zur Navigation springen

"Maria, ihm schmeckts nicht!" : Kulturschock in Italien

vom

"Warum heiratet sie keinen Normalen?", tönt es von der Verwandtschaft in Apulien, als die in Deutschland aufgewachsene Sara (Mina Tander) ihren Zukünftigen präsentiert.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2009 | 05:47 Uhr

Und auch der lässig-moderne Jan (Christian Ulmen) - nunmehr Gianni - ist geschockt von dem, was ihn in dem süditalienischen Bergort erwartet: uralte Steinhäuser, Armut, Tradition und Glauben, unüberschaubarer Familientrubel samt Jahrzehnte währender Clan-Fehden - und natürlich jede Menge Essgelage. Von den Irritationen, Sympathien und Annäherungen zwischen zwei Kulturen erzählte Jan Weiler 2003 unterhaltsam und witzig in seinem autobiografisch inspirierten Bestsellerroman "Maria, ihm schmeckts nicht!" Der Autor und Journalist traf den Nerv von 1,7 Millionen Käufern wohl auch deshalb, weil seine Geschichte bezüglich Migrations- und Toleranzthematik Spaghettini-genau im Trend lag.
Kein Wunder, dass sein Buch nun verfilmt wurde: Die junge Regisseurin Neele Leana Vollmar ("Urlaub vom Leben", 2005) schuf eine sommerliche Wohlfühl-Komödie ohne viele Widerhaken, die mit Mentalitäts-Klischees spielt und dabei - auch dank origineller Darsteller - ein großes Publikum zum Lachen bringen dürfte. Wie sehr derzeit im Kino mit Humor und Menschlichkeit für Verständigung zwischen kulturell Andersartigen geworben wird, zeigen etwa auch die französischen Erfolgskomödie "Willkommen bei den Schtis" und Ali Samadi Ahadis gerade angelaufene Produktion "Salami Aleikum" über einen Deutsch-Iraner.
Köstliche Teutonen-Karikaturen
Außer Ulmen, dem angesagten Entertainer, Moderator und Schauspieler ("Herr Lehmann", 2003), der hier trefflich - quasi in der Eichendorff-Nachfolge - den arglos-charmanten Italienreisenden abgibt, spielt der italienische Star-Komiker Lino Banfi eine tragende Rolle: Er mimt Jans Gastarbeiter-Schwiegervater Antonio Marcipane. Langsam, aber stetig spielt sich der korpulente und kahlköpfige Banfi (73) in die Zuschauerherzen - zeigt bissiges Temperament, versteckte Gutmütigkeit sowie lebensklugen Redefluss auf Trapattoni-Deutsch: "Deutsche sucht immer Probleme. Italiener hat schon Probleme - braucht nicht zu suchen."
Köstliche Teutonen-Karikaturen gelingen hingegen Gundi Ellert und Peter Prager als Jans mittelständisch-saturiertes Elternpaar: Der staubtrockene, spießige Linksakademiker in Urlauber-Bermudas ist genauso eine Figur, die man zu kennen meint wie die hirnlos plappernde italophile Mutter, die Italiener vorzugsweise mit Gnocchi und toskanischem Wein beschenkt.
Oft quietschkomisch, mal nachdenklich, gelegentlich aber auch etwas schwungarm kommt die Komödie daher. Neben dem chaotischen, schnell in Streitigkeiten verstrickten bi-nationalen Personal zeigt die Kamera immer wieder sonnendurchflutete, karge Hügellandschaften sowie malerisch heruntergekommene Straßenzüge, die so ganz anders aussehen als Krefeld oder das Gastarbeiter-Ziel Osnabrück der 60-er Jahre. Insgesamt wirkt das alles so lecker und locker wie eine Cassata: Viel mehr gibt "Maria, ihm schmeckts nicht!" jedoch auch nicht her - schon allein deshalb, weil derlei Zwiste zwischen Deutschen und Italienern heute gesellschaftlich so harmlos anmuten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen