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Anschlag in Stockholm : Kommentar: Also wieder ein Lastwagen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was in Stockholm passiert ist, wird Teil unseres Alltags, kommentiert sh:z-Chefredakteur Stefan Hans Kläsener.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 19:59 Uhr

Stockholm | Die Sprachbilder gehen den Journalisten inzwischen aus, die Betroffenheitsäußerungen der Politik klingen nach Textbausteinen. Von „Die Gefahr lauert überall“ über „Wir müssen bedingungslos aufklären“ zu „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer und den Verletzten“. Klar, was soll man auch sagen? Eine angemessene Sprache für das Unaussprechbare, wenn ein Mensch, aus welchen Motiven auch immer, mehrere andere aus dem Leben reißt, gibt es ja eben nicht. Es macht aber möglicherweise Sinn, sich über die Gefahren unseres Alltags zu vergewissern und die falsche Sicherheit, in der wir uns über Jahre wiegen durften, zu enttarnen.

Jederzeit kann ein Mensch zum Terroristen werden, durch ein Messer, eine Bombe, einen Amoklauf mit einer Schusswaffe oder – mit einem Fahrzeug. In Israel sind Bushaltestellen mit schweren Eisenpollern gesichert, weil es Dutzende Anschläge auf wartende Passagiere gab. Inzwischen häufen sich international die Anschläge mit schweren Lastwagen, denen ein Eisenpoller sicherlich keinen notwendigen Widerstand leisten kann. Es gibt sie also nicht, die Sicherheit, auch wenn Geheimdienste, Polizei und Personenkontrollen eine Menge verbessern können.

Die Mittel ändern sich, und die Sicherheitsmaßnahmen passen sich diesem nachlaufend an, falls es überhaupt möglich ist. Den verirrten Geist aus den Köpfen der Terroristen zu bekommen ist ungleich schwerer. Abschreckung hilft nur bei dem, der den Tod oder die Haft fürchtet. Wer um des Tötens willen sich selbst aufgibt, der ist selbst eine Waffe und wird sein Mordwerkzeug finden.

Sicherheit entsteht also nur, wenn möglichst alle Menschen das Leben genug lieben, um nicht sich selbst und andere um dieses zu bringen. Möglichst alle bedeutet aber auch: Es werden nicht immer alle sein können. Und dann passieren Dinge wie die in der Drottningsgatan.

Über die aktuellen Ereignisse in Stockholm halten wir Sie in unserem Liveblog auf dem Laufenden.

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