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Handeloh im Kreis Harburg : Massenrausch im Tagungszentrum: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

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In dem Seminar wurden Drogen verteilt. Beschuldigt werden eine Heilpraktikerin und ihr Ehemann, ein Psychotherapeut.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2016 | 13:29 Uhr

Stade | Mehr als ein Jahr nach dem Massenrausch bei einem Heilpraktikerseminar im Landkreis Harburg hat die Staatsanwaltschaft Stade Anklage erhoben. Den beiden Organisatoren wird unter anderem der Besitz von Drogen vorgeworfen, wie Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas am Dienstag mitteilte. Beschuldigt werden eine 49-jährige Heilpraktikerin aus Aachen und ihr 51 Jahre alter Ehemann, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Den beiden drohe bei einer Verurteilung außer einer Haftstrafe auch ein Berufsverbot, so Breas. Wann der Prozess am Landgericht Stade beginnt, stehe noch nicht fest.

Laut Anklage wurden bei dem Seminar Drogen verteilt. Es soll um „persönliche Selbsterfahrung“ und die „Förderung der Bewusstseinsentwicklung“ im Rahmen einer sogenannten Psycholyse gegangen sein. Mit Hilfe von Drogen soll dabei eine Art Bewusstseinserweiterung erreicht werden.

Nach den Ermittlungsergebnissen seien die Angeschuldigten Sympathisanten der sogenannten Kirschblütengemeinschaft, sagte Breas. Die Gemeinschaft wird von der Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche als „problematisch“ eingestuft, Kritiker sprechen von einer Sekte.

Die Teilnehmer des Seminars im südlich von Hamburg gelegenen Handeloh kamen am 4. September 2015 mit Wahnvorstellungen, Krämpfen und Herzrasen in verschiedene Krankenhäuser. In zwei Kapseln wurde anschließend die verbotene Psychodroge 2C-E nachgewiesen, wie die Behörden mitteilten. In der Szene ist die Droge als „Aquarust“ bekannt. Die Ermittlungsverfahren gegen die insgesamt 27 Teilnehmer wurden eingestellt. Der bloße Konsum von Betäubungsmitteln sei straflos, erklärte Breas.

Die Droge Aquarust

Aquarust ist der Szenename für 2,5-Dimethoxy-4-ethylphenethylamin (2C-E) und ist ein sogenanntes Psychedelikum. Es zählt wie das Amphetamin zu den Phenylethylaminen. 2C-E verändert die Wahrnehmung von Farben und Geräuschen und ist zudem ein sehr starkes Halluzinogen - lässt also Dinge sehen, die gar nicht da sind. Zu den Nebenwirkungen zählen Schwitzen und Übelkeit. Meist wird die Substanz geschluckt. Legal therapeutisch verwendet wird 2C-E nicht, weil nicht genügend über das Suchtpotenzial, mögliche Langfristschäden und die Nebenwirkungen der Psycho-Droge bekannt ist. In Deutschland ist es seit Dezember 2014 verboten.

 
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