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Anklage vor Gericht in Duisburg : Loveparade-Katastrophe 2010: Streit über Entschädigung für Retter

vom

Ein Feuerwehrmann fordert 90.000 Euro. Einen Anspruch auf Entschädigung sieht das Duisburger Landgericht aber nicht.

Duisburg | Für seinen Einsatz bei der Loveparade-Katastrophe vor mehr als fünf Jahren kann ein Feuerwehrmann nach Einschätzung des Duisburger Landgerichts keine Entschädigung beanspruchen. Der Richter Stefan Ulrich erklärte in dem Zivilverfahren am Dienstag, dass Schadenersatz in aller Regel nur Menschen zustehe, die von einem Unglück unmittelbar betroffen seien. Dies sei bei dem 53 Jahre alten Feuerwehrmann nicht der Fall. Zudem gehe es „um ein typisches Berufsrisiko“.

Bei der Loveparade in Duisburg kamen bei einer Massenpanik 21 junge Menschen ums Leben. Mehr als 500 Technofans wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Die Todesopfer aus Deutschland, China, Australien, Spanien, Italien und den Niederlanden wurden an einem Tunnel im Zugangsbereich des Veranstaltungsgeländes erdrückt oder zu Tode getrampelt. Vermutlich Tausende erlitten im Gedränge psychische Schäden. Am Unglücksort erinnern heute 21 Holzkreuze und eine Gedenktafel an die Opfer.

Im ersten Prozess zu der Tragödie will der Feuerwehrmann 90.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Land und vom Veranstalter erstreiten. Das Gericht verkündet seine Entscheidung am 5. Oktober.

Nach eigenen Worten erlitt der Helfer eine posttraumatische Belastungsstörung, als er zum Unglücksort geschickt wurde. Bei dem Technofestival hatte sich an einer Rampe ein tödliches Gedränge gebildet, mehr als 500 Menschen wurden verletzt. „Ein Beobachter hat keinen Schadenersatzanspruch, auch wenn er selber schwer erkrankt“, erklärte der Richter. Etwas Schlimmes zu sehen, etwa einen Unfall auf der Autobahn, gehöre zum „allgemeinen Lebensrisiko“. Es gebe jedoch Ausnahmen, etwa wenn jemand den Tod eines nahen Angehörigen miterleben muss.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Extrem belastende Ereignisse wie Krieg, Terror oder ein dramatisches Unglück hinterlassen bei vielen Betroffenen psychische Spuren. Eine häufige Folge sind sogenannte posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Sie treten teils erst Monate später auf und zeigen sich in unterschiedlichen Symptomen. Oft werden die Erkrankten schwermütig, haben Alpträume, körperliche Schmerzen sowie Panikattacken.

Viele erleben das Ereignis - oft eine lebensbedrohliche Situation - in ihrer Vorstellung immer wieder. Der Alltag wird zu einer schier unüberwindlichen Herausforderung. Hilfe bietet eine Psychotherapie, in vielen Fällen ist eine stationäre Behandlung nötig. In der Therapie werden Patienten angeleitet, die auslösende Situation schrittweise nachzuerleben und etwaige Schuldgefühle zu überwinden.

Neben dem Antrag des Feuerwehrmannes sind acht weitere Zivilklagen in Sachen Loveparade anhängig. Zwei von zehn Anträgen auf Prozesskostenhilfe hatten die Richter vor kurzem abgelehnt, da sie den Klagen keine Chancen einräumten.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Tragödie steckt nach wie vor im Zwischenverfahren fest. So steht noch die Entscheidung des Landgerichts aus, ob es die Anklageschrift wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zulässt und es zu einer Hauptverhandlung kommt. Beschuldigt sind insgesamt zehn Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters.„Wir verhandeln hier nur einen Mini-Ausschnitt. Das ist ja überlagert von einer viel größeren Thematik“, sagte Richter Ulrich. Der Feuerwehrmann will weiter versuchen, eine Entschädigung einzuklagen. „Wer so eine Veranstaltung plant, ist für die Sicherheit von allen Menschen zuständig“, sagte er.

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erstellt am 01.Sep.2015 | 14:48 Uhr

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