willem-Alexander) gemacht, wie es auf vielen Transparenten heißt. Aber der Star der neuen Monarchie ist die, die eigentlich nichts zu sagen hat: Maxima. "Danke Beatrix" heißt es auf der einen Seite der hunderttausenden Fähnchen, die an diesem Tag in Amsterdam verteilt werden. "Hallo Willem-Alexander" auf der anderen. Doch die Transparente an den Booten auf den Grachten, den Pommes-Buden und Bistros gelten ihr: "We love Maxima" (Wir lieben Maxima) - sie überstrahlt in diesem Königshaus alle.

"Wir sind stolz, wir sind einfach nur stolz", sagt die Studentin Maria, die aus Den Haag angereist ist. Und es klingt, als habe sie soeben etwas wiedergefunden, was vielen Niederländern verloren gegangen war: Diese neue Monarchie ist nicht mehr nur ein Gegenstand zum Abschaffen, dieses Königshaus darf man mögen, vielleicht sogar lieben.

Am Dienstag, 30. April, sieben Minuten nach zehn begann das mehrstündige Ritual zum Thronwechsel: Mit ihrer Unterschrift bestätigt Beatrix die Abdankung samt Rückversetzung in den Stand einer Prinzessin. Gleichzeitig wird ihr Sohn Willem-Alexander zum neuen König bestellt. "Ich nehme das Amt mit Dankbarkeit an", sagt er am Nachmittag, nachdem er den Eid auf die Verfassung geleistet hat und die gewählten Volksvertreter ihm gehuldigt haben.

Ganz nebenbei macht er damit auch seine Ehefrau Maxima zur Königin, die zwar protokollarisch ohne Bedeutung bleibt, aber gerade deshalb umso wichtiger werden dürfte.

Derweil versinkt Amsterdam in einem Meer aus Oranje. Hütchen, Kronen, Regencapes und Getränke - an diesem Tag kennt das Land nur eine Farbe. "Oranje sind wir" heißt es auf einem handgemalten Schild an einer Hauswand. Und während in unmittelbarer Nähe des Schlosses die königliche Hofkapelle still wieder einrückt, tönen aus den Nebenstraßen bereits die Bässe von einer der Bühnen.

Für wenigstens einen Tag kann das Land seine aktuellen Probleme vergessen - die Immobilienblase, die Verstaatlichung von Banken, die grassierende Arbeitslosigkeit und die Probleme mit einem Gesundheitssystem, das immer unbezahlbarer wird. Der blaublütige Machtwechsel hilft.

Mehr noch: Die Krone hat mit der neuen Besetzung offenbar auch das Potenzial, ihre "Landeskinder" wieder zu einen und stolz zu machen. Willem-Alexander sowie Maxima würden der Monarchie einen neuen Platz in einer demokratischen Gesellschaft verschaffen.

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