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"Looking for Eric" : Märchenhaftes Sozialdrama von Ken Loach

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Bei Eric läuft alles schief. Da erscheint ihm eines Tages der legendäre Fußballer Eric Cantona und verschafft ihm eine zweite Chance bei der Liebe seines Lebens

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2009 | 04:29 Uhr

Manchmal schämt man sich vor sich selbst. Zum Beispiel vor seinen falschen Entscheidungen in der Vergangenheit. Oder vor dem fehlenden Mut, der großen Liebe endlich die Wahrheit zu sagen. So geht es auch dem Briefträger und Fußballfan Eric in Manchester. Doch gerade als sein Leben völlig auseinander zu brechen droht, bekommt er plötzlich wundersame Hilfe vom Fußballstar Eric Cantona. Der britische Regisseur Ken Loach, der sich mit eindringlichen Sozialdramen einen Namen gemacht hat, gelingt auch mit "Looking for Eric" ein einfühlsames und humorvolles Werk über die Kraft der Träume und des Zusammenhalts.

Eric (Steve Evets) hat vor langer Zeit den Fehler seines Lebens gemacht. Vor rund 30 Jahren ließ er seine große Liebe Lily (Stephanie Bishop) und ihre gemeinsame Tochter Sam sitzen. Warum, das kann er ihr bis heute nicht sagen. Er traut sich nicht. Im Gegenteil. Eric geht Lily weiter aus dem Weg, sehnt sich aber noch immer nach ihr. Da hilft es auch nicht, dass seine beiden halbstarken Stiefsöhne machen, was sie wollen und dem gutmütigen Eric auf der Nase herumtanzen.
Liebevoll - aber nicht sentimental

Regisseur Loach erzählt Erics Geschichte liebevoll, ohne dabei sentimental zu werden oder seiner Hauptfigur die Würde zu nehmen. Stattdessen lässt er Eric in eine Art Traumwelt gleiten, in der endlich zumindest ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung geht: Eric Cantona, der Manchester United früher mit seinem Spiel zu zahllosen Siegen führte, taucht plötzlich im Leben des Briefträgers auf. Gut, Cantona ist nicht mehr so drahtig und sportlich wie früher. Auch als Schauspieler wirkt er etwas ungelenk. Aber sein Charisma hat er nicht verloren und das überträgt sich spürbar auf die Leinwand. Als unkonventioneller Motivationstrainer hilft Cantona dem gebeutelten Eric sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Was bei anderen Regisseuren schnell bemüht oder schlichtweg platt wirken könnte, entwickelt sich bei Loach ("Its a Free World", "Ae Fond Kiss...") zu einer märchenhaften Geschichte. Denn nicht alles in "Looking for Eric" wirkt wirklich realitätsnah, doch das muss auch nicht sein. Erics Situation ist verfahren genug, da müssen Träume erlaubt sein. Umso schöner ist es, dass Eric in seinem Namensvetter einen neuen, verlässlichen Wegbegleiter findet, lernt, für sich und seine Rechte einzustehen - und irgendwann sogar bei Lily einen neuen Annäherungsversuch wagt.

Sicherlich folgt das der altbewährten Formel "Wenn du an dich selbst glaubst, dann schaffst du es auch". Doch dafür findet Regisseur Loach immer wieder geschickt neue Wendungen, an denen Eric wachsen und sich beweisen muss. Außerdem schafft es Loach gekonnt, tragische mit lustigen Momenten zu kombinieren, so dass "Looking for Eric" nicht deprimierend, sondern überraschend hoffnungsfroh und unterhaltsam daher kommt.

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