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Leere Floskeln sind tabu - Beim Kondolieren eigene Worte finden

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Stuttgart (dpa/tmn) - Viele haben Angst, gegenüber Trauernden etwas Falsches zu sagen. Dabei ist es gar nicht schwer, sein Beileid angemessen auszudrücken. Wichtig ist, sich nicht groß zu verstellen, sondern lieber auf seine Gefühle zu hören.

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erstellt am 30.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Stuttgart (dpa/tmn) - Viele haben Angst, gegenüber Trauernden etwas Falsches zu sagen. Dabei ist es gar nicht schwer, sein Beileid angemessen auszudrücken. Wichtig ist, sich nicht groß zu verstellen, sondern lieber auf seine Gefühle zu hören.

Authentisch bleiben und sich nicht hinter Floskeln verstecken - wer das beherzigt, kann beim Kondolieren nicht viel verkehrt machen. «Gut ist immer, sich auf seine Gefühle zu verlassen», sagt Agnes Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat. Das gilt auch für die Kondolenzkarte. Seine Gedanken und Gefühle in eigenen Worten zusammenzufassen, spende viel mehr Kraft als abgenutzte Sprüche, unter die die Absender nur noch ihre Unterschrift setzen.

Erlaubt ist auch, eigene Erinnerungen an die verstorbene Person aufzuschreiben. «Das tut demjenigen, der die Person verloren hat, sehr, sehr gut», sagt Jarosch. Der Trauernde spüre so, dass andere auch eine emotionale Verbindung mit der Person hatten. Auch eigene Erfahrungen mit dem Verlust geliebter Menschen dürfen Erwähnung finden. Das zeigt: «Ich kann ein Stück weit nachvollziehen, wie es dir geht.»

Bei der Wahl der Karte ist Vorsicht geboten: Briefe mit schwarzem Rand sind tabu. «Das ist die Post, die aus dem Trauerhaus kommt», erklärt Jarosch. Im geschäftlichen Umfeld kann auch das Firmenpapier als Kondolenzschreiben herhalten - allerdings nur der Repräsentationsbogen, auf dem keine AGBs oder Kontaktdaten aufgelistet sind.

Statt eine Karte zu schreiben, können Freunde und Kollegen auch beim Trauernden anrufen. Da haben viele unnötige Hemmungen, sagt Jarosch. Ein Anruf tue dem Trauernden gut. «Gerade, wenn das Verhältnis freundschaftlich ist, da nicht auf Tauchstation gehen», warnt die Knigge-Expertin.

Die Anrufer können zum Beispiel ihre Hilfe anbieten: «Hilfe ist immer gut - perfekt ist, wenn man es konkret macht», erklärt Jarosch. Dazu zähle zum Beispiel das Angebot, bei dem anfallenden Papierkram zu helfen. Und Arbeitskollegen können fragen, ob sie dem Trauernden aktuelle Projekte abnehmen sollen.

Verwandte und enge Freunde können sich Karte und Anruf sparen - und lieber gleich bei dem Trauernden persönlich vorbeigehen. «Man muss auch gar nicht darauf eingestellt sein, jetzt viel zu reden», beruhigt Jarosch. Oft reicht es, da zu sein und zuzuhören - oder gemeinsam zu schweigen. «Da geht es jetzt nicht darum, banale Tipps zum Besten zu geben.»

Für Karte, Anruf und Vorbeigehen gilt: «Gerne schnell.» Nach der Todesnachricht sollte nicht viel Zeit vergehen, bis die ersten dem Trauernden ihr Mitgefühl ausdrücken.

Für die Beerdigung orientieren sich Gäste am besten daran, was in der Traueranzeige steht. Wenn darin gebeten wird, von Beileidsbekundungen am Grab abzusehen, sollte man das respektieren. Ansonsten gilt auch hier: Es muss nicht viel gesagt werden. «Ein herzlicher Händedruck, eine feste Umarmung kann schon reichen», so Jarosch. «Wir fühlen uns ständig unter Druck gesetzt, etwas sagen zu müssen.» Davon müsse man sich befreien.

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