zur Navigation springen

"Dinosaurier" : Leander Haußmanns Seniorenkomödie mit Gebiss

vom

In seiner Altenheim-Komödie "Dinosaurier" bietet Regisseur Leander Haußmann alten Schauspiellegenden noch einmal eine Bühne.

Nachdenken und Abschalten kann sie am besten beim Kekse backen. Doch seitdem Lena Brake (Eva-Maria Hagen) im Altenheim lebt, wachsen ihr die Sorgen über den Kopf: Von der Bank ist sie mit einem miesen Trick um Haus und Geld gebracht worden und in ihrem neuen Zuhause fühlt sie sich gar nicht wohl. In Heimnachbar Johann Schneider (Ezard Haußmann) findet Lena einen Komplizen - und ihren zweiten Frühling. In seiner neuen Komödie "Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!" bietet Regisseur Leander Haußmann alten Schauspiellegenden noch einmal eine Bühne.

Neben Eva-Maria Hagen sind auch Walter Giller und Nadja Tiller - das Paar lebt selbst in einem Hamburger Seniorenheim - oder Ingrid van Bergen als Heimbewohner zu sehen. Jüngere deutsche Schauspieler wie Daniel Brühl oder Benno Fürmann spielen lediglich Nebenrollen. In dem Remake des Films "Lina Braake" (1975) ehrt Haußmann aber vor allem einen: Seinen Vater Ezard Haußmann als sympathischen Schwerenöter Johann Schneider.
Rolle für den Vater geschrieben

"Mein Vater hat unbedingt noch einmal eine große Filmrolle verdient", sagt der Regisseur. Er habe durch zehn Jahre Berufsverbot in der DDR viel Zeit verloren. Die Rolle habe er direkt für seinen Vater geschrieben, so Haußmann. "Da ist sehr viel von ihm drin."

In "Dinosaurier" spielt Ezard Haußmann den Ex-Bauunternehmer Johann Schneider, der allen eine Demenz vorgaukelt, um wegen zwielichtiger Geschäfte nicht im Gefängnis zu landen. Er verliebt sich in seine neue Heimnachbarin Lena. Gemeinsam mit den übrigen Bewohnern planen sie einen Coup, um Lenas Haus wieder zurückzuerobern - und um alle, die an der Frische ihres Verstandes zweifeln, vom Gegenteil zu überzeugen. So führen sie auch den Sohn von Johann Schneider (gespielt vom Regisseur selbst), der seinen Vater entmündigen will, hinters Licht.
Künstliche Gebissen, Parkinson und Alzheimer

Berührungsängste mit dem Alter scheint Leander Haußmann ("Herr Lehmann", "Sonnenallee") nicht zu haben. Der Film ist geprägt von künstlichen Gebissen, Parkinson und Alzheimer. Das heruntergekommene Altenheim ist ein kritischer Wink in Richtung Gesundheits- und Pflegepolitik: Da ist der schrullige Heimleiter Piretti (Tom Erhardt, "Siegfried"), der aus Ekel vor seinen Patienten Hautausschlag bekommt und mit goldener Rolex-Uhr für die Philosophie des Hauses wirbt: "Bescheidenheit und menschliche Nähe, nicht Luxus". Seine Schützlinge überwacht er per Babyfon. Hygiene und Pflege lassen zu wünschen übrig. Eine Bushaltestellen-Attrappe dient als Beschäftigungs- Therapie: Am "Haus zur untergehenden Sonne" hält der Bus nie.

Haußmann bedient mit seinen Figuren oftmals Klischees, fügt ihnen jedoch auch überraschende Facetten hinzu. Hervorzuheben ist Daniel Brühl als schleimiger Banker Tobias Hardmann: Brühl, dem bislang die Rolle des schüchtern-naiven Jungen auf den Leib geschnitten schien, zeigt (ebenso wie die Alten mit blendend weißem Gebiss), dass er auch komisch sein kann.
105-minütiges Schmunzeln

Mit Schenkelklopfern wartet der Film nicht auf, eher sorgt er für ein 105-minütiges Schmunzeln. Dialoge und Handlungen erinnern an Kostümkomödien vergangener Dekaden - und das ist sicher eher dem Drehbuch als dem Alter der Protagonisten zuzuschreiben. An "Sonnenallee" oder "Herr Lehmann" reicht Haußmanns neues Werk nicht heran.

So mancher Gag kommt platt daher - etwa wenn sich Lustmolch Johann Schneider zu seinem Geburtstag dralle Stripperinnen einlädt oder es im Bett von Lena Brake gar nicht "sein Krückstock" ist, der sich in ihren Rücken bohrt, sondern etwas anderes. Jugendfrei ist die Komödie zweifelsohne.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Dez.2009 | 11:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen