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Germanwings-Flug 4U9525 : Lufthansa wusste von Depression - Video aus Unglücksflieger gefunden

vom

Per E-Mail informierte der Co-Pilot die Verkehrsfliegerschule von seiner Erkrankung.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2015 | 13:15 Uhr

Frankfurt am Main | Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung des Copiloten der Germanwings-Unglücksmaschine von einer vorausgegangenen Depression. Das teilte die Lufthansa eine Woche nach dem Absturz in Frankreich mit 150 Toten mit. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, hieß in der Mitteilung des Unternehmens am Dienstagabend.

In den französischen Alpen war der Airbus am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand zerschellt. Der 27 Jahre alte Copilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet. Für den Unglückstag war er krankgeschrieben.

Gut eine Woche nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich wollen die Menschen der Stadt westfälischen Stadt Haltern zu einem öffentlichen Gottesdienst zusammenkommen. Die Pfarrer der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel haben für 17 Uhr in die St.-Sixtus-Kirche eingeladen. Es werden viele Teilnehmer erwartet, deshalb wird der Gottesdienst über Lautsprecher auch nach draußen übertragen. Unter den Opfern der Tragödie sind 16 Schüler und zwei Lehrerinnen eines Halterner Gymnasiums.

An der Absturzstelle in den französischen Alpen soll am Mittwoch damit begonnen werden, persönliche Gegenstände der Toten zu sichern. Die Bergung der Opfer wurde nach Angaben der Gendarmerie am Dienstag abgeschlossen. Bis spätestens Ende der Woche sollen alle Opfer identifiziert sein. Außerdem geht die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter.

Ein Video aus der Germanwings-Unglücksmaschine soll Medienberichten zufolge Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs 4U9525 zeigen. Eine offizielle Bestätigung für die Existenz des Videos gab es zunächst nicht. „Bild“ und das französische Magazin „Paris Match“ berichteten am Dienstagabend, Mitarbeiter hätten die Sequenz ansehen können. Das Video sei am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre.

Der Zeitung zufolge ist die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar. Die Echtheit des Videos sei unzweifelhaft.

Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin erklärte auf Anfrage der Deutschen-Presse-Agentur dagegen, er wisse nichts von einem solchen Fund. Es seien eine Reihe von Handys gefunden worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand. „Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können.“ Er sei noch zwei Stunden zuvor vor Ort gewesen - da sei von einem solchen Video nicht die Rede gewesen, sagte Robin.

Zum Gesundheitszustand des Unglückspiloten war bereits bekanntgewesen, dass er in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten gehabt hatte. „Im Anschluss wurde dem Co-Piloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt“, betonte die Lufthansa in ihrer Mitteilung. Während seines Einsatzes am 24. März habe der Copilot ein „voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1“ gehabt.

Der Airbus war am Dienstag vor einer Woche auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in Frankreich zerschellt. Der 27 Jahre alte Copilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit voller Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet und für den Unglückstag krankgeschrieben.

In der besonders betroffenen westfälischen Stadt Haltern ist für Mittwoch (17 Uhr) ein öffentlicher ökumenischer Gottesdienst in der St.-Sixtus-Kirche geplant. Unter den Opfern der Tragödie sind 16 Schüler und 2 Lehrerinnen des Halterner Gymnasiums.

Für die Kosten der Germanwings-Katastrophe stellt ein Versicherungskonsortium nach Angaben der Lufthansa 300 Millionen US-Dollar (278 Millionen Euro) zurück. Das Geld sei gedacht für Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen, den zerstörten Airbus A320 und Betreuungsteams, sagte ein Sprecher des Konzerns.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte Frankreich bei einem Besuch von Präsident François Hollande und dessen Kabinett in Berlin für die Unterstützung nach dem Unglück über Südfrankreich mit 150 Toten, darunter 75 Deutschen. Beide Länder seien in den ersten drei Monaten des Jahres „in Bewährungsproben enger zusammengerückt“, sagte Merkel auch mit Blick auf den Anschlag islamistischer Terroristen auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Hollande sprach von einem Regierungstreffen „im Kontext der Tragödien“.

Bereits mehr als 450 Angehörige der Opfer sind seit dem Unglück in die Region gereist. Das sagte die Präfektin des Bezirks Alpes-de-Haute-Provence, Patricia Willaert, am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Zu der Absturzstelle in den Alpen konnten die Ermittler eine Woche nach dem Unglück erstmals über eine eigens errichtete Behelfsstraße in Geländewagen gelangen. Das soll die weitere Suche nach den Opfern und dem noch vermissten Flugdatenschreiber in dem zerklüfteten Gelände erleichtern. Aus Düsseldorf brach am Dienstag ein deutsches Ermittlerteam dorthin auf.

„Aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525“ sagte Lufthansa die für den 15. April geplanten Feierlichkeiten zum 60.Konzernjubiläum ab. Germanwings ist eine Tochter der Lufthansa. Konzern-Chef Carsten Spohr will am Mittwoch mit Angehörigen im Betreuungszentrum in Marseille zusammenkommen.

Hollande stellte die Identifizierung aller Opfer „bis spätestens Ende der Woche“ in Aussicht. Zuvor hatte das Kriminalinstituts der französischen Gendarmerie in Pontoise erklärt, die eigentliche Identifizierung, also die Zuordnung zu den Vergleichsdaten der Angehörigen, könne zwei bis vier Monate dauern. Die Experten hatten allerdings in Aussicht gestellt, dass die Entnahme von DNA-Proben am Unglücksort bis Ende der Woche abgeschlossen werden könnte.

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