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21 Tote in Duisburg : Loveparade-Katastrophe: Der Strafprozess ist geplatzt

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Die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde abgelehnt. Die Richter haben Bedenken bei einem zentralen Beweismittel.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 13:47 Uhr

Duisburg | Das Unglück bei der Loveparade vor knapp sechs Jahren wird vorerst nicht in einem Strafprozess aufgearbeitet. Wie das Gericht am Dienstag bestätigte, wurde die Anklage gegen zehn Beteiligte nicht zur Hauptverhandlung zugelassen.

Bei der Loveparade in Duisburg war es am 24. Juli 2010 zu einem tödlichen Gedränge gekommen. 21 Menschen starben, mindestens 652 wurden verletzt. Dass der Prozess geplatzt ist, ist ein herber Schlag für Betroffene und Hinterbliebene der Tragödie.

Im Februar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben. Ihnen wurde unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Dabei stützte sich die Anklage ganz wesentlich auf das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still. Er hatte Fehler bei der Planung, der Genehmigung und der Durchführung der Loveparade ausgemacht. Die zehn Angeschuldigten sollten mitverantwortlich dafür sein, dass die Rampe für den Zu- und Abgang für Zehntausende Besucher verengt wurde.Doch Still war schnell öffentlich in die Kritik geraten.

Auch die 5. Große Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Joachim Schwartz äußerte Zweifel. Am Dienstag nun stellten die Richter dem Briten ein vernichtendes Zeugnis aus. Sein Gutachten sei wegen gravierender Mängel nicht verwertbar. Zudem bestehe die Sorge, das Still nicht unbefangen an den Fall herangegangen sei.„Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden“, stellten die Richter deshalb fest. „Eine Verurteilung der Angeklagten ist deshalb nicht zu erwarten.“ Opferanwalt Julius Reiter, der rund 100 Betroffene vertritt, bezeichnete die Entscheidung als „Justizskandal“. Seine Kanzlei wäge weitere juristische Schritte ab.

Auch viele Hinterbliebene sowie Opfer, die das Gedränge überlebt haben, äußerten sich entsetzt. „Ich fühle mich retraumatisiert, das wirft mich einfach wieder auf den Stand der Dinge von 2010 zurück“, sagte Manfred Reißaus, der bei dem Unglück seine Tochter verlor. „Es hat uns aufgebaut, dass wir gewartet haben als Eltern, dass mal eine Verhandlung stattfindet.“ Sein Anwalt sagte, die Opfer des Unglücks würden durch die Entscheidung des Gerichts erneut zu Opfern.

Der Verteidiger eines Angeschuldigten unterstützte die Nichtzulassung des Verfahrens und kritisierte die Ankläger: „Wir brauchen nicht auch noch Angeschuldigte, die zu Opfern einer aus dem Ruder gelaufenen Staatsanwaltschaft werden“, teilte Rechtsanwalt Volker Römermann mit.

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger können gegen einen sogenannten Nichteröffnungsbeschluss eine sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen. Kommt es dazu, wird ein Beschwerdesenat die Entscheidung überprüfen. Dies dürfte wiederum einige Zeit in Anspruch nehmen.

Wird die Beschwerde abgelehnt, gibt es kein weiteres Rechtsmittel gegen die Nichtzulassung. Eine erneute Anklage kann dann nur auf Grund neuer Tatsachen oder Beweismittel erhoben werden.

Das Verfahren hatte sich immer wieder in die Länge gezogen, weil die Richter sich durch riesige Mengen an Material arbeiten mussten. Die Hauptakte mit den wichtigsten Unterlagen für den Prozess umfasst mehr als 46 700 Seiten und füllt 99 Aktenordner. Hinzu kommen mehr als 800 Ordner mit ergänzendem Aktenmaterial.

Unabhängig der Absage an ein Strafverfahren wird sich das Landgericht Duisburg weiter mit mehreren Schadenersatzprozessen von Opfern des Unglücks beschäftigen. Am 11. Mai gebe es die nächsten beiden Verfahren, teilte das Gericht mit. Eine 48-Jährige aus Essen und eine 30-Jährige aus Melle bei Osnabrück verlangen dort Schmerzensgeld für die Verletzungen, die sie im Gedränge erlitten.

Insgesamt sind beim Landgericht noch 12 Zivilverfahren anhängig, in denen es um das Loveparade-Unglück geht.

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